Tausende beim Fischertag in Memmingen
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"Pure Leidenschaft": Tausende beim Fischertag in Memmingen

"Pure Leidenschaft": Tausende beim Fischertag in Memmingen

Einmal im Jahr steht Memmingen Kopf: Der Stadtbach wird zur Bühne, die Fischer springen ins Wasser – und Tausende fiebern mit. Beim Fischertag geht es um Tradition und um Ehre. Tierschützer kritisieren den Brauch als grausam.

Über dieses Thema berichtet: BR24 TV am .

Ein Kanonenschuss – dann bricht das Chaos los. Alle springen rein in ihren Stadtbach. 1.200 Menschen gleichzeitig. Es ist laut, stressig, schmutzig. Mit ihren Riesenkeschern – den "Bären" – fischen sie raus, was geht, beim Fischertag in Memmingen. Die Ufer und Brücken sind knallvoll mit Zuschauern. Etwa 5.000 Menschen verfolgen das Spektakel, die ganze Stadt – ein Volksfest.

Knietief steht Lukas Kerler im Stadtbach, in seinem Kescher zappelt eine prächtige Forelle, vielleicht 1.200 Gramm schwer? "Das ist einfach pure Leidenschaft und jahrelanges Training, und dann gehört immer noch das Quäntchen Glück dazu", erklärt Kerler.

"Das ist einfach unser Heimatfest"

Am Ufer steht seine Mutter, sie nimmt den Fisch in Empfang – der Fischertag, der ist in Memmingen Familiensache. "Das ist einfach unser Heimatfest", sagt Lukas Kerler. Von klein auf wachse man damit auf in Memmingen, werde damit groß und bleibe dabei.

So wie Lukas geht es vielen hier: Das "In-den-Bach-Jucken", das hat in Memmingen Tradition. Seit dem Mittelalter springen die Leute in den Stadtbach. Der wird einmal im Jahr trockengelegt und gereinigt. Doch zuvor kommt der große Moment der Fischer: Sie ziehen die Fische raus und essen sie – der mit dem dicksten Fisch wird zum neuen Fischerkönig gekrönt.

Frauen dürfen inzwischen mitmachen

Ein Brauch, der vor ein paar Jahren angepasst wurde. Frauen durften zuvor nicht in den Bach jucken und Fische fangen, das war Männersache, bis Christiane Renz dieses Recht vor Gericht erstritten hat. Eine Änderung, die noch nicht alle akzeptieren, sagt die 16-jährige Teilnehmerin Carla: "Ich glaube, das kommt immer mehr an, aber es gibt schon auch noch 'Hate'. Vorhin hat jemand 'Buh' gerufen, oder man kriegt halt Blicke ab."

Trotzdem freut sie sich, dass sie dabei sein kann. Für den ersten Vorstand des Fischertagsvereins, Thorsten Burghart, ist das auch richtig so: "Eine Tradition, die man nicht an das Jetzt und Hier anpasst, die wird irgendwann aussterben."

Tierschützer kritisieren den Fischertag als grausam

Aber nicht alle feiern den Brauch: Neun Menschen haben laut Polizei friedlich im Bach demonstriert, die Tierrechtsorganisation Peta kämpft seit Jahren gegen den Brauch in seiner jetzigen Form – findet ihn grausam, zum Beispiel weil Forellen vorher eingesetzt und beim Fischertag zertrampelt würden.

Lisa Klan von Peta schlägt als Alternative vor, dass man vielleicht "Fischfigürchen in den Stadtbach einsetzt". Diese Art Wandel greift vielen Memmingern dann aber doch zu tief. Auch der Freistaat teilt die Kritik von Peta nicht: Den Memminger Fischertag hat er zuletzt in seine Liste des immateriellen Kulturerbes aufgenommen.

Memmingen feiert derweil seinen neuen Fischerkönig: Laut Allgäuer Zeitung [externer Link, möglicherweise Bezahl-Inhalt] holte Maximilian Schmidt den dicksten Fisch aus dem Wasser.

Zum Hören: Wenn Memmingen Kopf steht

Kampf um die Forelle in Memmingen
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Kampf um die Forelle in Memmingen

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