Die neue Oberbürgermeisterin Weißenburgs musste früher ins Amt starten als geplant. Ihr Vorgänger starb vor der offiziellen Amtsübernahme.
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Die neue Oberbürgermeisterin Weißenburgs musste früher ins Amt starten als geplant. Ihr Vorgänger starb vor der offiziellen Amtsübernahme.
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Nach Todesfall: Neue Oberbürgermeisterin muss früher starten

Nach Todesfall: Neue Oberbürgermeisterin muss früher starten

Nach dem plötzlichen Tod des Weißenburger Oberbürgermeisters Jürgen Schröppel (64) muss seine Nachfolgerin früher starten als geplant. Eva Reichstadt (SPD) wurde vorzeitig vereidigt und eröffnete die Stadtratsitzung mit einem emotionalen Statement.

Über dieses Thema berichtet: Frankenschau aktuell am .

Den Start in ihr neues Amt als Oberbürgermeisterin hatte sich Eva Reichstadt (SPD) anders vorgestellt. Die 45-jährige Wirtschaftspsychologin ist eine, die sich akribisch vorbereitet. Doch dafür blieb nur wenig Zeit. Denn vor der offiziellen Amtsübergabe schockierte die Nachricht vom plötzlichen Tod ihres Vorgängers. Und sie musste spontan übernehmen. Der langjährige Weißenburger Oberbürgermeister Jürgen Schröppel (SPD) starb am Dienstag im Alter von 64 Jahren an einem aggressiven Hirntumor, zweieinhalb Wochen nach der Diagnose.

Neue Oberbürgermeisterin vorzeitig vereidigt

Bereits am Tag danach wird Eva Reichstadt eröffnet, dass sie damit plötzlich schon offiziell Oberbürgermeisterin ist. Die 45-jährige hatte gerade den letzten Arbeitstag beim Nürnberger Energieversorgungsunternehmen N-Ergie hinter sich. Und wirft sich in die neue Aufgabe, unterstützt von den erfahrenen Beamten der Weißenburger Stadtverwaltung. Ein Kondolenzbuch wird ausgelegt, Trauerflor an den Flaggen vor dem Rathaus aufgehängt, ein Termin für die Trauerfeier festgelegt. "Die Nachricht hat uns alle wie ein Schlag getroffen", sagt sie sichtlich bewegt in ersten Interviews. "Wir sind unendlich traurig."

Emotionale Abschiedsworte im Stadtrat

Am Tag danach findet die lange geplante letzte Sitzung des alten Stadtrates statt. Eva Reichstadt kommt mit einem dicken Aktenordner und eröffnet die Sitzung mit persönlichen Worten. Die sich an den verstorbenen Jürgen Schröppel wenden. "Dies ist meine erste Sitzung, und sie wäre eigentlich deine letzte gewesen. Ich weiß, wie gerne du selbst die scheidenden Stadträte ehren und verabschieden wolltest. Darauf hattest du noch sehr gehofft. Nun begleitest du uns in Gedanken." Auch die zweite Bürgermeisterin Maria Schneller (CSU) betont, wie gerne sie Jürgen Schröppel an diesem Tag verabschiedet hätte. 18 Jahre lang habe er die Geschicke der Stadt mit großem Engagement und Verantwortungsbewusstsein geführt.

Oberbürgermeister Weißenburgs stirbt kurz vor dem Ruhestand

Besonders tragisch: Jürgen Schröppel hatte sich sehr auf seinen Ruhestand gefreut. Hunderte Weißenburger Bürgerinnen und Bürger konnten sein emotionales Statement beim Neujahrsempfang Anfang Januar miterleben. Er versprach, seiner Familie nun die Zeit zu schenken, die er während der arbeitsreichen Tage seiner 18-jährigen Dienstzeit nicht zur Verfügung hatte. "Das kann er jetzt leider nicht mehr so wahrmachen, das ist tragisch", sagt der Stadtrat und Landtagsabgeordnete Wolfgang Hauber (Freie Wähler). Schröppel hinterlässt seine Frau und zwei erwachsene Kinder.

Schröppels großer Freudenmoment: Die Wahl seiner Nachfolgerin

Für Jürgen Schröppel war die Wahl seiner Nachfolgerin Eva Reichstadt (SPD) am 8. März ein großer Freudenmoment. Überraschend hatte die politisch unerfahrene Quereinsteigerin beim ersten Anlauf die Wahl gewonnen und mit 54,5 Prozent den Favoriten von der CSU, Tobias Kamm, übertrumpft. "Ich bin heute nach der Eva der glücklichste Mensch im Saal", hatte Schröppel damals gesagt. "Weil sie die richtige ist. Sie hat einen fulminanten Wahlkampf gemacht. Ich kann jetzt beruhigt in den Ruhestand gehen." Doch dazu kommt es nun nicht.

Nachfolgerin Eva Reichstadt springt ins kalte Wasser

Vor ihrer ersten Stadtratssitzung macht Eva Reichstadt eine Runde um die langen Tische im historischen Ratssaal Weißenburgs. Sie begrüßt die Stadträte persönlich und herzlich, auch die der anderen Fraktionen. Und steigt nach den Vorreden und der Vereidigung mit fester Stimme in die Tagesordnung ein. Vor ihr der dicke Aktenordner, rechts und links die erfahrenen Spitzenbeamten aus der Stadtverwaltung, die ihr ab und zu etwas zuflüstern. Es geht um Finanzen, Aufträge für Verputzarbeiten, den Bau eines Baumarkts. "Ich bin gut vorbereitet worden", sagt sie nach der Sitzung erleichtert. Ihren Vorgänger wird sie nicht mehr um Rat fragen können. Aber es sieht so aus, als wären viele bereit, sie bei der neuen Aufgabe zu unterstützen.

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