Unbekannte haben am Bezirksklinikum Regensburg ein Mahnmal beschädigt, das an ermordete Kranke in der Nazizeit erinnert. Eine Gedenktafel mit Porträts der Opfer wurde zerkratzt, teilte ein Polizeisprecher mit, auch eine Heiligenstatue wurde beschädigt. Der Staatsschutz wurde eingeschaltet.
Bezirksklinikum stellt Strafanzeige
Heute Morgen hatte bereits das Oberpfälzer Bezirksklinikum Medbo über den Vandalismus auf dessen Gelände informiert. Tatzeitraum soll das vergangene Wochenende sein. Das Klinikum stellte Strafanzeige – gegen Unbekannt. Die Polizei äußerte noch keinen Verdacht.
Bezirkstag spricht von ernstem Vorfall
Nach Angaben des Bezirks der Oberpfalz geht es um mehrere Bildelemente der Gedenktafeln, die zerstört wurden. Diese zeigen Fotos von Opfern der sogenannten "Euthanasiemorde" durch die Nazis. Die Portraits der Menschen wurden stark verkratzt. Außerdem wurde eine Heiligenstatue vor der dortigen Kirche St. Vitus beschädigt.
Beschädigte Heiligenstatue vor der Kirche St. Vitus.
Bezirkstagspräsident Franz Löffler sprach in einer Mitteilung von einem ernsten Vorfall: Dieser Ort erinnere an die Opfer der nationalsozialistischen Krankenmorde und stehe für die historische Verantwortung, dieses Unrecht sichtbar im Bewusstsein zu halten, so Löffler. Die Erinnerung an die Opfer lasse sich weder zerkratzen noch einschüchtern, sagte der Bezirkstagspräsident.
Polizei sucht nach Zeugen
Der entstandene Sachschaden ist noch unbekannt. Die Polizei ermittelt. Zeugen, die zwischen Samstagnachmittag und Sonntagmorgen etwas beobachtet haben, können sich sowohl an die Polizei oder an die Rechtsabteilung der Medbo wenden, hieß es.
💡Euthanasie - Krankenmorde in Regensburg
Unter Krankenmorde verstanden die Nationalsozialisten die systematische Ermordung von Menschen mit psychischen Erkrankungen, geistigen oder körperlichen Behinderungen. Hunderttausende wurden umgebracht.
Auch in Regensburg war dieses Verbrechen tief verankert: Hauptsächlicher Ausgangspunkt war dort die damalige Heil- und Pflegeanstalt Karthaus-Prüll (heute: Bezirksklinikum Regensburg, externer Link). Zwischen 1940 und 1941 wurden von dort aus mehr als 600 Patienten in Tötungsanstalten deportiert, Hunderte wurden zwangssterilisiert. Bis 1945 starben etwa 950 weitere Patienten in Karthaus – an den Folgen von katastrophaler Mangelversorgung.
Die Tötungsverbrechen wurden nach 1945 zunächst zögerlich aufgearbeitet. Inzwischen hat der Freistaat Bayern eine umfassende Erinnerungskultur etabliert: Bezirke und Gedenkstätten dokumentieren heute die Schicksale der Opfer.
Mehr Informationen finden Sie hier und hier [externe Links].
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