In der Kirche St. Michael in der Münchner Innenstadt haben am Samstagnachmittag Familienangehörige, Freunde und Weggefährten Abschied von Schauspieler Mario Adorf genommen.
Viele Schauspielkollegen wie Senta Berger, Uschi Glas, Iris Berben, Axel Milberg, Veronica Ferres und Lilly Krug waren zur Trauerfeier gekommen, ebenso David Dietl, der Sohn des Regisseurs Helmut Dietl, mit dem Mario Adorf etwa den Film "Rossini" drehte, sowie der ehemalige Fußballstar Günter Netzer. Auch Adorfs Ehefrau Monique Faye und seine Tochter Stella Maria Adorf nahmen an der Trauerfeier teil.
Links und rechts des Altars standen Sträuße mit weißen Lilien und zwei große Schwarz-Weiß-Portraits des Schauspielers. Der Jesuitenpater Martin Stark, Kirchenrektor von St. Michael, zelebrierte die Trauerfeier.
Iris Berben: "Ach, liebster Mario"
Iris Berben begann ihre Trauerrede mit den Worten "Ach, liebster Mario". Er habe geliebt, was er getan hat und seine Kunst nie verschwendet, so Berben. "Die Bühne hatte nur dann einen Sinn für dich, wenn sie von der Welt erzählte. Du hast Kunst als Transportmittel für Botschaften genutzt, ohne je den Zeigefinger zu erheben", sagte sie.
Seine Neugier und Beobachtung von gesellschaftlichen Prozessen hob auch seine Tochter Stella Maria in ihren Abschiedsworten hervor. Mario Adorf, der zur Zeit des Nationalsozialismus ein Kind war, sei in den vergangenen zehn Jahren zutiefst beunruhigt gewesen. "Das Wiedererstarken von Nationalismus und der offenen Ausgrenzung von Bevölkerungsgruppen brachte ihn dazu, sich zu fragen, was er als Zeitzeuge tun könne, um sich im Rahmen seiner Mittel und Fähigkeiten für die Werte unseres Rechtsstaats einzusetzen." Ihre Rede schloss Stella Maria Adorf mit den Worten: "Vielen Dank, Mario, vielen Dank, Papi - für alles."
Uschi Glas: "Er war ein guter Freund"
Schauspieler Axel Milberg erinnerte sich in seiner Rede an ein Mittagessen mit Adorf und dessen Frau Monique in Paris Ende 2024. Adorfs Verleger Helge Malchow verlas eine Kurzgeschichte, die der Schauspieler und Schriftsteller kurz vor seinem Tod verfasst hatte.
Uschi Glas, die in den 1960er-Jahren ebenso wie Adorf in der Winnetou-Filmreihe mitspielte, sagte dem BR, Mario Adorf sei ein guter Freund gewesen. "Er war durch und durch ein Mensch, hatte einen guten Humor und wir haben viele schöne Stunden zusammen erlebt."
Veronica Ferres, die unter anderem 1997 gemeinsam mit Mario Adorf für Helmut Dietls Komödie "Rossini" vor der Kamera stand, sprach von vielen schönen Erinnerungen: "Wir haben viele Filme zusammen gemacht, Urlaube miteinander verbracht und es hat uns eine tiefe Freundschaft verbunden."
Filmschurke mit Humor
Über Jahrzehnte gehörte Mario Adorf zu den erfolgreichsten deutschen Schauspielern. Im Laufe seiner Karriere schlüpfte er in mehr als 200 Rollen. Auch als Sprecher und Autor machte er sich einen Namen. Seinen Durchbruch als Schauspieler hatte er 1957 mit "Nachts, wenn der Teufel kam". Zu Adorfs bekanntesten Rollen zählen der Bösewicht Santer in der Winnetou-Trilogie von Harald Reinl, Karl Marx in der ZDF-Produktion "Der deutsche Prophet" und – legendär: Generaldirektor Heinrich Haffenloher in der ARD-Serie "Kir Royal", aus der Adorfs wohl berühmteste Dialogzeile stammt: "Ich scheiß' dich sowas von zu mit meinem Geld."
Nach der Trauerfeier sollte es nach Medienberichten zu einem Empfang ins Nobelhotel Bayerischer Hof gehen – dort, wo Adorf am Pool für Helmut Dietls Serie "Kir Royal" einst seine womöglich berühmteste Szene drehte.
Beisetzung in Wahlheimat Frankreich
Mario Adorf war am 8. April im Alter von 95 Jahren in Paris gestorben. Der Schauspieler hatte auch eine Wohnung in München. Beigesetzt werden soll er jedoch nicht in der bayerischen Landeshauptstadt, sondern an der französischen Mittelmeerküste in Saint-Tropez. Adorfs Witwe Monique Faye stammt aus Südfrankreich. Das Ehepaar lebte in Paris.
Im Video: Trauerfeier für Mario Adorf
Trauerfeier für Mario Adorf.
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