Statt im Wasser liegen sie auf dem Trockenen: Schilfgürtel, Boote und ganze Bootshäuser am Chiemsee. Das "Bayerische Meer" hat es besonders stark getroffen. Aktuell beträgt der Pegelstand des Chiemsees am Priener Hafen in Stock 517,81 Meter über dem Meeresspiegel, teilt das Bayerische Landesamt für Umwelt (LfU) (externer Link) mit.
Chiemsee: Noch nie gesehene Uferbereiche liegen auf dem Trockenen
So wenig Wasser haben Peter und Ursula Mutart an ihrem Chiemsee noch nie gesehen. Seit 50 Jahren leben die beiden begeisterten Segelsportler in Prien am Chiemsee. Das Wasser habe sich dramatisch reduziert, sagt Peter Mutart. Es fehlten wohl 60 bis 70 Zentimeter. Am Ufer werden Bereiche frei, die man sonst nie gesehen habe. Was auch wahnsinnig auffalle, ergänzt Ursula Mutart: "Das Schilf ist ja normalerweise auch im Wasser und da ist jetzt gar nichts."
Bootsverleiher in Sorge: Niedrigwasser sei existenzgefährdend
Auch Bootsverleiher Manfred Eckerl aus Prien ist alarmiert. Er ist am Chiemsee groß geworden, hat im Hochsommer bereits niedrige Wasserstände erlebt, aber noch nie so früh im Jahr wie jetzt im Mai. Er vertritt rund 24 Bootsverleiher am Chiemsee in der Schiffervereinigung.
Das Niedrigwasser bereitet ihm und anderen Bootsverleihern Probleme. So betrage der Höhenunterschied zwischen Steg und Boot beim Ein- und Ausstieg aktuell fast einen Meter. Das sei vor allem für ältere Fahrgäste sehr schwierig, erzählt Manfred Eckerl. "Das Rauf- und Runterklettern ist schon schwer. Man braucht eigentlich eine Leiter." Er hat auch einen Außensteg weiter draußen auf dem Chiemsee. "Das heißt, wir müssen jetzt alle Boote nach draußen bringen, also: paddeln, vorne sitzen, damit der Motor im Freien ist, damit die Leute gut einsteigen können."
Das Niedrigwasser verursacht auch Schäden an den Booten. Wenn die Gäste unterwegs sind und auf Grund fahren, brechen Propeller ab, Motoren werden beschädigt, berichtet Manfred Eckerl. Für andere kleinere Bootsverleiher sei das Niedrigwasser sogar existenzgefährdend. "Sie können nicht rausfahren, auch weil sie sich das Ausbaggern ihrer Häfen nicht leisten können." Das bedeute einen hohen finanziellen Verlust jetzt zum Saisonstart in den Pfingstferien.
Schifffahrt auf Chiemsee eingeschränkt
Auch die großen Ausflugsschiffe leiden unter dem Niedrigwasser. Fällt das Wasser noch wenige Zentimeter weiter, könnten einige Stege nicht mehr angefahren werden, etwa in Seebruck und Übersee, befürchtet Michael Feßler von der Chiemsee-Schifffahrt. Der niedrige Wasserstand sei gar nicht unüblich, aber er kenne ihn nur aus dem Winter. "Wir schauen täglich, wie der Wasserstand ist, und hoffen auf Regen."
Wasservögel sitzen auf dem Trockenen
Die Experten vom Landesbund für Vogel- und Naturschutz – kurz LBV – machen sich bereits Sorgen um die Wasservögel und ihre Brutplätze. Der niedrige Wasserstand der Seen bewirke das Trockenfallen größerer Uferflächen. Dadurch verringert sich der Lebensraum der Tiere und Pflanzen im Flachwasser, bestätigt auch das Landesamt für Umwelt. Mögliche Folge könnte weniger Nachwuchs in diesem Jahr sein. Das hänge aber auch von den Entwicklungen der Wasserstände in den nächsten Wochen ab.
Gründe für Niedrigwasser: zu wenig Regen und Schnee, hohe Verdunstung
So früh, so trocken und heiß: Das hat es seit fast zwanzig Jahren nicht mehr gegeben, teilt das LfU mit. Normalerweise steigen zu dieser Jahreszeit die Pegel durch Regen und schmelzenden Schnee. Aber beides gab es in den vergangenen Monaten zu wenig. Das gesamte Frühjahr sei viel zu trocken. Aus dem Winterhalbjahr resultiert ein Niederschlagsdefizit von 33 Prozent. Aktuell zeigen laut LfU 90 Prozent der Fließgewässermessstellen niedrige Verhältnisse.
Besonders stark betroffen: Chiemsee, Simssee und Starnberger See
Besonders Seen in Südbayern melden Niedrigwasser. Stark betroffen sind Chiemsee, Simssee und Starnberger See. Auch im Ammersee, Staffelsee, Tegernsee, Schliersee und Waginger See sind die Pegel niedrig.
Genauso leidet Nordbayern unter Niedrigwasser. So fließt sehr wenig Wasser in den Zuflüssen der Eger im Fichtelgebirge, der Regnitz, Aisch und Pegnitz. In Summe fehlen Nordbayern 119 Liter Niederschlag pro Quadratmeter aus diesem Winterhalbjahr, teilt das Landesamt für Umwelt mit. In Südbayern sind es 146 Liter. Damit bräuchte jeder Quadratmeter Bayerns eine gut gefüllte Badewanne mit Wasser, um das Defizit auszugleichen.
Eine Entspannung ist nicht in Sicht. Helfen kann nur langanhaltender Regen. Ab Sonntag sind aber nur kurze, kräftige Schauer angekündigt.
Im Video: Niedrigwasser in bayerischen Seen
Bayerische Seen kämpfen bereits Ende Mai mit Niedrigwasser.
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