Ein 27-Jähriger hat vor dem Landgericht München I einen monatelangen Missbrauch an seiner Partnerin gestanden. Der Angeklagte gab zu, seine Freundin betäubt, vergewaltigt und gefilmt zu haben: "Das, was in der Anklage steht, entspricht der Wahrheit", erklärte er am Dienstag, nachdem er zu Beginn des Prozesses Anfang Februar geschwiegen hatte. "Ich weiß, dass ich Schlimmes getan habe und dass das schlimme Folgen mit sich gebracht hat."
Vorwurf: Freundin narkotisiert und vergewaltigt
Die Staatsanwaltschaft wirft dem jungen Mann vor, seine Freundin mit hochwirksamen Medikamenten narkotisiert, vergewaltigt und sie dabei gefilmt zu haben. Laut Staatsanwaltschaft sei es reiner Zufall gewesen, dass die 1997 geborene Frau dabei nicht starb.
Auf Videos ist nach Ermittlerangaben zu sehen, wie der Mann immer wieder Medikamente nachverabreichte oder ihr Tücher mit Betäubungsmitteln ins Gesicht drückte, um sicherzugehen, dass die Frau während der Vergewaltigungen nicht aufwacht. Wenn er mit Gleichgesinnten in Chatgruppen über brutale Verbrechen an betäubten Frauen fantasierte, soll er die Frauen "Autos" oder "tote Schweine" genannt haben.
Angeklagter: "Es ist unverzeihlich"
Der Student aus China sprach lange und sehr detailliert über seine Beziehung zu der Frau und seine sexuellen Vorlieben. Schon immer sei er von schlafenden Frauen fasziniert gewesen. Bereits als Kind habe er nach eigenen Angaben "schlafende Frauen sehr schön" gefunden. Er habe auch seine schlafende Mutter betrachtet und ihre Hand genommen.
Bei allem, was er seiner Freundin angetan habe, sei er kein Frauenhasser. "Ich liebe dieses Mädchen, aber ich habe sie tief verwundet." Seine Taten seien "unbedacht, egoistisch, gefährlich, hässlich und ungehobelt" gewesen. Und weiter sagte er: "Es ist unverzeihlich."
Anklage wegen versuchten Mordes
Der Student ist unter anderem wegen versuchten Mordes in sieben Fällen angeklagt, wegen gefährlicher Körperverletzung, besonders schwerer Vergewaltigung und versuchter Vergewaltigung mit Todesfolge – wobei sich der Versuch in dem Fall auf die Todesfolge bezieht.
Er sei davon ausgegangen, die Medikamente seien nicht schädlich, sagte der Angeklagte in seiner langen Ausführung. Das hätten andere Täter in einem Telegram-Chat mit mehr als 1.000 Mitgliedern gesagt. Er wisse nur von einem Fall in der chinesischen Stadt Shenzhen, bei dem ein Opfer gestorben war.
Der Fall erinnert an die Französin Gisèle Pelicot, die von ihrem damaligen Ehemann über knapp zehn Jahre immer wieder mit Medikamenten betäubt, missbraucht und Dutzenden Fremden zur Vergewaltigung angeboten worden war. Ihr Ex-Mann wurde zu 20 Jahren Haft verurteilt. 50 zumeist wegen schwerer Vergewaltigung mitangeklagte Männer verurteilte das Gericht zu Haftstrafen zwischen drei und 15 Jahren.
Mit Informationen von dpa.
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