Wochenlang bangte ganz Deutschland um den an der Ostsee gestrandeten Buckelwal: Nun hat es Timmy, oder auch Hope genannt, geschafft. Seit Dienstag war der Buckelwal in einem mit Wasser gefüllten Lastkahn, einer sogenannten Barge, in Schrittgeschwindigkeit durch die Ostsee gezogen worden.
Rettungsaktion beendet: Buckelwal in der Nordsee freigelassen
Am Morgen war der Wal dann in der Nordsee freigelassen worden. Das Tier sei gegen 9.00 Uhr nicht mehr im Lastkahn gewesen, sagte Jens Schwarck, Mitglied der privaten Initiative und beim Transport mit dabei, der Deutschen Presse-Agentur. Der Konvoi befand sich zu dem Zeitpunkt etwa 70 Kilometer von der dänischen Stadt Skagen entfernt, im Übergang von Ost- zu Nordsee.
Zuvor hatte der von Experten schon aufgegebene Meeressäuger 29 Tage lang vor der Insel Poel gelegen. Initiiert hatte den Rettungsversuch eine private Initiative, finanziert von dem Münchener Mediamarkt-Mitgründer Walter Gunz und der Unternehmerin Karin Walter-Mommert.
Seit 60 Tagen in der Ostsee unterwegs
Das Tier schwimme nun eigenständig und frei und zumindest zunächst auch in die richtige Richtung, bestätigte Walter-Mommert der Nachrichtenagentur AFP. Beeinträchtigungen seien nicht zu erkennen gewesen. Der Wal habe lediglich bei schwerer See in dem Lastkahn zuvor kleinere Blessuren erlitten, die aber nicht schwerwiegend seien. Das Verlassen des Lastkahns erfolgte demnach offensichtlich relativ unvorbereitet. Eigentlich sei noch einmal eine Untersuchung des Tiers geplant gewesen.
Der vier bis sechs Jahre alte Walbulle war Anfang März erstmals in der Ostsee gesehen worden. In den etwa 60 Tagen bis zum Transport lag er rund zwei Drittel der Zeit in Flachwasserzonen. Am Dienstag war er vor der Insel Poel in einen Lastkahn bugsiert worden, der dann an einen Schlepper gekoppelt Richtung Nordsee startete.
Unklar, wie es dem Wal wirklich geht
Als gerettet gilt der Buckelwal allerdings noch nicht. Die Tierschutzorganisation Whale and Dolphin Conservation (WDC) betonte: "Von einer Rettung kann man erst sprechen, wenn sich der Wal zurück im Nordatlantik befindet und dort langfristig überlebt, sich seine Haut wieder vollständig erholt hat, er wieder eigenständig auf Nahrungssuche geht und an Gewicht zunimmt und seinem natürlichen Verhalten nachgeht."
Nach der langen Liegezeit sei fraglich, ob der Wal noch normal schwimmen und tauchen könne, hatte auch der Walforscher und Meeresbiologe Fabian Ritter erklärt. Die Frage nach der Nahrungsaufnahme stelle sich wegen der in seinem Maul gefundenen Netzteile. Der Wal sei allen Anzeichen nach alles andere als fit.
Diese Einschätzung von Ritter wird jedoch nicht von allen geteilt. Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) hatte zuletzt unter Berufung auf Tierärzte der Initiative betont, dass der Gesundheitszustand des Wals gut sei.
Dänen wollen Tier bei erneuter Strandung nicht befreien
Nach Meinung anderer Experten könnte das Tier aber wieder gezielt zur Küste schwimmen. "In verschiedenen Regionen der Welt ist dokumentiert, dass Großwale bei ausgeprägter Erschöpfung vermehrt flache Küstengewässer mit weichem Untergrund aufsuchen", hatte das Deutsche Meeresmuseum erklärt.
Das dänische Umweltministerium teilte in diesem Zusammenhang mit, dass man gestrandete Meeressäugetiere prinzipiell nicht rette. Strandungen seien "ein natürlich vorkommendes Phänomen" und Wale sollten generell "nicht durch menschliches Eingreifen gerettet oder gestört" werden.
BR24 auf TikTok: Buckelwal Timmy schwimmt in die Nordsee
Mit Material von dpa und AFP
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