Nachdem im tschechischen Atomkraftwerk Temelín am Mittwochabend ein Reaktorblock wegen einer Panne abgeschaltet werden musste, sorgt der Vorfall im knapp 60 Kilometer entfernten Niederbayern für Unruhe.
Zweiter Vorfall in diesem Jahr
Für Eike Hallitzky, Mitglied der "Plattform für Energiewende und gegen Atomgefahren" und ehemaliger Co-Landesvorsitzender der bayerischen Grünen, ist die technische Störung ein "Warnsignal". Zwar könne er aus der Ferne nicht einschätzen, ob in dem konkreten Störfall eine Gefährdung vorliege. Es sei allerdings nicht das erste Mal, dass es am AKW Temelín zu Problemen komme, sagte Hallitzky dem BR.
Der aktuell betroffene Reaktorblock 2 musste bereits im Januar vom Netz genommen werden. Im April wurde er nach einer knapp zweimonatigen Jahresrevision wieder angefahren. Hallitzky hält das AKW in Temelín für besonders störanfällig. Der Grund: Es kombiniert russische Reaktortechnik und amerikanische Leittechnik. Das sei in diesen Zeiten nicht besonders vertrauenserweckend.
Oberpfälzer Bürgerinitiative kritisiert verlängerte Kontrollzeiträume
Auch die Oberpfälzer Bürgerinitiative gegen atomare Anlagen Weiden-Neustadt (Bi Waa Naa) hat seit Jahren ein kritisches Auge auf das AKW Temelín. Auf BR-Anfrage heißt es nun: "Wir bedauern sehr, dass Tschechien nicht von der Atomkraft abkehren will, einen weiteren Ausbau plant und sich für Laufzeitverlängerungen der alten Meiler nach Gutdünken ausspricht." Eike Hallitzky kritisiert zudem, dass die tschechische Regierung die Kontrollzeiträume für das AKW verlängern möchte – von zehn auf 16 Monate: "Das ist ungefähr so, als würden Sie einen Neuwagen jedes Jahr zum TÜV schicken, aber ältere dann nur noch alle 5 Jahre. Das ist ein völlig absurdes Sicherheitsverständnis."
Appell an die Staatsregierung
Hinzu kommt: In Tschechien soll der Anteil der Atomkraft am Strommix bis 2040 auf mehr als 50 Prozent steigen – mit neuen Reaktoren, längeren Laufzeiten und geplanten kleinen modularen Reaktoren. Auch die Pläne für ein mögliches Endlager in der Nähe von Temelín sieht Hallitzky als zusätzlichen Grund zur Sorge. Seine Forderung an die bayerische Staatsregierung: Sie solle gegenüber Tschechien stärker für erneuerbare Energien und gegen den Ausbau der Atomkraft eintreten.
Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hatte zuletzt eine verstärkte Energiepartnerschaft zwischen Bayern und Tschechien angestrengt und eine bayerische Beteiligung am Ausbau der tschechischen AKW-Kapazitäten ins Spiel gebracht.
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