Viele Augsburgerinnen und Augsburger konnten im vergangenen Winter kaum glauben, was sie da sahen: Schwere Poller wurden am Rathausplatz hin- und hergeschoben, oft im Minutentakt, damit die Straßenbahn durch den Bereich des Christkindlesmarkts fahren konnte. Für die Stadt war es Teil eines Sicherheitskonzepts, für viele Beobachter wirkte es wie ein absurdes Schauspiel. Die Bilder gingen herum, Augsburg wurde belächelt, selbst in der New York Times [externer Link, möglicherweise Bezahlinhalt]. Jetzt sollen diese Szenen Geschichte sein.
Stadtrat beschließt neue Sicherheitsbarrieren
Der Augsburger Stadtrat hat einstimmig beschlossen, neue Barrieren für Veranstaltungen auf dem Rathausplatz anzuschaffen. Sie sollen vor allem beim Christkindlesmarkt zum Einsatz kommen, aber auch bei anderen Events wie dem Kinderfasching oder dem Gaudiwurm genutzt werden können. Nach Angaben der Stadt werden 19 Elemente beschafft. Die Kosten liegen bei gut 800.000 Euro.
Ordnungsreferent Frank Pintsch sagte dem BR, das Sicherheitskonzept des vergangenen Winters habe zwar seinen Zweck erfüllt. Öffentlich sei es aber "sehr stark diskutiert" worden. Die Stadt habe deshalb nach dem Christkindlesmarkt den Auftrag gehabt, Alternativen zu prüfen. Nun setze Augsburg auf ein System, das auch andere Großstädte verwenden.
Pflanztröge statt Poller-Schieben
Die neuen Sicherheitsbarrieren sollen nicht wie klassische Sperren wirken, sondern wie große Pflanzgefäße. Sie werden begrünt, anthrazitfarben gestaltet und mit dem Augsburger Stadtwappen versehen. Aufgestellt werden sollen sie direkt entlang der Buden am Rand des Christkindlesmarkts. Dort bleiben sie während der Veranstaltung stehen und müssen nicht mehr für jede Straßenbahnfahrt bewegt werden.
Genau das war im vergangenen Winter das Problem. Weil am Rathausplatz zwei Straßenbahnlinien vorbeiführen, mussten Sicherheitskräfte die schweren Poller immer wieder zur Seite schieben, sobald eine Tram kam. Den Straßenbahnverkehr über Wochen herauszunehmen, ist für die Stadt keine realistische Option. Für kurze Veranstaltungen könne Schienenersatzverkehr funktionieren, sagte Ordnungsreferent Frank Pintsch dem BR – für den Christkindlesmarkt aber nicht.
Die bisherigen Poller sollen trotzdem weiter genutzt werden, etwa bei den Augsburger Sommernächten, bei Ortsteilfesten oder anderen Versammlungen. Für den Rathausplatz reichen sie nach Einschätzung der Stadt aber nicht aus. Die neuen Barrieren können näher an den Buden stehen und sollen ein Fahrzeug im Ernstfall schneller stoppen. Deshalb setzt Augsburg dort künftig auf die schweren Pflanztröge.
800.000 Euro für mehr Sicherheit
Die Kosten von gut 800.000 Euro nennt Pintsch selbst einen "Haufen Geld". Er verteidigt die Anschaffung aber als Investition in die Sicherheit der kommenden Jahre. Aus Sicht der Stadt gab es vor allem zwei Alternativen: das umstrittene Poller-Schieben weiterführen oder den Straßenbahnverkehr während des Christkindlesmarkts deutlich einschränken. Beides will Augsburg vermeiden.
Sicherheit bei großen Veranstaltungen sei ein emotionales Thema, sagt Pintsch. Manche wollten möglichst viel Schutz, anderen sei jede Maßnahme zu viel. Die Stadt müsse dazwischen mit Augenmaß entscheiden. Ziel sei, dass die Menschen gerne zum Christkindlesmarkt, zu den Sommernächten oder zum Gaudiwurm kommen – und sich in der Augsburger Innenstadt sicher fühlen.
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