Innenansicht des Strafjustizzentrum München.
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Bildrechte: picture alliance/dpa | Peter Kneffel
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Münchner Strafjustizzentrum: Blick zurück auf legendäre Prozesse

Münchner Strafjustizzentrum: Blick zurück auf legendäre Prozesse

Am Münchner Strafjustizzentrum wurde ermittelt, prozessiert, geurteilt. NSU, Sedlmayr, Oetker-Entführung: Große Verfahren, tausende Schicksale. Kontrovers – die Story blickt zurück auf die Geschichte eines Gebäudes, das nach 50 Jahren ausgedient hat.

Über dieses Thema berichtet: Kontrovers am .

Seit 22 Jahren gehört der riesige Betonbau an der Nymphenburger Straße zu Uwe Vaters Leben. "Das Haus und ich, wir waren nie wirklich dicke Freunde. Aber wir haben gelernt, zusammenzuleben", sagt er, als er eine seiner letzten Schichten in dem Gebäude antritt. Vater kennt hier jeden Winkel, doch schon in wenigen Tagen muss sich der Justizsicherheitsinspektor in neuen Räumlichkeiten zurechtzufinden.

Denn das Münchner Strafjustizzentrum zieht in einen Neubau um. Das Gebäude ist baufällig, eine Renovierung gilt als unrentabel. Dabei war der schmucklose Betonklotz aus den 70ern jahrzehntelang einer der wichtigsten Schauplätze deutscher Rechtsgeschichte. Nicht nur zahlreiche Promis saßen dort bereits auf der Anklagebank, auch Mörder, Kriegsverbrecher und Terroristen trafen hier auf Richter.

Oetker-Entführung: "Einer der spannendsten Prozesse, die ich erlebt habe"

Der Rechtsanwalt Steffen Ufer hat viele Fälle hier miterlebt. Der 85-Jährige galt als einer der bedeutendsten Strafverteidiger Deutschlands. "Es ist einfach ein Bau, wo man beim Reingehen schon jede Hoffnung fahren lässt", sagt er. 1979 hatte er im Strafjustizzentrum mit der Oetker-Entführung einen besonders großen Fall. "Es war einer der spannendsten Prozesse, die ich erlebt habe", sagt er heute. Zwei Jahre zuvor war der Unternehmer Richard Oetker entführt und misshandelt worden. Seine Familie zahlte damals 21 Millionen DM Lösegeld, der Täter wurde in einem aufsehenerregenden Prozess zu 15 Jahren Höchststrafe verurteilt.

Spiegel-Gerichtsreporterin: Umgang der Medien im Fall Sedlmayr "einfach ekelhaft"

Auch die ehemalige Spiegel-Gerichtsreporterin Gisela Friedrichsen erinnert sich an unzählige spektakuläre Prozesse, die sie während ihrer Berufslaufbahn am Münchner Justizzentrum begleitet hat. Etwa den Mord am Schauspieler Walter Sedlmayr. Durch den Prozess wird öffentlich, dass Sedlmayr homosexuell war. "Die Medien haben diesen Wandel des Images in einer Weise ausgeschlachtet, es war einfach ekelhaft", erinnert sich Friedrichsen.

Boris Becker im berüchtigten Saal A101 auf der Anklagebank

Im 2002 musste sich Boris Becker auf die Anklagebank begeben - wegen Steuerhinterziehung. Der Prozess gegen die Tennislegende findet im Saal A101 statt, dem berühmtesten Raum im Gebäude. Fensterlos, künstliches Licht - für Menschen, die den Architektur-Stil des Brutalismus schätzen ein Juwel, für die ehemalige Gerichtsreporterin Friedrichsen "... ein schauderhafter Saal".

NSU-Verfahren: Größter Terrorprozess der deutschen Geschichte

Im Saal A101 wurde mit dem NSU-Prozess auch das größte und längste Verfahren der letzten Jahre geführt. 438 Verhandlungstage dauert es, bis die Rechtsterroristin Beate Zschäpe zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt wird. Das Verfahren um den Nationalsozialistischen Untergrund wurde damit zum größten Terrorprozess der deutschen Geschichte. Es geht unter anderem um neun Morde an Migranten. "Das hat uns wirklich Kraft und Energie gekostet", erinnert sich Justizsicherheitsinspektor Uwe Vater. Sein Job ist es, inhaftierte Angeklagte sicher in die Gerichtssäle zu begleiten und dafür zu sorgen, dass keine Kontakte stattfinden, die etwa Zeugen beeinflussen könnten. Er muss außerdem dafür sorgen, dass niemand flieht.

Tränen, Emotionen, Jubel

"Wir haben hier in den letzten 50 Jahren […] im wahrsten Sinne des Wortes historische Prozesse geführt", sagt Laurent Lafleur, Richter am Oberlandesgericht. Auch er hat jahrzehntelang Prozesse am Strafjustizzentrum begleitet, unter anderem als anklagender Staatsanwalt im Dominik-Brunner-Verfahren und ist mittlerweile Pressesprecher. Ihm hat sich der Platz vor dem Betonbau besonders ins Gedächtnis gebrannt. "Manchmal, wenn man aus dem Gebäude herausschaut, sieht man hier Menschen weinen, zusammenbrechen. Manchmal auch wahre Jubel-Arien, wenn Menschen vielleicht zu gut davongekommen sind oder einfach zu Recht freigesprochen wurden. Insofern hat dieser Platz hier auch einiges an Emotionen in den letzten 50 Jahren mitbekommen", sagt er in Kontrovers – Die Story.

Bald ist hier für immer Schluss. Die Münchner Strafjustiz zieht in ein neues Gebäude im Stadtteil Neuhausen. Das Gebäude alte Gebäude aus den 70er Jahren soll verkauft und möglicherweise abgerissen werden.

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