Im Rahmen der "Berufs- und Studien-Orientierung" besuchen Karriereberater der Bundeswehr Schulen
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Rekrutierung im Klassenzimmer: Warum nicht auch fürs FSJ?

Rekrutierung im Klassenzimmer: Warum nicht auch fürs FSJ?

Wohlfahrtsverbände beklagen, die Bundeswehr habe einen Informationsvorteil. Zur Berufsorientierung besucht sie Schulen, Sozialverbände werben über Flyer und auf Jobmessen. Wird die Bundeswehr bevorzugt oder sind Sozialverbände nicht aktiv genug?

Über dieses Thema berichtet: BR24 Radio am .

Koch, Gärtner, Chemielaborant oder Fluggerätemechaniker: Neben militärischen Karrieren bietet die Bundeswehr auch ein breites Spektrum an zivilen Ausbildungsberufen. Darüber kann sie an Schulen im Rahmen der "Berufs- und Studienorientierung" informieren. Dieses Bildungs- und Erziehungsziel ist im staatlichen Lehrplan PLUS verankert. An seiner Schule hat auch der 18-jährige Gymnasiast Leo von Berufen bei der Bundeswehr erfahren. Nun überlegt er, nächstes Jahr nach dem Abitur zu den Gebirgsjägern zu gehen – erst Grundausbildung, dann vielleicht Reserve-Offiziers-Laufbahn.

Von den Möglichkeiten, ein "Freiwilliges Soziales Jahr" (FJS) in einer Kita oder einem Pflegeheim zu leisten, habe er auf einer Jobmesse erfahren. Das fand er weniger ansprechend.

Weniger Infos zu Sozialen Diensten als über Wehrdienst

An Schulen erreicht die Bundeswehr viele potenzielle Freiwillige für den Wehrdienst. Dadurch habe die Bundeswehr einen Informationsvorteil gegenüber Angeboten für soziale Freiwilligendienste, sagt Michael Kroll vom Caritas-Landesverband Bayern. Zwar dürfen sich Wohlfahrtsverbände auch an Schulen vorstellen, dazu fehle es aber seitens der Verbände an Geld und Personal. Das bestätigt das Bayerische Rote Kreuz (BRK).

Die Bewerbung der FSJ-Stellen für das kommende Schuljahr 2026/27 habe das Sozialministerium zwar mit Flyern unterstützt, für Besuche an Schulen sei aber kein Geld da, sagt BRK-Sprecherin Claire Kolodinski. Darüber hinaus werbe man beim BRK zum Beispiel mit Social Media und auch in Schülerzeitungen. Werbung sei wichtig, denn nach dem ausbleibenden Abitur-Jahrgang 2025 sind beispielsweise bei der Caritas 2025/26 etwa 20 Prozent weniger junge Menschen im FSJ-Einsatz als im Jahr zuvor. Neben dem FSJ können Jugendliche auch ein Freiwilliges Ökologisches oder Kulturelles Jahr absolvieren.

Caritas wünscht sich gleichberechtigte, verpflichtende Info-Veranstaltung an Schulen

Für Wehrdienst und Soziale Dienste gleichberechtigte, verpflichtende Informationsveranstaltungen an Schulen, das wünscht sich der Caritas Landesverband Bayern schon seit Jahren. Mit dieser Maßnahme ließe sich ihrer Meinung nach die Zahl der Freiwilligendienstleistenden in ihren Einrichtungen verdoppeln. Wehrdienst und Sozialer Dienst: Beides seien freiwillige Dienste an der Gesellschaft, sagt Michael Kroll von der Caritas. Deswegen könne man auch für beide gleichermaßen bei Schülern werben.

Informationsvorteil Wehrdienst-Fragebogen

Die Tatsache, dass aktuell jeder junge Mann mit Jahrgang 2008 einen Fragebogen zu seiner Wehrdienstbereitschaft bekomme, sei ein weiteres Informationsplus für die Bundeswehr, sagt Michael Kroll von der Caritas Bayern. Zwar wird ganz am Ende des 20 Seiten umfassenden Formulars darauf hingewiesen, dass es neben dem Wehrdienst auch Freiwilligendienste gibt, und es wird das Online-Portal für Freiwilligendienste in Deutschland erwähnt. Aber: "Das ist keine gleichberechtigte Information", so Kroll.

Jugendoffiziere referieren an Schulen über Sicherheitspolitik

2025 habe die Bundeswehr über 1.300 Vorträge zur Karriereberatung an bayerischen Schulen gehalten, so eine Sprecherin der Bundeswehr in Köln. Darüber hinaus laden Schulen Jugendoffiziere in ihren Unterricht ein, um über Sicherheitspolitik zu sprechen. Auf Anfrage erklärt das Kultusministerium, dass "die Zusammenarbeit der Bundeswehr mit den bayerischen Schulen in einer eigenen Kooperationsvereinbarung" umfassend geregelt sei. Die Stärkung der sicherheitspolitischen Bildung an bayerischen Schulen sei zudem Teil des "Gesetzes zur Förderung der Bundeswehr in Bayern", das zum 1. August 2024 in Kraft getreten ist, so das Ministerium

Auf BR-Nachfrage erklärt eine Sprecherin der Bundeswehr in Köln, dass sie für sich keinen Vorteil gegenüber den Arbeitgebern für Soziale Dienste sehe. Das oben genannte Gesetz sichere "neben der Bundeswehr auch anderen Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben den Zugang zu schulischen Veranstaltungen zur beruflichen Orientierung über Berufs- und Einsatzmöglichkeiten".

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