Im Juli dieses Jahres hatte ein Alpinist im Bereich des Sulztalferners - ein Gletscher in den Stubaier Alpen in Österreich - auf rund 3.000 Metern Höhe einen besonderen Fund gemacht. Er entdeckte einen alten Rucksack und Ausrüstungsgegenstände wie Eispickel, Kamera und Pfeife. Die Polizei nahm Ermittlungen auf und fand den Besitzer in der Oberpfalz.
Dokumente bringen Ermittler auf die Spur
Es handelt sich um einen heute 86 Jahre alten Mann aus Wörth an der Donau im Landkreis Regensburg. Vor mehr als 60 Jahren hatte er den Rucksack nach einem Bergunfall zurückgelassen.
Unter den Fundstücken befand sich unter anderem eine stark verwitterte Mappe mit Dokumenten. Darin stand ein kaum mehr leserlicher Name. Aber so konnte der Besitzer identifiziert werden: Alfred Rothfischer. Sein Sohn, Andreas Rothfischer, reiste vor kurzem nach Tirol, um die Gegenstände aus dem Eis entgegenzunehmen.
Davon sei aber nicht mehr allzu viel übrig geblieben, erzählt Andreas Rothfischer im BR24-Interview. In den Jahren im Eis sei der Rucksack zerfetzt worden, drumherum sei der Inhalt verteilt gewesen: "Ersatzwäsche, die er damals dabeigehabt hat, Mütze, Handschuhe, viele Schuhbürsten, wo niemand weiß, warum er die dabei hatte." Dazu ein Fotoapparat, der Eispickel, die Pfeife - obwohl sein Vater Nichtraucher war - und die Dokumentenmappe.
Bei Bergtour 1963: Sturz in Gletscherspalte
Laut der Familie ist die Polizei zunächst davon ausgegangen, dass es sich bei dem Fund um ein Unglück handelt. Letztlich hatte Alfred Rothfischer im August 1963 jedoch Glück im Unglück auf dem Berg. Der heutige Senior hatte mit Freunden eine Tour im Bereich des Sulztalferners unternommen. Während der Überquerung des Gletschers passierte es dann: Er stürzte in eine Spalte im Eis.
Da die Gruppe angeseilt war, konnte er gehalten werden und sich nach und nach aus der Gletscherspalte befreien. Den Rucksack warf er allerdings in die Tiefe, um während der Aktion sein Gewicht zu verringern. Nach Schilderungen seines Sohnes trug er damals Verletzungen im Brustbereich davon, verursacht vom Seil.
Geschichte mit großer Bedeutung
Alfred Rothfischer und seine Frau Waltraud waren früher viel in den Bergen unterwegs, erzählen sie im Gespräch mit BR24. Dass nach 63 Jahren die Überreste seines Rucksacks auftauchen, konnte der Mann jedoch kaum glauben.
Der Senior selbst konnte seine Ausrüstung aus gesundheitlichen Gründen nicht selbst abholen, freute sich aber laut seinem Sohn, als er sie begutachten konnte. Für seine Nachkommen hat die Geschichte hinter dem Gletscherfund aber eine ganz besondere Bedeutung, wie sein Sohn jetzt sagte: Sie sei oft erzählt worden, zum Beispiel bei Familientreffen. Aber entscheidend sei: "Uns gäbe es dann nicht", wenn der Vater den Sturz nicht überlebt hätte.
Mit Informationen von dpa
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