Im Festzelt sind rund 180 Sportlerinnen und Sportler aus ganz Bayern an den Start gegangen.
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Tradition mit Comeback: Bayerische Meisterschaft im Fingerhakeln

Tradition mit Comeback: Bayerische Meisterschaft im Fingerhakeln

Wer will denn schon über den Tisch gezogen werden? Am Sonntag haben sich in Arrach im Landkreis Cham bis zu 180 Fingerhakler zur Bayerischen Meisterschaft versammelt. Ein echter Sport, bei dem es richtig zur Sache geht.

Über dieses Thema berichtet: Mittags in Niederbayern und Oberpfalz am .

Ein Kommando – und dann zählt jeder Zentimeter: Ein schwerer Holztisch, zwei Männer sitzen sich gegenüber. Die Hände sind weiß vom Magnesium, damit der Lederriemen nicht rutscht. Der Mittelfinger wird eingehakt, dann lehnen sich beide nach hinten und versuchen, den Gegner über die Tischkante zu ziehen. Für viele ist dieses Gefühl seit Jahrzehnten Teil ihres Lebens. Zum Beispiel für Johannes Falter. Der 35-jährige Maurermeister aus Michelsneukirchen hat schon als Zwölfjähriger angefangen – aus der Dorftradition heraus.

Nicht nur für alte Hasen

Fingerhakeln hat alles, was einen Sport ausmacht: klare Regeln, Schiedsrichter, Gewichtsklassen – und jede Menge Stolz. Längst ist es kein "Alt-Herren-Sport" mehr. Die jungen Hakler mischen kräftig mit. Der 12-jährige Lukas Müller zum Beispiel. Er kommt aus Steinbühl bei Bad Kötzting und ist schon länger am Tisch. Er hat bereits mit sechs Jahren angefangen zu hakeln und erzählt, sein Finger habe schon einige Verletzungen abbekommen. Es tue ein wenig weh, wenn die Haut heruntergezogen werde. Bei der letzten Meisterschaft sei er Dritter geworden – das habe für ihn ganz gut gepasst.

Vier Jahrzehnte Erfahrung am Hakltisch

An Erfahrung kommt an Ferdinand Bachl kaum jemand ran. Er hakelt seit über vier Jahrzehnten und hat schon etliche Titel geholt. Der 74-Jährige ist Vorstand des Fingerhaklvereins Rimbach. Rund 100 Mitglieder hat der Verein – auch Frauen. Diese dürfen im offiziellen Wettbewerb jedoch nicht antreten. Bachl erklärt, Frauen könnten theoretisch schon mithakeln, der Bayerische Landesverband des Fingerhakelns sehe Frauen im Wettkampf aber nicht vor. Sie könnten sich dennoch selbst organisieren, und es gebe kleinere Wettbewerbe, bei denen Frauen mitmachen.

Tradition im Trend – auch wegen Social Media

Dass Fingerhakeln gut in die Zeit passt, zeigt ein Blick über den Sport hinaus: Schafkopfturniere sind gut besucht, Trachtenvereine haben volle Kalender, Dorffeste laufen vielerorts wieder rund. Traditionelles, das lange ein bisschen "altbacken" wirkte, wird gerade neu entdeckt. Der Regensburger Kulturwissenschaftler Prof. Dr. Gunther Hirschfelder sagt, Fingerhakeln profitiere davon besonders, weil es in einem "schönen Setting" stattfinde – oft mit Tracht und traditioneller Umgebung. Das wirke sehr bildstark und eigne sich daher ideal für die Inszenierung in sozialen Medien, erklärt er im BR-Interview.

Zum Nachhören: Bayerische Meisterschaft im Fingerhakeln

Aufnahme beim Wettkampf
Bildrechte: BR/Rudolf Heinz
Audiobeitrag

Zwei junge Nachwuchs-Hakler beim Wettkampf

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