Public Viewing in einer ehemaligen Lagerhalle im New Yorker Stadtteil Brooklyn: Was für die Besucher wie ein entspannter Fußballabend aussieht, ist das Ergebnis einer langwierigen Planung. Sechs Monate lang hat der gebürtige Münchner Gastronom Sylvester Schneider mit seinem Team an der "Arena" gearbeitet. Strom, WLAN und Großbildschirme mussten organisiert, Kabel verlegt, Tische, Bänke und Sonnenschirme aufgebaut werden.
Bis zuletzt lief dabei nicht alles rund: Erst fiel der Kühltruck aus, dann streikte auch noch die Eismaschine. Kurzerhand kaufte Schneider über Facebook für 2.200 Dollar eine gebrauchte Ersatzmaschine – damit das Bier kalt bleibt. "Das kann sich keiner vorstellen, was da an Arbeit dahintersteckt. Das ist schon heftig", sagt Schneider. Trotzdem würde er sich jederzeit wieder darauf einlassen. "Wenn man es nicht gern macht, würde man sich das nie antun."
Bayerische Schmankerl mitten in Brooklyn
Wer das Public Viewing besucht, bekommt weit mehr als Fußball geboten. Das Bier kostet 11 Dollar, die extra importierte Brezn sechs Dollar. Obazda und Kartoffelsalat werden nach bayerischen Rezepten zubereitet, Brat- und Weißwürste liefert ein deutscher Metzger aus New York. Für viele Gäste fühlt sich der Abend deshalb ein bisschen wie Zuhause an, obwohl sie Tausende Kilometer von Bayern entfernt sind.
Public Viewing statt teurer Stadiontickets
Ein paar Duzend deutsche Fans beim Public Viewing sind extra in die USA gereist, um die Atmosphäre mitzuerleben. Allerdings haben sich nicht alle um Tickets bemüht. Für viele Gäste ist das Public Viewing in den USA nicht nur eine Alternative, sondern eine bewusste Entscheidung.
Die Nachfrage nach WM-Tickets war riesig, auf dem offiziellen Wiederverkaufsmarkt wurden viele Karten zu deutlich höheren Preisen angeboten, oft im vierstelligen Bereich. Hinzu kommen Gebühren: Beim Weiterverkauf verlangt die FIFA sowohl von Käufern als auch von Verkäufern eine Gebühr von jeweils 15 Prozent. Viele Fans verzichteten deshalb auf den teuren Zweitmarkt – und entschieden sich stattdessen für die Atmosphäre in Brooklyn. Gemeinsam mit Hunderten anderen Fußballbegeisterten wurde das Public Viewing für sie zum Stadionersatz.
Vom Rockstar zum Gastgeber
Eigentlich wollte Sylvester Schneider einmal Rockstar werden. Statt auf der Bühne landete der Münchner in der Gastronomie – und hat seine Entscheidung nie bereut. Seit 36 Jahren lebt er inzwischen in New York und hat sich mit seinen Restaurants und Pop-up-Events einen Namen gemacht.
Für ihn geht es längst nicht nur um deutsches Essen oder Fußball. Sein Ziel ist es, Menschen zusammenzubringen. Deutsche, Amerikaner und Fans aus aller Welt sitzen an langen Biertischen, fiebern gemeinsam mit und kommen miteinander ins Gespräch.
Ein Ort für Gemeinschaft
Genau darin liegt für Schneider der eigentliche Wert seines Public Viewings. Mitten in der Millionenmetropole New York entsteht für einen Abend ein Ort, an dem Fremde miteinander feiern, gemeinsam jubeln – und Bayern plötzlich ganz nah ist.
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