300.000 Umzugskartons und 1.500 Lkw-Fahrten braucht es, um die Strafrechtsabteilungen von vier Gerichten und zwei Staatsanwaltschaften von verschiedenen Standorten in ganz München etappenweise ins neue Strafjustizzentrum am Leonrodplatz umzuziehen. Ende des Monats geht es los. Offiziell eingeweiht ist der Neubau aber bereits.
Größter Gerichtssaal in Bayern
850 Büros und 54 Gerichtssäle, die nach bayerischen Gemeinden benannt sind, stehen zur Verfügung - darunter ein Saal mit 280 Quadratmetern, der wohl der größte in Bayern ist. Er ist teilbar und hat darum mit Illertissen und Neu-Ulm gleich zwei Namen. Am 7. Juli soll dort der sogenannte "Reichsbürgerprozess" fortgesetzt werden. Die Möbel für die Büros wurden größtenteils von den Insassen der Justizvollzugsanstalten München und Amberg gefertigt. Die Gesamtkosten für den neuen Komplex werden auf 434 Millionen Euro beziffert.
"Signal für starken Rechtsstaat"
Ministerpräsident Markus Söder (CSU) sieht den Neubau als "Signal für den starken Rechtsstaat“ und zugleich als ein "Signal für die Wertschätzung“ für die Menschen, die in der Justiz arbeiten. Auf einer Nutzfläche, die mit 39.000 Quadratmetern fast acht Mal so groß wie der Marienplatz ist, werden 1.300 Menschen tätig sein. Das sind gut zehn Prozent aller Bediensteten der allgemeinen Justiz in Bayern. Es sei die größte Baumaßnahme in der Geschichte der bayerischen Justiz gewesen, stellte Justizminister Georg Eisenreich (CSU) bei der Einweihung fest. Als Flaggschiff des staatlichen Hochbaus bezeichnet Bauminister Christian Bernreiter (CSU) das neue Strafjustizzentrum. Beim Bau hätten allein die Betonmischer aneinandergereiht eine Länge von 90 Kilometern gebildet. Das entspreche ungefähr der Entfernung von München nach Garmisch-Partenkirchen.
Neubau mit passivhausähnlichem Standard
Der Neubau am Leonrodplatz ist lichtdurchflutet. Die Wände sind teils eichenvertäfelt, die Böden mit Parkett und Naturstein gestaltet. Großartig und wundervoll sehe alles aus, stellte Ministerpräsident Söder fest: "Ich frag mich nur die ganze Zeit, wo sie den Spa untergebracht haben.“ Der Komplex wurde im "passivhausähnlichen Standard" errichtet, wie es heißt. Er ist um drei Innenhöfe angeordnet. Dazu gehört auch der öffentlich zugängliche Justizgarten. Besucher müssen allerdings wie alle anderen, die in den Komplex wollen, durch die Sicherheitskontrollen.
Sechs Gerichte und Staatsanwaltschaften unter einem Dach
Hans-Joachim Heßler, Präsident des Oberlandesgerichts München, freut sich besonders darauf, dass bald alle nun "alle unter einem Dach“ sind – die Strafabteilungen des Amtsgerichts und der zwei Münchner Landgerichte ebenso wie die OLG-Strafsenate und die beiden Münchner Staatsanwaltschaften. Das werde "ein Highlight“ sein, ist er überzeugt.
Jahrelange Verzögerungen auf der Baustelle
Die Eröffnung des neuen Strafjustizzentrums war ursprünglich schon 2020 geplant. Doch immer wieder gab es Verzögerungen: Etwa wegen des Fundes von kontaminiertem Erdaushub, der Klage einer Firma im Vergabeverfahren, Corona, Lieferengpässen nach dem russischen Angriff auf die Ukraine und Schimmelbefall. Für Schlagzeilen sorgte auch eine Fehlkonstruktion an der Tiefgarageneinfahrt (externer Link). Sie war zunächst zu schmal für die Gefangenentransporte. Offen ist noch, was mit dem alten Strafjustizzentrum an der Nymphenburger Straße passiert, das bereits in den 1970er Jahren erbaut worden ist. Die bayerische Staatsregierung will das Areal verkaufen. Kritiker fordern, sie soll dort lieber für bezahlbaren Wohnraum sorgen.
Das neue Strafjustizzentrum in München war über Jahre hinweg Bayerns größte staatliche Baustelle - jetzt wurde es eröffnet.
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