Junge Kälber im Stall von Magdalena Blüml.
Junge Kälber im Stall von Magdalena Blüml.
Bild
Junge Kälber im Stall von Magdalena Blüml in Oberbayern. (Symbolbild)
Bildrechte: BR/Julia Rupprich
Schlagwörter
Bildrechte: BR/Julia Rupprich
Audiobeitrag

Junge Kälber im Stall von Magdalena Blüml in Oberbayern. (Symbolbild)

Audiobeitrag
>

Regionales Kalbfleisch? In Bayern sehr selten

Regionales Kalbfleisch? In Bayern sehr selten

Kalbfleisch aus Bayern ist im Supermarkt oder im Restaurant nur schwer zu finden. Denn mit billigem Kalbfleisch aus dem deutschen Norden oder dem Ausland können bayerische Betriebe kaum konkurrieren. Wie ein Betrieb aus Oberbayern trotzdem überlebt.

Über dieses Thema berichtet: Unser Land am .

Vorsichtig schauen sich die 30 neuen Kälber im Stall von Magdalena Blüml um. Manche sind das Stroh noch nicht gewöhnt und rutschen noch auf der ungewohnten Unterlage aus, andere springen schon aufgeregt durch den Stall. "Die müssen sich jetzt noch aneinander gewöhnen", erklärt die Landwirtin aus Halsbach.

Schließlich kommen die sechs bis acht Wochen alten Kälber aus verschiedenen Milchbetrieben im Umkreis von 20 Kilometern. Doch für die nächsten vier Monate wird der Hof im oberbayerischen Landkreis Altötting ihr neues Zuhause sein. Rund 200 Kälber werden hier gemästet, bevor sie geschlachtet und zu Kalbfleisch verarbeitet werden.

Knapp 500.000 Kälbergeburten jährlich

Die Fütterung sei jetzt noch eine Herausforderung, betont Blüml. Wichtig sei, dass sie die Milch annehmen. Denn auf den unterschiedlichen Betrieben werden sie unterschiedlich gefüttert, ergänzt ihr Ehemann Josef. Das Ehepaar mästet klassische Milchkälber. Das heißt, die Tiere bekommen bis zur Schlachtung Milch zu trinken.

Doch Kälbermastbetriebe wie der der Blümls kann man in Bayern an einer Hand abzählen. Dabei werden laut dem Bayerischen Amt für Statistik jedes Jahr knapp eine halbe Million Kälber im Freistaat geboren. Doch die weiblichen Kälber werden in der Regel auf den Milchviehbetrieben weiterverwendet.

Hoher Konkurrenzdruck für bayerisches Kalbfleisch

Der Großteil der männlichen Tiere wird in Bayern zu Bullen gemästet und dann mit rund 18 Monaten und 700 Kilo geschlachtet. Manche Milchviehrassen setzen allerdings nur wenig Fleisch an und sind daher nicht für die Bullenmast geeignet. Diese Kälber werden dann oft in den Norden Deutschlands oder ins Ausland exportiert.

Im Norden Deutschlands - aber auch in Spanien oder Holland - gibt es viele große Betriebe mit Plätzen für bis zu 10.000 Kälber. Das Problem: Die Tiere müssen über weite Strecken transportiert werden. Außerdem gelten im Ausland oft andere Tierwohlstandards als in Deutschland.

Eigener Schlachthof als Vorteil

Mit diesen großen Kälbermastbetrieben können bayerische Familienbetriebe wirtschaftlich nicht mithalten. Dass es in Halsbach trotzdem funktioniert, hat vor allem zwei Gründe, erklärt Magdalena Blüml. Die Kälbermäster können ihre Tiere selbst vermarkten. Denn zum Familienbetrieb gehört ein eigener Schlachthof, der von Magdalena Blümls Vater geführt wird. Der Schlachthof liegt nur 50 Meter vom Stall entfernt.

Neben Schweinen und Rindern werden hier zweimal die Woche auch zehn bis 15 der eigenen Kälber geschlachtet. Das Fleisch wird an lokale Metzgereien, die Gastronomie und den Lebensmitteleinzelhandel vermarktet.

Kalbfleisch darf rosa sein: Fütterung gegen Eisenmangel

Im Kühlraum nimmt Landwirtin Blüml eine bereits verpackte Kalbslende in die Hand. "Man sieht ganz deutlich, dass es kein blasses, weißes Fleisch ist, sondern eine schöne, hellrosa Fleischfarbe hat", betont sie. Schließlich sei es ein Irrglaube beim Verbraucher, dass Kalbfleisch immer weiß sein müsse. "Aber das ist rein darauf zurückzuführen, dass die Kälber einen Eisenmangel haben."

Damit ihre Tiere keinen Eisenmangel haben, füttert die Kälbermästerin ihre Tiere noch zu – mit Kraftfutter und Rohfaser. "Man hat das ganz lange gemacht, dass man Milchkälber nur mit Milch gefüttert hat, aber die brauchen einfach auch ab einem gewissen Alter ein bisschen Rohfaser mit dazu, damit sich der Pansen entwickelt."

Kälber mästen bis zum Schlachtgewicht

Nebenan im Stall lernen die Kälber inzwischen, wie sie den Milchautomaten selbst bedienen können. Dafür bekommen sie von Josef Blüml eine Marke ins Ohr. Anhand der Marke erkennt die Maschine, wie viel das Kalb heute noch trinken darf.

Für heute ist nach wenigen Litern Milch Schluss. Schließlich sollen sich die Kälber nicht überfressen. Doch mit der Zeit bekommen sie immer mehr, damit sie am Ende auf ein gutes Schlachtgewicht kommen.

Das ist die Europäische Perspektive bei BR24.

"Hier ist Bayern": Der BR24 Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!