Archiv: Der Würzburger Bischof Friedhelm Hofmann spricht am 20.02.2014 während der Abschluss-Pk zur Frühjahrsvollversammlung der Freisinger Bischofskonferenz im Tagungszentrum Schmerlenbach in Hösbach (Bayern). Foto: David Ebener/dpa
Archiv: Der Würzburger Bischof Friedhelm Hofmann spricht am 20.02.2014 während der Abschluss-Pk zur Frühjahrsvollversammlung der Freisinger Bischofskonferenz im Tagungszentrum Schmerlenbach in Hösbach (Bayern). Foto: David Ebener/dpa
Bild
Würzburgs Alt-Bischof Friedhelm Hofmann hat die Gemeinde Höchberg um Entschuldigung gebeten und sein Titel als Ehrendomherr abgelegt.
Bildrechte: picture alliance / dpa | David Ebener
Schlagwörter
Bildrechte: picture alliance / dpa | David Ebener
Audiobeitrag

Würzburgs Alt-Bischof Friedhelm Hofmann hat die Gemeinde Höchberg um Entschuldigung gebeten und sein Titel als Ehrendomherr abgelegt.

Audiobeitrag
>

Missbrauchsdebatte: Alt-Bischof Hofmann legt Ehrentitel nieder

Missbrauchsdebatte: Alt-Bischof Hofmann legt Ehrentitel nieder

Der frühere Würzburger Bischof zieht Konsequenzen aus der Debatte um einen Missbrauchsfall. Nach deutlicher Kritik an seinem Verhalten bittet er um Entschuldigung – und gibt ein kirchliches Ehrenamt auf.

Über dieses Thema berichtet: Bayern-1-Nachrichten am .

Der frühere Würzburger Bischof Friedhelm Hofmann hat den Ehrentitel eines Ehrendomherrn am Würzburger Dom zurückgegeben. Wie die Pressestelle des Bistums Würzburg (POW) am Sonntag mitteilte, reagiert der emeritierte Bischof damit auf Kritik an seinem Umgang mit einem Missbrauchsfall in Höchberg im Landkreis Würzburg.

Hofmann bat zugleich öffentlich um Entschuldigung für sein damaliges Verhalten. Seine neue Stellungnahme wurde nach Angaben des Bistums am Samstagabend und am Sonntag in Gottesdiensten in Höchberg verlesen.

Hofmann: "Habe Fehler begangen"

In seiner Stellungnahme räumt Hofmann Fehler ein. "Ich erkenne an, dass mein Handeln im Jahr 2010 in Bezug auf Ihren damaligen Pfarrer falsch war", schreibt der emeritierte Bischof. "Dafür bitte ich aufrichtig um Entschuldigung." Seine Videobotschaft, die vergangenen Montag bei einer Veranstaltung in Höchberg gezeigt wurde, habe "eine Lücke in der persönlichen Verantwortungsübernahme hinterlassen". Deshalb ziehe er nun eine klare Konsequenz und gebe den Ehrentitel als Ehrendomherr zurück.

Mit diesem Schritt ist Hofmann auch nicht mehr Mitglied des Domkapitels am Würzburger Dom. Das Gremium unterstützt den Bischof bei der Leitung des Bistums.

Gemeinde bedauert späte Erkenntnis Hofmanns

Der Pfarrgemeinderat der Pfarreiengemeinschaft Höchberg und die Kirchenverwaltung der Pfarrei Sankt Norbert begrüßten laut Bistum den Schritt. In einer gemeinsamen Erklärung heißt es, man nehme zur Kenntnis, "dass Bischof em. Dr. Friedhelm Hofmann nun Verantwortung für sein Verhalten übernimmt und Konsequenzen aus seinen persönlichen Versäumnissen in den Jahren 2010 zieht".

Gleichzeitig bedauerten die kirchlichen Gremien, dass dieser Schritt offenbar erst nach einer Informationsveranstaltung in Höchberg erfolgt sei. Nun könne man "gut die zweite Phase des Aufarbeitungsprozesses beginnen". Das zuständige Prozessteam will sich bei einem Treffen am 18. März mit Hofmanns Stellungnahme befassen.

Missbrauchsfälle bereits 2010 bekannt

Auslöser der aktuellen Debatte sind Missbrauchsvorwürfe gegen einen inzwischen verstorbenen Pfarrer, der viele Jahre in Höchberg tätig war. Laut einem Gutachten soll sich der Geistliche an zwei Frauen vergangen haben, an einer von ihnen über mehrere Jahre hinweg. Als die Übergriffe begannen, soll sie erst 13 Jahre alt gewesen sein.

Dem Bistum waren die Vorwürfe bereits 2010 bekannt geworden. Dennoch blieb der Pfarrer im Dienst und hatte weiter Kontakt zu Jugendlichen.

Bischof Jung: "Vertane Chance"

Bei einer Informationsveranstaltung in Höchberg am vergangenen Montag hatte der amtierende Würzburger Bischof Franz Jung seinen Vorgänger deutlich kritisiert. Jung sprach von einer "vertanen Chance" und sagte, er habe erwartet, "dass er sich seiner persönlichen Verantwortung stellt".

Alt-Bischof Hofmann hatte in einer Videobotschaft erklärt, er hätte "stärker nachfragen, genauer hinschauen und konsequenter handeln müssen". Wegen einer schweren Erkrankung konnte er an der Veranstaltung nicht persönlich teilnehmen.

Nach Bekanntwerden der Vorwürfe im vergangenen Sommer hatten Vertreter der Pfarrgemeinde und des Bistums ein gemeinsames Prozessteam gebildet. Dieses soll den Umgang mit dem Fall aufarbeiten. Nach fünf Treffen kam das Gremium zu einem deutlichen Urteil: Der damalige Umgang mit den Vorwürfen sei "völlig unverantwortlich" gewesen.

Das ist die Europäische Perspektive bei BR24.

"Hier ist Bayern": Der BR24 Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!