Zwei Zwischenfälle kurz hintereinander am Flughafen München binnen zwei Tagen – und das an derselben Start- und Landebahn: Ein Boeing-Dreamliner der Vietnam Airlines schießt über die Startbahn hinaus, ein Airbus A380 setzt bei der Landung zu früh auf. Das wirft auch Fragen nach der Sicherheit am Airport auf. Auf ein Risiko für die Luftfahrt in München deutet aber nichts hin.
Zwischenfälle mit Dreamliner und A380
Bei dem Vorfall mit der vietnamesischen Boeing 787-9 am Samstag entgingen die rund 270 Passagiere und die Crew nach Expertenansicht nur knapp einer Katastrophe. Die Maschine nahm auf dem Rollfeld nicht die nötige Geschwindigkeit auf – doch für einen Abbruch des Starts war es nach Angaben der vietnamesischen Luftfahrtbehörde auf Basis des Berichts der Piloten zu spät. Der Take-off gelang erst im Grasbereich hinter der Startbahn. Das Heck berührte den Boden, ein sogenannter "Tailstrike". Die Landebahn-Befeuerung wurde beschädigt.
Beim zweiten Zwischenfall am Montag setzte ein Lufthansa-Airbus bei der Landung in München zu früh auf. Mit den Reifen seines Hauptfahrwerks habe der A380-800 die Beleuchtung an der mit einem Zebrastreifen markierten Landeschwelle am Beginn der Landebahn beschädigt, erklärte ein Sprecher des Unternehmens. Er betonte, dass die Maschine zwar zu früh aufgesetzt, die Landebahn aber nicht verfehlt habe. Die Maschine setzte demnach nicht im Grasbereich auf, Schäden an der Maschine sind im Unterschied zum Dreamliner-Vorfall nicht bekannt.
Start- und Landebahn nach Boeing-Vorfall geprüft
Dennoch: In beiden Fällen sind viele Fragen offen, beide Fälle untersucht die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) – und in beiden Fällen wurden die Flugschreiber sichergestellt. Die zeitliche Nähe ist zwar auffällig, auf einen Zusammenhang deutet jedoch bislang nichts hin. Die beiden Vorfälle seien sehr unterschiedlich gelagert, man könne auch einfach sagen, "blöder Zufall", erklärten Luftfahrt-Experten dem BR.
Bislang gibt es auch keine Anhaltspunkte, dass etwa Anlagen des Flughafens etwas mit den Vorfällen zu tun haben. Im Fall des Dreamliners steht vor allem die Frage im Raum, warum das Flugzeug zu wenig beschleunigt hat. Vietnam Airlines sprach von einem technischen Problem. Im Fokus stehen inzwischen die auffälligen Bremsspuren auf der Piste, die dem Flieger zugeordnet werden konnten. Experten schließen menschliches Versagen nicht aus. Auch im Fall des A380 ist bislang nicht von einem Flughafenproblem die Rede.
Ein Sprecher des Flughafens betonte zudem gegenüber dem BR, dass die Start- und Landebahn nach dem ersten Vorfall mit der Boeing 787 geprüft und in Stand gesetzt wurde. Im Fall des A380 konnte die Landebahn-Befeuerung umgehend repariert werden, so dass die Südbahn bereits eine knappe Stunde nach der Landung wieder nutzbar war.
Flughafen München gerade erst ausgezeichnet
Auch Piloten sehen die Sicherheit des Flughafens nicht in Frage gestellt. Der Airport wurde von der Vereinigung Cockpit im "Airport Check" erst vor wenigen Wochen als sicherster Flughafen Deutschlands ausgezeichnet. Die Start- und Landebahnen seien lang, gut beleuchtet, weit voneinander entfernt und nicht von Wohnbebauung umgeben.
15 Zwischenfälle hat es am Flughafen München seit seiner Eröffnung im Jahr 1992 gegeben, die von der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung untersucht wurden – bei mehr als 11,3 Millionen Flugbewegungen. Hinzukommen die beiden jüngsten Pannen vom vergangenen Samstag und Montag. Sämtliche Fälle sind glimpflich ausgegangen.
BR24 auf Instagram: Passagiere berichten von Boeing-Notlandung
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