Wie kann die Wiesn so sicher wie möglich werden? Diese Frage beschäftigt die Münchner Polizei und das Münchner Kreisverwaltungsreferat jedes Jahr aufs Neue. Das diesjährige Sicherheitskonzept ist geprägt von den Erfahrungen des letzten Jahres, als das Festgelände mehrfach wegen Überfüllung geschlossen wurde und zusätzlich eine Sprengstoffdrohung für Verunsicherung sorgte.
Wissenschaftliche Erforschung von Besucherströmen
Für die Besucher verborgen, aber für die Zusammenarbeit der Sicherheitskräfte relevant, dürfte die neu eingerichtete Sicherheitszentrale des Referats für Arbeit und Wirtschaft sein. Hier soll unter anderem das Kameramaterial ausgewertet werden, um frühzeitig zu erkennen, ob und wo sich eine Überfüllung anbahnen könnte, erklärte die Leiterin des Kreisverwaltungsreferats München, Hanna Sammüller.
In diesem Jahr wird die Stadt über 50 Kameras an rund 35 Positionen auf dem Festgelände im Einsatz haben. Hinzu kommen 56 Kameras der Polizei sowie die Bodycams, die die Einsatzkräfte am Körper tragen.
Das Fraunhofer-Institut für Optronik, Systemtechnik und Bildauswertung will das Videomaterial mithilfe von künstlicher Intelligenz auswerten. Gesichter und Personen würden dabei nicht erkannt, gemessen werde anonym, heißt es am Fraunhofer-Institut. Die Universität der Bundeswehr München nutzt die diesjährige Wiesn außerdem als Reallabor, um in Zukunft prognostizieren zu können, wie sich Besucherströme entwickeln.
Bei der Einschätzung der Lage unterstützt auch ein sogenannter "Crowdspotter" – also ein Spezialist, der in ständigem Austausch mit Festleitung und Behörden steht. Im Falle einer Überfüllung hat das städtische Referat für Arbeit und Wirtschaft (RAW) außerdem die Kommunikationsstrategie nachgebessert: Dieses Jahr soll es vorformulierte Textbausteine geben, die dann in unterschiedlichen Sprachen per Lautsprecherdurchsage verbreitet werden. Als das Festgelände vergangenes Jahr wegen Überfüllung geschlossen wurde, war im Nachhinein Kritik an der Kommunikation der Behörden laut geworden.
Münchner Polizei mit Fokus auf Drohnen
Eine Gefahr, die die Münchner Polizei ebenfalls auf dem Schirm hat: Drohnen. Insbesondere nach dem Drohnenvorfall in Leipzig habe das Thema eine hohe Priorität bekommen, sagt Christian Huber, Vizepräsident der Münchner Polizei. Man habe ein Konzept für Drohnendetektion und Drohnenabwehr, könne aber aus einsatztaktischen Gründen nicht ins Detail gehen. Nur so viel: Unterstützt wird die Polizei vom neuen bayerischen Drohnenzentrum.
Der Münchner Polizei-Vize betonte bei der Pressekonferenz: Das Flugbeschränkungsverbot auf dem Festgelände gelte selbstverständlich auch für Drohnen und Hobby-Drohnenpiloten, eine Missachtung des Verbots werde konsequent geahndet.
600 Polizisten und zusätzliche Fahrzeuge für Rettungskräfte
Heuer werden erneut 600 Polizeibeamte und noch mehr Security-Kräfte im Einsatz sein. Hinzukommen bis zu 230 Einsatzkräfte der Bundespolizei, die insbesondere an den Münchner Bahnhöfen, insbesondere am Hauptbahnhof und an der Hackerbrücke, im Einsatz sind. Außerdem wird die Münchner Polizei wie schon in vergangenen Jahren unterstützt von italienischen Polizeibeamten am "Italiener-Wochenende", also dem zweiten Wiesn-Wochenende. Und: Taschendiebfahnder aus acht Ländern werden vor Ort sein, um Diebe zu erwischen.
Auch die Rettungskräfte erhalten in diesem Jahr mehr Unterstützung: Bis zu drei zusätzliche Notarzteinsatzfahrzeuge sollen am Start sein, außerdem soll es weitere Rettungs- und Krankentransportfahrzeuge geben.
Keine Glasflaschen, keine großen Rucksäcke auf der Wiesn
An den Eingängen müssen sich die Besucher wie jedes Jahr auf Kontrollen einstellen. Glasflaschen und Taschen mit einem Volumen von mehr als drei Litern sind verboten. Auch Kinderwagen müssen ab 18 Uhr und an Samstagen draußen bleiben. Wie bereits in den vergangenen Jahren werden die Sicherheitskräfte auch Handsonden einsetzen.
Außerdem gilt nicht nur auf dem Festgelände selbst, sondern auch in dem Bereich rund um das Oktoberfest ein Messerverbot. Ziel sei es, die Bereiche vor den Eingängen noch stärker zu sichern, heißt es bei der Stadt.
Sowohl die Münchner Polizei als auch das Münchner Kreisverwaltungsreferat appellieren an die Besucher, das Auto zuhause stehen zu lassen und den ÖPNV zu nutzen. Auch E-Roller bieten sich nur bedingt zur Anreise an: Die dürfen nämlich in den Sperrzonen rund um die Theresienwiese gar nicht abgestellt werden. Ähnliches gilt für ausleihbare E-Räder.
Fundbüro umgezogen, Versteigerung im Frühjahr
Wer nach dem Wiesn-Besuch einen Schlüssel, ein Handy oder einen Schuh weniger im hauseigenen Bestand hat, kann auch in diesem Jahr wieder im Wiesn-Fundbüro sein Glück versuchen. Aber Obacht: Die Fundgrube zieht um. Fundstücke sind künftig am "Deutschen Museum Verkehrszentrum" auf der Theresienhöhe zu suchen. Neu in diesem Jahr ist auch, was mit den verlorengegangenen Stücken passiert, wenn sie nicht abgeholt werden: Im Frühjahr sollen sie versteigert werden.
Das ist die Europäische Perspektive bei BR24.
"Hier ist Bayern": Der BR24 Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!
