Nathaniel Brown läuft bei der Weltmeisterschaft für die deutsche Nationalmannschaft auf.
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Nathaniel Brown: Aus der Oberpfalz zur Fußball-WM

Nathaniel Brown: Aus der Oberpfalz zur Fußball-WM

Mit Nathaniel Brown läuft bei der Fußball-WM ein echter Oberpfälzer auf. Zuhause in Kümmersbruck bei Amberg wird schon ordentlich mitgefiebert. Weggefährten berichten von einem jungen Kerl, der schon früh wusste, was er wollte: Fußballspielen.

Über dieses Thema berichtet: Mittags in Niederbayern und Oberpfalz am .

Strömender Regen auf dem Fußballpatz – beim Derby TSV Kümmersbruck gegen ASV Haselmühl wechselt der Kümmersbrucker Trainer Christian Kammerl fleißig seine Spieler aus. Denn alle sind froh, schnell warme und frische Klamotten anziehen zu können.

Der kleine "Nene" hingegen - so der Spitzname von Nationalspieler Nathaniel Brown - weint Rotz und Wasser. Weil er unbedingt länger spielen will. Nathaniel ist damals drei Jahre alt und spielt in der G-Jugend des TSV Kümmersbruck. "Das war für mich ein Zeichen, dass er ein bisschen mehr wollte, als der Rest", sagt sein Jugendtrainer heute.

Nathaniel Brown: Zielstrebig, ehrgeizig, Zug zum Tor

Wenn Kammerl heute seinen ehemaligen Schützling bei Eintracht Frankfurt in der Bundesliga spielen sieht, erkennt er nach wie vor den kleinen Nene: "Zielstrebig, ehrgeizig, Zug zum Tor, immer wollen – genauso war er schon bei mir in der Jugend". Bis zur D-Jugend hat er Nene trainiert. Dass aus ihm was werden könnte, das Talent habe man damals schon gesehen. Der Spitzname Nene stand beim TSV Kümmersbruck sogar immer auf dem Trikot. Er stammt von seiner Mama, weil Nathaniel Brown offenbar zu sperrig war für die Oberpfälzer.

"Nene" will für Deutschland spielen

Zu seinem leiblichen Vater hat der junge Nationalspieler kaum Kontakt, er war Soldat bei der US-Armee auf dem Truppenübungsplatz Grafenwöhr. Nathaniel hat die doppelte Staatsbürgerschaft. Schon in früher Jugend entscheidet sich Brown, für Deutschland aufzulaufen, nicht für die USA. Sein erstes Turnier im Nationaltrikot spielt er nun ausgerechnet im Heimatland seines Vaters.

Nene war zwei Jahre alt, als sein Stief- und Ziehvater Christian Lichtenauer ihn kennen lernt. Es habe für den kleinen Nene nur Fußball gegeben, erzählt Lichtenauer. Drängen oder animieren musste man ihn nicht dazu, ganz im Gegenteil. Es habe auch nie eine Phase gegeben, in der er aufhören wollte, oder in der es ihm zu viel geworden sei. Lichtenauer fuhr ihn mehrmals pro Woche zum Training zum SSV Jahn Regensburg und später dann zum Club nach Nürnberg.

Nach der Schule beginnt der heute 22-Jährige eine Ausbildung zum Sport- und Gesundheitstrainer im Fitnessstudio Clever-fit von Michael Lichtenauer in Kümmersbruck. Ein besonderer Azubi, mit straffem Zeitplan. Bis in den frühen Nachmittag Ausbildung und Arbeit, dann ab nach Hause zum Essen, mit dem Fahrrad zum Bahnhof und mit dem Zug zum Training nach Nürnberg – und das vier Mal pro Woche. "Der war wirklich unglaublich diszipliniert und sehr sehr fleißig", sagt der ehemalige Chef und Onkel.

Bildrechte: Privat/Lichtenauer
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Schon als kleiner Junge gab es für Nathaniel (l) nur eins - Fußball

"Er war überall präsent am Platz"

In Kümmersbruck war der Wuschelkopf auf dem Kinderfahrrad mit dem Fußball auf dem Gepäckträger bekannt in den Straßen. Sein Weg führte ihn fast täglich zum Bolzen auf den Platz des TSV Kümmersbruck, auch wenn kein Training war. "Wie ein Straßenfußballer", sagt Vorsitzender Klaus Backes. Der Platzwart hatte einmal Müh und Not den kleinen Nene mit ein paar seiner Freunde vom Platz zu bekommen, für seine Arbeit. "Dann sind sie hinten endlich raus, und gleich vorne wieder rein", erzählt der ehemalige Vorsitzende.

Klaus Backes erinnert sich an einen Kerl, der damals schon herausragte. "Mit seinen Dribblings, seiner Schnelligkeit – er war überall präsent auf dem Platz". Der Verein sei stolz auf ihn, freue sich für ihn und zolle ihm Respekt, dass er die Leistungen gebracht und vor allem all die Jahre durchgehalten hat. Neben dem Stammtisch im Sportheim hängt hinter Glas ein signiertes Eintracht Frankfurt-Trikot von Brown mit ein paar Fotos von ihm aus der Bundesliga.

Alle paar Wochen in die Oberpfälzer Heimat

Dass sie ihren Nene jetzt ständig im Fernsehen sehen, dass er bei der WM voraussichtlich in der Startelf stehen wird, darauf sind sie alle stolz. "Surreal", nennt Stiefvater Christian Lichtenauer es. Weil die Entwicklung jetzt doch sehr schnell gegangen sei. Dennoch kommt Nene regelmäßig heim in die Oberpfalz. Alle paar Wochen. Oder man winkt sich mal im Stadion in Frankfurt zu, "wenn er weiß, wo ich sitze, da freu ich mich immer". Ob das beim zweiten WM-Deutschlandspiel gegen die Elfenbeinküste auch klappen wird? Das verfolgt Stiefvater Christian Lichtenauer am 20. Juni vor Ort in Kanada. "Ich glaub es nicht, die sind inzwischen zu abgeschottet". Aber man schreibt sich, telefoniert.

Schauen wollen sie die Spiele alle in Ruhe. Der Jugendtrainer zuhause vor dem Fernseher, die Lichtenauers vielleicht auch bei einem Public Viewing. Im Sportheim schaut der TSV mit seinen Mitgliedern und Jugendspielern intern auf Leinwand und mit Beamer – zumindest die Abendspiele.

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