Langsam rollen die Straßenbahnen im Nürnberger Streckennetz wieder an. Die heißen Temperaturen Ende Juni hatten den Betrieb vollständig zum Erliegen gebracht, weil Bitumen, eine Füllmasse zwischen Gleisen und Asphalt, herausgeschmolzen war und Gleise und Straßenbahnen verschmutzt hatte. Ein großer Teil der Straßenbahnlinien fährt nun wieder, ab Mittwoch soll dann alles wie gewohnt laufen.
Kosten von mehreren Hunderttausend Euro
Mehrere Fremdfirmen und viele VAG-Mitarbeitende waren nötig, um Straßenbahnen und Gleise von den Verschmutzungen durch heiß gewordenes Bitumen zu befreien. Die genauen Kosten würden derzeit noch errechnet, sagt VAG-Vorständin Magdalena Weigel. VAG-Vorstandssprecher Tim Dahlmann-Resing ergänzt, man rechne mit einem hohen sechsstelligen Betrag.
Geprüft wird außerdem, welches Material alternativ zu Bitumen in die Fugen eingebracht werden kann. Fest stehe, es braucht eine Füllung, damit im Winter Frost und Wasser keine Schäden verursachen können, so Weigel. Falls es erneut so heiß werden sollte, könnten Kalk, Sand oder Wasser dabei helfen, das Bitumen zu kühlen und einen erneuten Austritt zu verhindern. Außerdem soll es bei Hitze mehr Kontrollen geben. Im Extremfall müsse aber der Verkehr eingestellt werden, noch bevor Schäden entstünden.
Kostenlose Straßenbahnfahrten am Wochenende
Als Wiedergutmachung für die längere Periode, in denen keine Straßenbahnen fahren konnten, dürften sie in Nürnberg am kommenden Wochenende (18./19.07.2026) kostenlos genutzt werden, sagt die VAG-Vorständin. Ein Ticket ist also nicht notwendig.
So viele Fahrgäste wie noch nie
Knapp 164 Millionen Fahrgäste haben den ÖPNV in Nürnberg 2025 genutzt. So viele wie nie zuvor, sagt Dahlmann-Resing. Was die VAG-Chefetage besonders freut: Erstmals nutzten mehr Menschen Bus und Bahn als das Auto. 25,2 Prozent entfielen laut einer Marktanalyse, die repräsentativ ist, auf den ÖPNV und 24,3 Prozent auf Pkw.
Grund dafür ist laut Dahlmann-Resing einerseits das Deutschlandticket und auch das erweiterte Streckennetz: "Mehr Angebot erhöht auch die Nachfrage." Auch bei den Abonnements verzeichnet die VAG einen neuen Rekord mit 294.000 Abos, rund fünf Prozent mehr als im Vorjahr.
Millionenverluste trotz Anstieg an Fahrgästen
Trotzdem bleibt der öffentliche Nahverkehr ein Verlustgeschäft. Das Ergebnis der Geschäftstätigkeit lag bei rund 97 Millionen minus. Insgesamt eine Verbesserung zum Vorjahr von 11,2 Prozent, bedingt laut VAG durch höhere Ticketpreise und gestiegene Umsatzerlöse. In Zukunft werden sich laut Vorständin Weigel die Ausgaben erhöhen, man will die 100 Millionen aber nicht überschreiten. Geplant ist ein Ausbau der Strecken beispielsweise in den neuen Stadtteil Lichtenreuth oder umfangreiche Umbaumaßnahmen am zentralen Verkehrsknotenpunkt Plärrer, der umgestaltet werden soll.
Freistaat soll sich mehr einbringen
Ein großes Anliegen ist den beiden Vorständen Weigel und Dahlmann-Rensing, dass sich der Freistaat Bayern zukünftig an den Kosten von Erneuerungs- und Sanierungsarbeiten am Streckennetz beteiligt. Bisher sei es so, dass es dazu Fördermittel des Bundes von rund 50 Prozent gibt. In anderen Bundesländern gäben die Länder dann teils nochmal Zuschüsse bis zu 40 Prozent. Bayern zahle aber aktuell nichts dazu. An den Bund appellieren beide, dass die Zuschüsse von bis zu 50 Prozent auch nach 2030 finanziert werden. Dass sei wichtig, um den ÖPNV auch in Zukunft für alle Menschen bezahlbar zu halten.
Im Video: Kampf gegen Bitumen-Brocken
Kampf gegen klebrige Bitumen-Brocken
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