Unbekannte haben im oberbayerischen Penzberg (Landkreis Weilheim-Schongau) in der Nacht das neue Hinweisschild zum Freitagsgebet der örtlichen Moschee mit schwarzer Farbe übersprüht.
Bisher gebe es keine Hinweise auf den oder die Täter, man habe den Schaden aber dokumentiert, sagte ein Sprecher der Polizei in Penzberg auf Anfrage des Bayerischen Rundfunks. Zeugen, die verdächtige Wahrnehmungen gemacht haben, werden gebeten, sich bei der Polizei zu melden.
Nach Angaben der Polizei habe man Mitarbeiter des Penzberger Bauhofs verständigt. Mittlerweile wurde das Schild gereinigt und ist wieder einwandfrei lesbar. Wegen gemeinschädlicher Sachbeschädigung wird gegen Unbekannt ermittelt.
Imam: Beschmiertes Schild ist Ausdruck von Intoleranz
Der Imam des Ortes, Benjamin Idriz, zeigte sich am Samstagmorgen betroffen: "Es ist nur ein halber Meter Metall. Und doch scheint dieses Schild manche so sehr zu stören, dass sie nachts mit Farbe dagegen kämpfen. Nicht gegen ein Schild – sondern gegen das, wofür es steht: Offenheit, Religionsfreiheit, gegenseitigen Respekt und das friedliche Miteinander", schrieb Idriz in einem Statement bei Instagram.
Es mache traurig, "nicht wegen der Farbe auf dem Schild, sondern weil Hass offenbar immer noch manche Herzen erreicht". Das beschmierte Schild sei kein Ausdruck von Meinungsfreiheit, so Idriz weiter. Es sei ein Ausdruck von Intoleranz, Feindseligkeit und Muslimfeindlichkeit. "Denn Religionsfreiheit, Respekt und Menschenwürde gelten entweder für alle oder am Ende für niemanden."
Bürgermeister: Klar, wer in diesem Fall auf radikaler Seite steht
Die Errichtung des Schilds hatte in den vergangenen Tagen im Netz bereits für kontroverse Debatten gesorgt – eine Beobachtung, die auch Penzbergs Bürgermeister Thomas Kopf teilt. "Natürlich verfolgt man die Diskussionen und Kommentare in den sozialen Medien", sagte er dem Bayerischen Rundfunk in einem ersten Statement. "Aber wenn ich dann sehe, dass sich jemand veranlasst fühlt, das Schild zu beschmieren, also eine Straftat zu begehen, im Schutz der Nacht, dann weiß ich, wer in dieser Diskussion auf der radikalen Seite steht, und das ist nicht die islamische Gemeinde oder der Islam."
Herrmann: "Religiöse Vielfalt gehört zu Bayern"
Auch Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) hat sich inzwischen zu Wort gemeldet. Herrmann sagte dem BR auf Anfrage, das Beschmieren eines Hinweisschildes zum Freitagsgebet sei inakzeptabel. "Die religiöse Vielfalt gehört zu Bayern. Sie ist Ausdruck der Freiheit und des demokratischen Selbstverständnisses unseres Landes. Diese Werte zu schützen und zu stärken, ist unsere gemeinsame Verantwortung." Respekt gegenüber allen Religionsgemeinschaften und ihren Einrichtungen sei eine grundlegende Voraussetzung für ein friedliches Zusammenleben.
Pfarrer: Schilder als Symbol für Lebensgefühl der Stadt
Ähnlich äußerte sich der Pfarrer der Evangelisch-Lutherischen Kirchengemeinde Penzberg, Julian Lademann. "Kürzlich wurde hier in Penzberg auch eine kleine katholische Kapelle mit Schriftzügen beschmiert – das sehe ich in einer Linie mit dem zunehmenden Gefühl, dass manchen Menschen nichts mehr heilig ist", schrieb er in einem Statement auf Anfrage des BRs. Schon beim Aufstellen der Schilder habe man jedoch mit einer vergleichbaren Situation gerechnet und sei "nicht blauäugig" gewesen.
Zugleich stünden die Schilder aus etwas teurerem Blech nur als Symbol für ein Lebensgefühl dieser Stadt, das seit vielen Jahren gewachsen sei. "In Penzberg gibt es trotz aller Unterschiede ein ernsthaftes Bemühen um ein aufrichtiges, respektvolles und friedliches Miteinander. Man kennt sich bei uns in der Stadt, man bleibt sich nicht fremd; man lebt miteinander und weiß voneinander – auch wenn man unterschiedlich glaubt und betet."
Schild bisher wohl einzigartig in Deutschland
Penzberg hat seit dem vergangenen Dienstag an einem der Ortseingänge zusammen mit den Schildern für den katholischen und evangelischen Gottesdienst ein entsprechendes Schild für das Freitagsgebet der islamischen Gemeinde angebracht – bisher einmalig in Deutschland, wie Imam Idriz sagt.
An drei weiteren Stellen des Ortes sollen ebenfalls entsprechende Hinweistafeln montiert werden. Zu den Kosten wurden keine Angaben gemacht. Sie würden von den Religionsgemeinschaften mitgetragen; auch die islamische Gemeinde beteilige sich, hatte Idriz vor wenigen Tagen gegenüber der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) erklärt.
Die Idee zu den Schildern entstand nach Angaben der Stadt bei einer Gesprächsrunde zwischen dem Bürgermeister und den Vertretern der verschiedenen Religionen, als über eine Erneuerung der alten, verblichenen Gottesdienst-Infotafeln geredet wurde.
Islamische Gemeinde Penzberg eine der bekanntesten in Bayern
Die Glaubensgemeinschaft Landkreis Weilheim-Schongau zählt zu den bekanntesten islamischen Gemeinden in Bayern. Im Jahr 2019 hatte auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier die Gemeinde besucht. Nach deren Angabe finden das Freitagsgebet und die Predigt in deutscher Sprache statt.
Die Gottesdienst-Schilder gehen auf eine Verordnung des Bundesinnenministeriums von 1960 zurück. Sie erlaubte katholischen und evangelischen Gemeinden das Aufstellen der Hinweistafeln an Ortseingängen. 2008 gab das Bundesverkehrsministerium ein Schreiben heraus, das diese Erlaubnis auf alle Religionsgemeinschaften ausweitete.
Mit Informationen von dpa und KNA
Im Video: Penzberg - Hinweisschild für Moschee-Gebetszeit beschmiert
Penzberg: Hinweisschild für Moschee-Gebetszeit beschmiert
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