Archivbild 2018 - Alice Weidel (links) und Katrin Ebner-Steiner (rechts) stoßen  auf das Wahlergebnis an
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Plötzlich Freundinnen – Weidel und Ebner-Steiner im Landtag

Plötzlich Freundinnen – Weidel und Ebner-Steiner im Landtag

Beim Neujahrsempfang der AfD-Fraktion tritt Parteichefin Weidel erstmals im Maximilianeum auf. Trotz des distanzierten Verhältnisses zu Fraktionschefin Ebner-Steiner kommt es zum demonstrativen Schulterschluss. Was steckt dahinter? Eine Analyse.

Über dieses Thema berichtet: BR24 Radio am .

"Es ist das erste Mal, dass ich hier spreche im Bayerischen Landtag", sagt AfD-Parteichefin Alice Weidel zu Beginn ihrer Rede beim Neujahrsempfang der Landtagsfraktion. Der ehrwürdige Senatssaal im Maximilianeum ist gehüllt in das tiefe Dunkelblau der Partei.

Tatsächlich ist Alice Weidel in den vergangenen Jahren selten in Bayern aufgetreten und war noch nie zu Gast im Landtag. Das nicht ohne Grund: Das Verhältnis zwischen Weidel und der bayerischen AfD-Fraktionschefin gilt nicht gerade als herzlich. Ebner-Steiner demonstrierte jahrelang ihre Nähe zum radikalen Thüringer Parteichef Björn Höcke, nannte ihn einen "Freund" und berief sich auf gemeinsame Wanderurlaube.

Ebner-Steiner pflegte Nähe zu Höcke und Halemba

Höcke selbst war dann auch bereits 2019 zu Gast im Landtag - auf Einladung Ebner-Steiners. Zu dem Zeitpunkt saß die AfD gerade einmal ein Jahr im Maximilianeum. Der Machtzirkel um Parteichefin Weidel blickte immer wieder argwöhnisch auf den radikalen Kurs der bayerischen Fraktionsspitze.

Offen trat das vor zwei Jahren zutage: Als Mitte Dezember 2023 Vorwürfe gegen den jungen AfD-Abgeordneten Daniel Halemba bekannt wurden wegen Verdachts der Volksverhetzung und wegen Unregelmäßigkeiten bei seiner Wahl als Kandidat seines Stimmkreises, sagte Weidel: Es sei für den Bundesvorstand "einhellig und völlig klar gewesen, dass Herr Halemba nicht in der AfD Mitglied bleiben kann". Also auch nicht in der Fraktion. Ebner-Steiner dagegen stellte sich demonstrativ hinter Halemba und schloss Sanktionen aus. Ihre Devise damals: "Einer für alle, alle für einen."

Der Streit scheint nun beigelegt, zugunsten Ebner-Steiners und Halembas. Weidel habe oft einen Bogen um Bayern herum gemacht, sagen AfD-Abgeordnete. In den Wahlkämpfen 2023 und 2025 hätte man sich "mehr Unterstützung gewünscht", heißt es hinter vorgehaltener Hand. Während Co-Chef Chrupalla für jeden in der Partei erreichbar ist und zahlreiche Termine wahrnimmt, haben gemeinsame Veranstaltungen mit Weidel Seltenheitswert.

Weidel will radikale Vertreter aus dem Landesvorstand entfernen

Nun also der demonstrative Schulterschluss beim Neujahrsempfang: Ebner-Steiner begrüßt Weidel mit den Worten "liebe Alice, wir stehen hinter dir" und "schön, dass du heute bei uns bist". Weidel selbst scheint überrascht, sagt mehrmals "wow" und dreimal "liebe Katrin". Die Arbeit der bayerischen Fraktionschefin und ihres Vorstands nennt Weidel "hervorragend".

Doch die zwei AfD-Alphafrauen haben nicht aus Sympathie zueinander gefunden. Der plötzliche Schulterschluss hat mindestens zwei Gründe. Erstens: Weidel will den Parteivorstand in Bayern umkrempeln. Manche Vertreter des Landesvorstandes gelten selbst den Scharfmachern im Bundesvorstand als zu radikal und sollen das Feld verlassen. Dafür brauchen Weidel und ihr Lager die Unterstützung von Ebner-Steiner und ihrem Lager.

Zu sehen war der Konflikt bereits auf dem letzten Parteitag im vergangenen Oktober: Eine Mehrheit der Mitglieder – darunter die Gefolgschaft Ebner-Steiners - stimmte für eine Neuwahl des Landesvorstandes. Die nötige Zweidrittel-Mehrheit wurde zwar nicht erreicht, doch die internen Querelen traten auf offene Bühne zutage. Weidel habe realisiert, dass sie für einen künftigen Landesvorstand ohne die "ganz Verrückten" die Unterstützung von Ebner-Steiner brauche, heißt es aus Fraktionskreisen.

Ebner-Steiner will als Fraktionschefin wiedergewählt werden

Zweitens steht im Frühjahr die Wiederwahl Ebner-Steiners als Fraktionschefin an. Kritiker aus den eigenen Reihen werfen ihr unter anderem mangelnde Sichtbarkeit vor. Unterstützung durch Weidel und ihren Anhängern kommt Ebner-Steiner also gerade recht.

Außerdem streben beide Politikerinnen nach einer Vergrößerung des Wählerspektrums und meiden seit Monaten tunlichst jede Art von internen Konflikt. Streit wird vom Wähler bestraft, das hat auch die AfD längst realisiert. Gleich mehrmals hat Ebner-Steiner in ihrer Rede beim Neujahrsempfang deshalb den "Zusammenhalt" und das "Wir" beschworen – und weitere Wahlsiege in Aussicht gestellt. Machtansprüche und Ambitionen lassen die beiden AfD-Frontfrauen also plötzlich zu Verbündeten werden.

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