Polizeibeamte im Eingangsbereich des Würzburger Hauptbahnhofs
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Der Tod des Tatverdächtigen kam überraschend: Am Morgen haben Polizisten im Würzburger Hauptbahnhof nach Zeugen der Tat vor einer Woche gesucht.
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Der Tod des Tatverdächtigen kam überraschend: Am Morgen haben Polizisten im Würzburger Hauptbahnhof nach Zeugen der Tat vor einer Woche gesucht.

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Messerangriff am Würzburger Bahnhof: Verdächtiger tot in Zelle

Messerangriff am Würzburger Bahnhof: Verdächtiger tot in Zelle

Vor einer Woche hat ein Afghane eine Gruppe von Zeugen Jehovas im Würzburger Hauptbahnhof angegriffen. Passanten überwältigten den Mann, er saß in U-Haft. Am Morgen haben ihn Beamte tot in seiner Zelle aufgefunden. Die Polizei geht von Suizid aus.

Über dieses Thema berichtet: Mittags in Mainfranken am .

Es ist genau eine Woche her, dass ein Mann im Würzburger Hauptbahnhof, im Fußgängertunnel zu den Gleisen, drei Zeugen Jehovas mit einem Messer angegriffen hat. Passanten hatten den Afghanen überwältigt und Schlimmeres verhindert. Der 35-Jährige kam in Untersuchungshaft.

Wohl Suizid in der Gefängniszelle: Ermittlungen laufen

Heute am frühen Morgen hat die Kriminalpolizei Würzburg erneut vor Ort nach Zeugen und Zeuginnen der Tat gesucht. Während die Gruppe von Polizisten und Polizistinnen im Bahnhof unterwegs war, erreichte sie eine überraschende Nachricht: Der mutmaßliche Täter ist tot.

Wie Polizeisprecherin Ines Heckner erklärte, ging die Meldung kurz vor sieben Uhr ein. "Der Tatverdächtige hat sich wohl in der Zelle das Leben genommen." Auch die Staatsanwaltschaft Würzburg bestätigte den Todesfall in der Justizvollzugsanstalt. Staatsanwalt Michael Weiskopf teilte mit, dass ein Todesermittlungsverfahren eingeleitet werde, um die genauen Umstände zu klären.

Verdächtiger mehrfach in psychiatrischer Behandlung

Wie das Landratsamt Main-Spessart auf Anfrage von BR24 bestätigte, war der Afghane seit 2023 in Deutschland und lebte bis 2025 im Landkreis. Anschließend kam er in eine Asylbewerberunterkunft nach Würzburg.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft war der 35-Jährige mehrfach in psychiatrischer Behandlung – unter anderem im Zentrum für Seelische Gesundheit in Würzburg sowie mehrfach im Bezirkskrankenhaus Lohr im Landkreis Main-Spessart. Im Oktober 2025 habe er in einer Asylbewerberunterkunft in Würzburg mehrere Glasscheiben zerstört. In einem früheren Fall habe er gedroht, sich das Leben zu nehmen und andere Personen "mitzunehmen".

JVA: Keine Hinweise auf eine drohende Selbsttötung

Laut JVA gab es seit der Einlieferung des geduldeten Asylbewerbers am 23. Februar keine Hinweise darauf, dass er suizidgefährdet sein könnte. Der Afghane wurde demnach zunächst in einem Gemeinschaftschaftsraum untergebracht. Weil er dort nach Angaben der Gefängnisverwaltung seine Mitgefangenen provozierte, wurde er noch am selben Tag in einen videoüberwachten Haftraum der psychiatrischen Abteilung des Gefängnisses verlegt.

Der Anstaltspsychiater habe den Mann am 25. Februar begutachtet und ebenfalls keine Hinweise auf Suizidgefahr gesehen. «Der Psychiater stellte daraufhin die Geeignetheit des Gefangenen zur Einzelunterbringung fest», hieß es in der Stellungnahme. Tatsächlich in eine Einzelzelle verlegt wurde der Mann laut JVA am 26. Februar nach einer zweiten ärztlichen Einschätzung, die ebenfalls keine Hinweise auf eine drohende Selbsttötung ergab.

Motiv für den Messerangriff in Würzburg unklar

Der Asylantrag des Afghanen sei abgelehnt worden, so Staatsanwalt Weiskopf. Er lebte zuletzt mit einer Duldung in Deutschland. Ob der Angriff auf die Zeugen Jehovas religiös motiviert war, ist weiterhin unklar. "Zumindest ist derzeit nicht bekannt, dass Drogen im Spiel waren", erklärte der Staatsanwalt weiter.

Noch am Morgen hatte die Polizei Flyer am Hauptbahnhof verteilt und Menschen befragt. Dabei konnte das Team unter anderem einen Bundeswehrsoldaten als Zeugen identifizieren. Er hat die Festnahme beobachtet.

"Auch nach dem Tod des Tatverdächtigen laufen die Ermittlungen weiter. Wir versuchen, den Tathergang und das Motiv genau zu klären – auch wenn der Mann dafür natürlich keine Strafe mehr bekommen wird", so Polizeisprecherin Heckner.

Zeugen Jehovas räumen Platz: "Zu viel Trubel"

Der 35-Jährige hatte am 23. Februar eine Gruppe von Zeugen Jehovas mit einem Messer angegriffen. Die drei Männer im Alter von 51, 55 und 68 Jahren wurden leicht verletzt – jedoch nicht durch das Messer selbst. Passanten überwältigten den Angreifer, darunter ein Polizist in Zivil. Polizei und Staatsanwaltschaft ermittelten wegen versuchten Mordes und versuchter gefährlicher Körperverletzung.

Mitglieder der Zeugen Jehovas waren auch heute wieder mit ihrem Informationsstand im Hauptbahnhof vertreten. Zum Angriff auf ihre Glaubensbrüder wollten sie sich nicht äußern. Ihren Standort verlegten sie allerdings vor das Bahnhofsgebäude. "Da drin ist uns zu viel Trubel", sagte einer von ihnen zu BR24.

Der Bayerische Rundfunk berichtet – vor allem wegen möglicher Nachahmer-Effekte – in der Regel nicht über Suizide oder Suizidversuche, außer die zuständige Redaktion sieht es durch die Umstände der Tat geboten. Sollten Sie selbst Hilfe benötigen, kontaktieren Sie bitte umgehend die Telefonseelsorge. Beratung erhalten Sie unter der kostenlosen Rufnummer 0800-1110111 oder 0800-1110222. Weitere Hilfsangebote gibt es bei der Deutschen Gesellschaft für Suizidprävention.

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