Straßenschäden vor der Grund- und Mittelschule Türkenfeld.
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Nach hartem Winter: Bayerns Kommunen kämpfen gegen Schlaglöcher

Nach hartem Winter: Bayerns Kommunen kämpfen gegen Schlaglöcher

Gerade im Frühling tun sich vielerorts Schlaglöcher auf. Doch wegen klammer Gemeindekassen können sie oftmals nur notdürftig geflickt werden. Wie bayerische Kommunen versuchen, das Beste aus der Situation zu machen.

Über dieses Thema berichtet: BR24 TV am .

Die Straße vor der Grund- und Mittelschule in der Gemeinde Türkenfeld im Landkreis Fürstenfeldbruck hat auch schon bessere Zeiten gesehen: Es gibt Netzrisse und zwei tiefe Schlaglöcher. Asphaltbrocken liegen lose herum.

Sebastian Klaß vom Bauamt arbeitet seit Kurzem mit einer KI-basierten App, die beim Abfahren der Gemeindestraßen Schäden an Asphalt oder auf Straßenschildern automatisch erkennt und mit Standortdaten erfasst. Mit der App kann er einen Mitarbeiter des Bauhofs direkt beauftragen, das Schlagloch zu schließen. Städte wie Würzburg und Bamberg nutzen diese Software ebenfalls.

Straßenschäden erkennen und priorisieren: In Türkenfeld hilft KI

Durch das KI-basierte Programm kann auch der Erste Bürgermeister von Türkenfeld, Emanuel Staffler, von seinem Rathausschreibtisch aus verfolgen, in welchem Zustand die Straßen seiner Gemeinde sind. "Das gibt uns die Chance, das ganze viel strukturierter abzuarbeiten", erklärt er.

Auch die Stadt Nürnberg versucht, das Thema Schlaglöcher konstruktiv anzupacken. Dort gibt es auf der Webseite der Stadt einen sogenannten Mängelmelder (externer Link) für Bürgerinnen und Bürger. Ein Team für Straßenbau arbeitet diese Schäden dann priorisiert ab - im Idealfall innerhalb von ein bis zwei Tagen. "Das spart tatsächlich einiges an Zeit und auch an Personalkapazitäten, weil wir gezielter arbeiten können", erklärt Tim Koß von der Stadt Nürnberg.

Gemeindetag: Zustand der Straßen "Spiegelbild unserer Finanznot"

Dass Schlaglöcher schnell geflickt werden, ist wichtig für die Verkehrssicherheit. Eine langfristige Lösung ist das aber nicht. Nötig wären eigentlich großflächige Neuasphaltierungen. Das können aber nur externe Tiefbaufirmen und dafür gibt es derzeit in vielen Kommunen kein Geld.

Das bestätigt auch Gemeindetagspräsident Uwe Brandl: "Ich denke wirklich, dass es so ist, dass die kommunale Infrastruktur das Spiegelbild unserer Finanznot ist". Man spare deshalb vielerorts dort, wo man dem Bürger nicht unmittelbar in die Tasche greifen müsse, so Brandl. Zum Beispiel, wenn die Mitarbeiter des Gemeindebauhofs ein Schlagloch selbst mit Kalt-Asphalt notdürftig flicken.

Freistaat stellt den Kommunen mehr Geld zur Verfügung

Nächste Woche fällt der Bayerische Landtag wichtige Entscheidungen, die die Finanzlage der Gemeinden verbessern sollen: Zum einen der Doppelhaushalt für die Jahre 2026 und 2027.

Zum anderen wird das sogenannte Finanzausgleichs-Änderungsgesetz für 2026 (externer Link) verabschiedet. Das Gesetz regelt, wie das Geld zwischen dem Freistaat und den Städten und Gemeinden verteilt wird.

Laut Finanzministerium sollen dadurch den Kommunen 4,7 Milliarden Euro mehr zur Verfügung stehen. Hinzu kommen noch 3,9 Milliarden Euro aus dem Sondervermögen des Bundes. Das sei "ein wuchtiges Finanzpaket und ein starkes Signal des Zusammenhalts an unsere Kommunen", heißt es aus dem Ministerium.

Gemeindetag: "Tropfen auf den heißen Stein"

Für Uwe Brandl vom Gemeindetag sind diese zusätzlichen Mittel für die Kommunen zwar eine Chance für wichtige Investitionen, dennoch noch nicht genug, um die finanzielle Schieflage vieler Kommunen dauerhaft zu lindern: "Das ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein, wenn man sich anschaut, dass wir über 198 Milliarden aktuell an Infrastrukturdefiziten vor uns herschieben", so Brandl.

Bürgermeister erklärt, warum es manchmal länger dauert

Zurück nach Türkenfeld: Auch dort sind finanzielle Entlastungen gerne gesehen. Damit zum Beispiel die Straße vor der Schule oder der Platz vor dem Rathaus nicht nur notdürftig geflickt, sondern richtig saniert werden können. "Wir haben uns tatsächlich seit fünf Jahren ein jährliches Budget gegeben und der Straßenbau dort war von der Priorität nicht ganz oben. Jetzt kommt's auf die Agenda und das ist tatsächlich etwas, was wir in nächster Zeit auch tun wollen", verspricht Bürgermeister Emanuel Staffler.

In der Gemeinde gibt es sogar einen Artikel auf der Homepage mit dem Titel "Die Geschichte eines Schlaglochs" (externer Link). Darin erklärt der Bürgermeister, warum es in einem Fall mit der Reparatur eines Schlaglochs etwas länger gedauert hat, nämlich sogar mehrere Wochen. Diese transparente Kommunikation sei in der 3.800-Einwohner-Gemeinde gut angekommen.

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Straßenschäden vor dem Rathaus Türkenfeld.

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