Frankreichs Präsident Macron auf dem Marinestützpunkt Île Longue
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Frankreichs Präsident Macron will Atomarsenals aufstocken
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Atomschutzschirm: Macron macht Europa nukleares Angebot

Atomschutzschirm: Macron macht Europa nukleares Angebot

Frankreichs Präsident setzt auf einen europäischen Schulterschluss bei der nuklearen Sicherheit. In Brest spricht er von "erweiterter Abschreckung" und gemeinsamen Übungen. Kann Deutschland von Frankreichs Atomwaffen profitieren? Eine Analyse.

Über dieses Thema berichtet: BR24 TV am .

Ausgerechnet in Brest, das im Zweiten Weltkrieg von den Nationalsozialisten besetzt, von der Wehrmacht "bis zum letzten Blutstropfen verteidigt" werden sollte, und das nach der Kapitulation Deutschlands in Trümmern lag, sagt Frankreichs Staatspräsident Macron: Deutschland und Frankreich werden enger zusammenarbeiten, was die nukleare Abschreckung betrifft.

Er nennt Deutschland einen "Schlüsselpartner" bei künftigen gemeinsamen Atom-Militärübungen. Es gehe schließlich um die Sicherheit des Kontinents angesichts der Krisenlage in der Welt. "Erweiterte Abschreckung" ist das Wort, das Macron benutzt. Sein Vorschlag: die französischen nuklearen Kapazitäten für eine gewisse Zeit mit den Verbündeten teilen. Ohne die finale Kontrolle aus der Hand zu geben, hier endet die Erweiterung dann schon wieder.

Frankreichs ganzer Stolz: Die Atom-U-Boot-Flotte

Macron, schwarzer Anzug, weißes Hemd, schwarze Krawatte, steinerne Miene, steht vor einer beeindruckenden Kulisse: hinter ihm ein aufgetauchtes U-Boot. Laut dem französischen Präsidenten hat ein französisches Atom-U-Boot die Feuerkraft von sämtlichen Bomben, die im Zweiten Weltkrieg abgeworfen wurden.

Brest, "Kathedrale der Souveränität", wie Macron es nennt, ist der Stützpunkt von Frankreichs atomarer U-Boot-Flotte, hier also unterbreitet er sein neues atomares Angebot. Er will die französische Atomwaffendoktrin an die sich verändernde globale Sicherheitslage anpassen. Was für Frankreich gilt: Wer es angreift, wird es bitter bereuen, soll nun auch für Europa gelten. Wenn es mitmacht.

Jetzt muss nur noch Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) die ausgestreckte Hand ergreifen. Macron immerhin deutet in seiner Rede an, Deutschland habe "favorablement", also wohlwollend, geantwortet.

Bundeskanzler Merz ist durchaus offen für Atomschutzschirm

Dass Friedrich Merz das tun würde, dass er sich beim atomaren Schutzschirm näher an Frankreich orientieren wolle, sagte er schon im März 2025, vor seinem Amtsantritt als Bundeskanzler: Er wolle mit den Atommächten Großbritannien und Frankreich über ein europäisches System nuklearer Abschreckung verhandeln.

Damals waren diese Äußerungen von Sicherheitsexperten wie Camille Grand vom European Council on Foreign Relations als "sehr starkes Signal" gesehen worden. Es war immerhin das erste Mal, dass Berlin Interesse an dem französischen Angebot zeigt. Jüngst hörte man von Merz auf der Münchner Sicherheitskonferenz, er würde gemeinsam mit Macron Gespräche über eine gemeinsame europäische Abschreckung führen. Das auch vor dem Hintergrund einer erratisch agierenden US-Administration unter Präsident Donald Trump.

Auch andere europäische Länder will Macron mit ins Boot holen, genannt wurden Polen, die Niederlande, Belgien, Griechenland, Schweden und Dänemark. Kollektive Sicherheit, so Macron, sei auch Frankreichs Sicherheit. Um frei zu sein, sagt Frankreichs Präsident, müsse man gefürchtet sein.

Gemeinsames Kampfsystem mit Deutschland?

Grundsätzlich ist die französische Atomdoktrin auf Frankreich ausgerichtet. Dass Deutschland nun an französischen strategischen Überlegungen beteiligt wird, ist nicht zu erwarten und wird auch nicht passieren. Dennoch hat man in Berlin genau zugehört, was Macron in seiner "Force-de-Frappe"-Rede bezweckt.

Merz immerhin hat schon angedeutet, dass er es sich zumindest vorstellen kann, dass Bundeswehr-Flugzeuge für einen möglichen Einsatz britischer oder eben auch französischer Atomwaffen bereitgestellt werden könnten. Auch wenn Deutschland, das hat Merz ein ums andere Mal betont, unter keinen Umständen zur Atommacht werden will. So sieht es auch der Koalitionspartner von der SPD.

Über das gemeinsam geplante und heftig umstrittene deutsch-französische Luftwaffensystem Future Combat Air System (FCAS) verliert der französische Präsident in Brest interessanterweise kein Wort. Was nicht unbedingt dafür spricht, dass dieser großangelegte deutsch-französische Plan noch zur Entfaltung kommt.

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