TikToker Jacky Barca steht in einem weißen Fußballtrikot in einem Würzburger Geschäft. Über 200 Kinder und Jugendliche drängen nach ihm in die Filiale, filmen, wollen Fotos mit ihm machen und werfen mit Klamotten. Überwiegend Jungs. Videos davon haben nach dem Besuch von Jackybarca in Würzburg die Runde gemacht. Der Influencer war eigentlich in die Stadt gekommen, um in Eins-zu-Eins-Fußball-Challenges gegen Fans anzutreten. So macht er es in Städten in ganz Deutschland, etwa in München, Berlin oder Köln. In Würzburg endete der Tag mit einem Polizeieinsatz.
Diebstahl und Sachbeschädigung: Polizei in Würzburg ermittelt
Mehrere Jugendgruppen hatten auf den TikToker gewartet und sind ihm durch die Innenstadt nachgelaufen. Sie schreien immer wieder "Jacky, Jacky!" Laut Polizei haben sie in drei Geschäften randaliert, haben Regale umgeworfen und Ware beschädigt. Wie hoch der Schaden ist, ist noch nicht bekannt. Die Polizei ermittelt wegen Ladendiebstählen, Sachbeschädigungen sowie Landfriedensbruch.
Von der Müller-Drogerie heißt es auf BR24-Anfrage, dass dort Gegenstände gestohlen wurden. Wie viel insgesamt fehlt, müsse man aktuell noch prüfen. So etwas habe sie noch nie erlebt, sagt Filialleiterin Marina Krimm. Auch am Rathaus sind die Jugendlichen vorbeigezogen. Die Douglas-Filiale dort wertet noch Aufnahmen der Überwachungskameras aus. Jedoch hätten Mitarbeiter vom benachbarten Wöhrl bereits ein Produkt aus dem Douglas-Sortiment vorbeigebracht, das dort gelandet sei.
"Komplett eskaliert": Polizei holt TikToker aus der Situation
Um die Lage zu beruhigen, war schließlich die Polizei eingeschritten. Eine Streife brachte den Influencer Jackybarca aus der Fußgängerzone zu einer Dienststelle – nicht als Festnahme, wie die Polizei betont. Vor Ort hat die Polizei auch Personalien von Fans aufgenommen. Eine längerfristige Festsetzung erfolgte laut Polizei jedoch nicht.
Der TikToker veröffentlichte nach dem Vorfall ein Statement auf TikTok, in dem er sagt: So etwas habe er noch nie erlebt. "Ich komme in Würzburg an, konnte noch nicht mal den Ball aus meiner Tasche holen – ungelogen: 500 Menschen um mich herum." Er hätte vor den Fans wegrennen müssen. In anderen Städten sei es zwar schon ähnlich abgelaufen, aber erst nach den Fußballspielen. "Was ich in Würzburg gesehen habe, habe ich lange nicht mehr gesehen. Es ist komplett eskaliert", so der 19-Jährige. Er entschuldigt sich bei den Fans, dass er abbrechen musste und es somit keine Fußball-Matches geben konnte. Laut Jackybarca waren so viele junge Leute unterwegs, dass er kaum Videos drehen oder mit Fans interagieren konnte.
Influencer Jackybarca veranstaltet Fußball-Duelle in Innenstädten
Jackybarca ist ein Fußball-Influencer mit derzeit rund 50.000 Followern auf TikTok. Sein Konzept: Er fordert Jugendliche in Innenstädten zu Eins-gegen-Eins-Duellen heraus und provoziert sie dabei bewusst. Er kommentiert die Spiele in abwertender, aber für seine Fans typischer Weise. Der Influencer kritisiert zum Beispiel ihre Spielweise oder ihre Outfits. "Der Bro ist der schlechteste Spieler, gegen den ich in meiner TikTok-Karriere gespielt habe", sagt er in dem unten stehenden Video aus Berlin. In Würzburg sollen sich die Jugendlichen über den Influencer ähnlich provozierend geäußert haben.
TikTok-Hype in Würzburg: Wo hört Fan-Kultur auf?
Auf Social Media wird der Auflauf in Würzburg unterschiedlich bewertet. Manche Userinnen und User berichten, dass die Jugendlichen enthusiastisch und mitgerissen gewesen seien, aber überwiegend rücksichtsvoll. Sie ziehen Vergleiche zu Fan-Hysterien früherer Jahrzehnte – etwa bei Auftritten von Michael Jackson in Würzburg oder der "Beatlemania". "Welche Generation hatte denn Verständnis für das Fandom ihrer Kinder?", fragt ein Nutzer. Andere wiederum kritisieren: Echte Begeisterung höre dort auf, wo in Läden Dinge zu Bruch gehen oder gestohlen würden.
Die Diskussion dreht sich auch um die Rolle von Influencern und Influencerinnen: Wie viel Verantwortung tragen sie für das Verhalten ihrer Fans in der realen Welt? Zwar ist Jackybarcas Reichweite deutlich kleiner als die großer TikTok-Stars mit Millionenpublikum. Dennoch reicht sie offenbar, um eine Innenstadt in Bewegung zu setzen. Offen bleibt, wer am Ende für mögliche Schäden aufkommt – und wie Städte und Polizei künftig mit solchen Social-Media-Hypes umgehen wollen.
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