Es war die Niedrigzinsphase in den Jahren 2020/21, als die Banken ab einer gewissen Summe auf dem Konto sogar Geld dafür verlangten, dass Geld auf dem Konto liegt, sogenannte Negativzinsen. Das sei der Grund gewesen, weshalb man damals als Bistum Augsburg Wege gesucht habe, "Kapital durch solche Negativzinsen nicht abschmelzen zu lassen", erklärt das Bistum dem BR. Eine der Wege: Eine Investition in den sogenannten Verius-Fonds, in den unter anderen auch manche gesetzliche Krankenkasse, aber auch evangelische Kirchenkreise im Norden Deutschlands investiert hatten. Die Folge: Alle Anleger mussten am Ende Millionenverluste verbuchen.
Bistum Augsburg verliert offenbar rund vier Millionen Euro
Konkret heißt das im Fall des Bistums Augsburg, dass ein niedriger siebenstelliger Betrag weg ist, wie die Diözese dem BR mitteilt. Dieser mache etwa ein Prozent des gesamten Anlagevolumens aus. Der Bilanz des Bistums folgend kommt man daher auf einen Verlust von rund vier Millionen Euro. Andere Investments aus dieser Zeit dagegen hätten sich positiv entwickelt, betont man in Augsburg.
"Grundsätzlich ist nichts kritisch einzuwenden, wenn man in ethische, mit der katholischen Soziallehre übereinstimmende Fonds investiert", sagt der Münsteraner Kirchenrechtler Thomas Schüller dem BR. Schließlich sei auch ein Bistum gehalten, mit seinem Anlagevermögen konstruktiv umzugehen. Zumal auch die Kirchensteuereinnahmen in Folge rückläufiger Kichenmitgliedszahlen weniger werden. "Insofern muss ein Bistum den Bestand zumindest wahren und in Niedrigzinsphasen versuchen, eine gewisse Rendite zu generieren – zumindest so viel, dass kein Substanzverlust eintritt", erklärt Schüller mit Verweis auf das kirchliche Vermögensrecht.
Kirchenrechtler: "Nicht mit Geld gezockt, aber..."
Die Deutsche Bischofskonferenz hat – ausgerechnet im Niedrigzinsjahr 2021 – eine Orientierungshilfe für Finanzverantwortliche katholischer Einrichtungen in Deutschland herausgegeben, die an das "magische Dreieck" jedweder Kapitalanlage gemahnt: Liquidität, Risiko und Rendite. "Jeder Vermögensträger muss seine Anlageentscheidungen im Spannungsfeld dieser drei Ziele treffen und rechtfertigen können", heißt es konkret. Im Fall der Augsburger Investition, sagt Schüller, "wurde nicht mit Geld gezockt, es wurde aber – ungewöhnlich für ein Bistum, die normalerweise strukturkonservativ handeln – sehr riskant investiert".
Das bestätigt auch der Rosenheimer Finanzexperte Stefan Loipfinger von investmentcheck.de, einer digitalen Austauschplattform für Anleger, in seiner Einschätzung des Verius-Fonds': "Das Geld ist über Luxemburg in hochspekulative Immobilienprojektentwicklungen geflossen." Konkret ging das über so genannte Nachrangdarlehen, bei denen die Ansprüche der Anleger hinter denen der Bank zurückstehen. "Wenn etwas passiert, wird immer erst die Bank bedient und ich bin dann erst irgendwann später dran", erklärt Loipfinger. Allerdings wisse jeder, dass Immobilienprojektentwicklung etwas sei, "wo viel passieren kann", so der Finanzexperte. "Und wenn in der Praxis eine Pojektentwicklung scheitert, dann ist das Geld weg."
Kontrollgremium aus "weisungsgebundenen Klerikern des Bischofs"
Und so ist es passiert: Viele Immobilienprojekte scheiterten, der Fonds wurde eingefroren und zahlreiche Anleger – darunter Krankenkassen und Kassenärztliche Vereinigungen – rechnen inzwischen mit dem Verlust oder nahezu vollständigen Verlust ihrer Investitionen. In Augsburg hat man nach eigenen Angaben die Investition bereits abgeschrieben. Und man betont, dass die Erfordernis für riskantere Investments "in Abstimmung mit den zuständigen Gremien" geschehen sei.
Welche Gremien genau ab welchem Zeitpunkt in die Investmentpläne eingebunden waren, ließ das Bistum gegenüber dem BR offen. Nach Einschätzung des Kirchenrechtlers Thomas Schüller dürfte die Investition jedenfalls angesichts des hohen Geldbetrages nicht am so genannten Konsultorenkollegium vorbei entschieden worden sein – und dieses Gremium sei identisch mit dem Domkapitel. "Und da haben wir das Problem", sagt Schüller, "dass Domkapitulare natürlich weisungsgebundene Kleriker des Bischofs sind und nur in den seltensten Fällen in Finanzfragen erfahren sind."
Das habe sich etwa beim Finanzskandal im Bistum Eichstätt gezeigt, der durch den Verlust einer zweistelligen Millioneninvestition in US-amerikanische Immobilienprojekte entstanden ist. Auf jeden Fall sei jedes Bistum gut beraten, sich Expertise von außen einzuholen, so Kirchenrechtler Schüller, bevor es über risikoreiche Investitionen in Millionenhöhe entscheidet.
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