Zwei Männer stehen vor einem Zaun und schauen in die Kamera. Hinter ihnen sind chemische Anlagen und ein Schild mit der Aufschrift "Gendorf Chemiepark" zu sehen.
Zwei Männer stehen vor einem Zaun und schauen in die Kamera. Hinter ihnen sind chemische Anlagen und ein Schild mit der Aufschrift "Gendorf Chemiepark" zu sehen.
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Der Vorsitzende des Dyneon-Betriebsrats, Peter Engel, und der IGBCE Bezirksleiter für Altötting, Günter Zellner, nach der Betriebsversammlung.
Bildrechte: BR / Katrin Nöbauer
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Der Vorsitzende des Dyneon-Betriebsrats, Peter Engel, und der IGBCE Bezirksleiter für Altötting, Günter Zellner, nach der Betriebsversammlung.

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PFAS-Produzent Dyneon schließt Werk im bayerischen Chemiedreieck

PFAS-Produzent Dyneon schließt Werk im bayerischen Chemiedreieck

Der PFAS-Hersteller Dyneon schließt zum Jahresende. Wer wann gehen muss, ist aber noch offen. Gespräche mit dem Betriebsrat hat der amerikanische Mutterkonzern auf Mitte Januar verschoben. Für die Angestellten eine Hiobsbotschaft vor Weihnachten.

Über dieses Thema berichtet: Mittags in Oberbayern am .

Am 31. Dezember gegen 23 Uhr soll in Burgkirchen die letzte Lieferung das Dyneon-Werk verlassen. Danach werden alle Schotten dicht gemacht. Die Produktion wird eingestellt. Das erzählt der Betriebsratsvorsitzende Peter Engel nach der Betriebsversammlung am Mittwoch. Ob das Werk dann zurückgebaut wird, ist unklar.

Rückbau doch nicht zwingend

Vor drei Jahren hatte der amerikanische Mutterkonzern 3M angekündigt, die Produktion von PFAS bis Ende 2025 weltweit zu beenden und Dyneon zu schließen. Einen Verkauf lehnte 3M zunächst ab, genau wie die Idee, Dyneon an eine Stiftung zu übergeben. Doch dann gab es einen Wechsel an der Spitze des amerikanischen Konzerns: Laut neuem CEO sei ein Rückbau nicht zwingend, so der Betriebsratsvorsitzende. Seitdem würden sich immer wieder Interessenten die Anlagen anschauen, Genaueres wisse er aber nicht.

Verhandlungen auf Mitte Januar verschoben

Eigentlich hätten Betriebsrat und Unternehmensführung im Oktober verhandeln sollen, wie es für die Mitarbeitenden weitergeht. Diese Gespräche hat das Unternehmen auf Mitte Januar verschoben. Von ursprünglich 700 Menschen arbeiten derzeit noch rund 400 bei Dyneon. Sollte sich 3M für den Rückbau entscheiden, könnten ihm zufolge im Laufe von 2026 weitere 200 Mitarbeitende den Betrieb verlassen.

"Man weiß selber nicht, wann die eigene Funktion betroffen ist. Das sind alles Unsicherheiten, die man aktuell nicht abschätzen kann", erzählt Techniker Christian Nöhmaier, der seit 30 Jahren bei Dyneon arbeitet und dort auch im Betriebsrat ist.

Unsicherheit belastet Angestellte

Diese Unsicherheit belastet viele Mitarbeitende psychisch, das zeigt auch eine Abfrage des Betriebsrats. Das Vertrauen in das Management von 3M ist demnach gering. Ähnlich äußerten sich Angestellte nach der Betriebsversammlung im Gespräch mit BR24: Die Stimmung sei schlecht, es fehle an Motivation und man wünsche sich endlich Klarheit - so die einen. Im eigenen Team passe es noch, man schaue jetzt einfach mal, erzählen die anderen.

Unterstützung gibt es durch einen internen Psychologen sowie durch die Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IGBCE) mit Beratungs- und Schulungsangeboten. Diese werden von betroffenen Mitarbeitenden in Anspruch genommen. Wer bleibt, wird außerdem gut bezahlt - zumindest aktuell noch: Bis zu 18 Monatsgehälter hat 3M gezahlt, um die für den Rückbau nötigen Mitarbeitenden zu halten. Engel meint, das sei auch als eine Art "Schmerzensgeld" betrachtet worden, um die Unsicherheit auszuhalten.

Lage in Chemieindustrie generell angespannt

Vor drei Jahren hieß es noch, wegen des Fachkräftemangels könnten die gut ausgebildeten Dyneon-Mitarbeitenden leicht in anderen Betrieben des bayerischen Chemiedreiecks unterkommen, allen voran bei Wacker Chemie. Doch mittlerweile ist die chemische Industrie unter Druck: Wacker kündigte kürzlich einen Abbau von weltweit 1500 Stellen an. Wie genau sich das auf den Hauptstandort in Burghausen auswirkt, soll Anfang 2026 entschieden werden.

Zudem wurde bekannt, dass das Silizium-Werk in Pocking schließt. Auch in Trostberg falle ein Chemiebetrieb komplett weg, sagt Günter Zellner, Leiter des IGBCE-Bezirks Altötting. Im Chemiepark Gendorf reduziere ein Betrieb, der von Dyneon-Vorprodukten abhängig gewesen sei, 19 von 50 Stellen. Diese Ankündigungen sorgen laut Zellner für Verunsicherung, zumal der Arbeitsmarkt im Chemiebereich nicht mehr so aufnahmefähig sei.

Wünsche: Unterstützung und Klarheit

Gewerkschafter Zellner wünscht sich deshalb mehr politische Unterstützung und eine "aktivere Wirtschaftspolitik". 2023 seien Ministerpräsident und Wirtschaftsminister noch vor Ort gewesen, danach habe man nichts mehr gehört, kritisiert Zellner. Dabei seien die Voraussetzungen für die chemische Industrie in Südostoberbayern sehr gut, und auch am Problem der Energieversorgung werde gearbeitet.

Dyneon-Betriebsratschef Peter Engel hofft, dass ein Interessent das Dyneon-Werk übernimmt und neue Mitarbeitende einstellt. Zumindest solle 3M so bald wie möglich die endgültige Entscheidung treffen und Klarheit schaffen, so Engel. Gegenüber BR24 teilte 3M mit, der weltweite Ausstieg aus der PFAS-Produktion verlaufe planmäßig. Man sei in Kontakt mit Interessensgruppen vor Ort, wie etwa dem Landkreis Altötting. Der bestätigte, dass es dabei vor allem um Umweltauswirkungen gehe.

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