ARCHIV (24.03.2026) : Gasanschluss mit Gaszähler im Keller eines Wohnhauses.
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Gasanschluss mit Gaszähler im Keller eines Wohnhauses.
Bildrechte: picture alliance / SvenSimon | Frank Hoermann / SVEN SIMON
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Neues Heizungsgesetz: Unklare Zukunft fürs Gasnetz

Neues Heizungsgesetz: Unklare Zukunft fürs Gasnetz

Der Bundestag hat kurz vor der Sommerpause das Gebäudemodernisierungsgesetz beschlossen. CDU und CSU war es wichtig, "Habecks Heizungsgesetz" möglichst vollständig abzuschaffen. Doch mit der Neuregelung tun sich Stadtwerke in Bayern schwer.

Über dieses Thema berichtet: BR24 Radio Bayern am .

Die Regensburger Stadtwerke (REWAG) haben mit der Energiewende alle Hände voll zu tun, auch beim Thema Heizung. Eigentlich ist die Richtung dabei klar, so REWAG-Vorstandsvorsitzender Robert Greb: "Die Idee ist, dass sich sehr viel in Richtung Strom bewegt." Wärmepumpen und Fernwärme – das ist die Strategie.

Neues Heizungsgesetz passt nicht mehr zur Wärmeplanung

Überall in Bayern müssen Stadtwerke neue Fernwärmeleitungen verlegen, um Einwohnern dicht besiedelter Gebiete eine umweltfreundliche Alternative zu Gas- und Ölheizungen zu bieten. Wo das passieren soll, ist in kommunalen Wärmeplänen festgelegt. Aber das neue Heizungsgesetz passe nicht mehr richtig zu diesen Plänen, konstatiert der Vorsitzende des Verbands der bayerischen Energie- und Wasserwirtschaft (VBEW), Klaus Steiner: "Die kommunalen Wärmepläne waren synchronisiert mit den Vorgaben aus dem alten Heizungsgesetz. Mittlerweile haben wir diese Synchronisation nicht mehr."

Immer weiter Gasheizungen bauen macht Wärmewende teurer

Im neuen Heizungsgesetz sind Gas- und Ölheizungen unbegrenzt weiter erlaubt. Das kann dazu führen, dass auch in Fernwärme-Ausbaugebieten noch jahrelang neue Gasheizungen installiert werden. Die entsprechenden Haushalte oder Unternehmen fallen dann zunächst als Kunden für die Fernwärme aus. "Das gefällt uns nicht", stellt REWAG-Chef Greb klar.

Netze seien effizient, wenn sich möglichst viele anschließen, damit es dann günstig wird für alle: "Wenn wir jetzt verschiedene Infrastrukturen parallel betreiben müssen, ein Gasnetz, ein Wärmenetz, ein großes Stromnetz, dann ist es für die Volkswirtschaft einfach zu teuer. Und deshalb brauchen wir eine Richtung, in der wir uns entwickeln können."

"Gasheizungen werden Investitionsruine"

Wenn es an dieser Richtung fehlt, macht das einerseits die Fernwärme teurer, weil an jedem Meter Wärmeleitung weniger Abnehmer hängen. Das gleiche Problem kommt aber auch auf Gasverbraucher zu: Die Gas-Netzkosten werden sich absehbar auf immer weniger Kunden verteilen.

Außerdem sieht die sogenannte "Biotreppe" von Schwarz-Rot vor, dass dem Erdgas ein steigender Anteil von Biogas beigemischt wird. Beides macht das Heizen mit den Jahren teurer. So teuer, dass es sich nicht mehr lohnen wird, rechnet eine Fraunhofer-Studie im Auftrag des Umweltinstituts München vor. "Wer sich heute noch eine Gasheizung einbaut, der muss damit rechnen, dass diese Heizung zu einer Investitionsruine wird", fasst Till Irmisch vom Umweltinstitut das Ergebnis zusammen. Die volkswirtschaftlichen Kosten für die verzögerte Stilllegung von Gasnetzen durch die Rücknahme beim Heizungsgesetz beziffern die Fraunhofer-Forscher für ganz Deutschland auf eine Größenordnung von 50 Milliarden Euro.

Unterschiedliche Studienergebnisse je nach Annahmen

Damit ernten sie jedoch auch Widerspruch. Gerald Linke vom Deutschen Verein des Gas- und Wasserfachs (DVGW) verweist auf eine weitere Studie im Auftrag seines Verbands [externer Link]. Deren Ergebnis: "Selbst wenn man mit 100 Prozent Biogas heizen müsste eines Tages, sind wir konkurrenzfähig mit der Wärmepumpe." Die Prognosen, wie viel das Heizen mit grünen Gasen künftig kosten wird, gehen generell weit auseinander. Viel hängt von den jeweiligen Annahmen ab.

Gaswirtschaft hofft auf Biogas

Vor allem Gasversorger im ländlichen Raum, die nicht gleichzeitig Fernwärme und Strom verkaufen, halten an ihren Gasleitungen fest – und damit ihrem bisherigen Geschäftsmodell. Sie finden das neue Heizungsgesetz eher gut und setzen Hoffnung auf die "Biotreppe". So etwa die Energie Südbayern (ESB) mit einem großen Gas-Verteilnetz in Ober- und Niederbayern. "Wir haben heute schon in einigen Bereichen unseres Netzes das ganze Jahr über einen Biogasüberschuss", sagt ESB-Chef Marcus Böske.

Stadtwerke warten wegen Unsicherheit lieber ab

Eine BR-Nachfrage bei einer Reihe von Stadtwerken und Gasnetzbetreibern in Bayern hat ergeben: Vor allem herrscht Unsicherheit, wie es weitergeht. Die meisten halten ihre Gasnetze bis auf Weiteres betriebsbereit, bauen sie aber so gut wie nicht mehr aus. Alle Netzbetreiber gehen davon aus, dass sie künftig einen Teil ihres Gasnetzes stilllegen – aber die Frage ist, wann und wie viel davon. Die Energiewirtschaft wartet ab, wie sich die politischen Rahmenbedingungen entwickeln.

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