Es soll nicht nur um ihn gehen, sagt Jörg Alt. Und auch nicht darum, wie es ihm im Gefängnis geht. Dem Nürnberger Jesuitenpater ist es wichtig, die Hintergründe für sein Handeln in den Vordergrund zu stellen. Er protestiert für eine bessere Klimapolitik. "Wenn der Klimawandel kommt, ist es zu spät", sagt er. Deshalb hat er sich aus Protest auf die Straße geklebt. Deshalb geht er jetzt für 25 Tage ins Gefängnis. Am Dienstag tritt er um fünf vor zwölf seine Ersatzfreiheitsstrafe in der Justizvollzugsanstalt Nürnberg an. Die symbolische Uhrzeit ist ihm wichtig.
Pater Alt: Das Weltklima droht zu kippen
Jörg Alt beruft sich bei seinem Handeln auf die Wissenschaft. Zum Beispiel auf Aussagen von Prof. Wolfgang Lucht, der beruflich als Leiter der Erdsystemanalyse beim Potsdamer Institut für Klimafolgenforschung tätig ist. Wenn Kipppunkte erreicht werden, wenn das Grönlandeis schmilzt, wenn der Regenwald austrocknet, dann gibt es aus dessen Sicht kein Zurück mehr. Deshalb müsse schnell gehandelt werden. Aus Sicht der Wissenschaft lasse sich ein Notstand herleiten.
Doch Alt kann nicht feststellen, dass die aktuelle Klimapolitik auf diesen Notstand reagiert. Eher das Gegenteil. "Verkehrsminister Wissing weigerte sich im Juli 2022, die betreffenden Bestimmungen des Klimagesetzes im Verkehrsbereich zu erfüllen", sagt Alt. Deshalb klebte er sich am 16. August 2022 am Nürnberger Hauptbahnhof aus Protest auf die Straße. Es hätte seit Jahrzehnten Demonstrationen und Petitionen gegeben, ohne dass etwas geschehen sei.
Jesuitenpater beruft sich auf "rechtfertigenden Notstand"
Um Politik und Gesellschaft wachzurütteln, brauche es deshalb "einen Protest, der nervig ist", sagt Alt. Deshalb hätten er und die Klimaaktivisten mit einem Gesetzesbruch protestiert. "Aber wir beanspruchen, dass wir das Recht auf unserer Seite haben", erläutert Alt. Das habe er auch in allen Gerichtverfahren deutlich gemacht. "Wir glauben, dass es den rechtfertigenden Notstand gibt, der unser Tun entschuldigen kann – nur in Bayern sieht das eben kein einziges Gericht so."
Armutsgelübde steht Strafzahlung im Weg
Der 63-Jährige ist rechtskräftig wegen Nötigung zu einer Freiheitsstrafe verurteilt – 50 Tagessätze zu zehn Euro. Doch für den Ordensmann war es nie eine Frage, dass er die 500 Euro Strafe bezahlen würde. "Ich verstehe mein Armutsgelübde so, dass ich Geld bekomme, das Spenderinnen und Spender meiner Ordensgemeinschaft anvertraut haben. Die wollen bestimmt nicht, dass dieses Geld zum Begleichen von Straftaten verwendet wird", sagt er.
Jörg Alt sammelt Spenden für Unterbringung im Knast
Sechs Menschen hätten ihm angeboten, die Strafe für ihn zu bezahlen. Für Alt kommt das nicht infrage. "Das ist zwar nett, aber die Strafe akzeptiere ich nicht, weil das Urteil inakzeptabel ist", sagt er. "Wir haben immer gesagt, tut das, was wir fordern, macht eine gute Klimapolitik – und wir sind weg von der Straße!" Und wenn das nicht geschehe, dann müsse man ihn eben einsperren.
Spenden sammelt er trotzdem. Denn die Unterbringung im Knast kostet die Steuerzahler 170 Euro pro Tag. Alt will nicht auf deren Kosten im Gefängnis leben. Insgesamt 4.500 Euro will er für die Tagessätze plus Ausstattung an die Gefängnisverwaltung überweisen, wenn er seine Strafe abgesessen hat.
Nächstes Verfahren steht bereits an
Und dann geht es doch noch um Jörg Alt persönlich. Seit seiner Krebserkrankung schlafe er schlecht, erzählt er. Im Gefängnis werde er deshalb wohl kaum schlafen können. "Das ist jetzt einfach so." Und wie geht es weiter? Dazu will er aktuell nichts sagen. "Im Gefängnis habe ich ja Zeit, darüber nachzudenken." Sein nächstes Verfahren hat Jörg Alt übrigens am 6. Mai.
Jesuitenpater Jörg Alt hat nach Klimaaktion seine Freiheitsstrafe im Gefängnis in Nürnberg angetreten.
Das ist die Europäische Perspektive bei BR24.
"Hier ist Bayern": Der BR24 Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!