(Symbolbild) Rekrutinnen und Rekruten des Wachbataillons der Bundeswehr leisten den Eid auf die Truppenfahne.
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(Symbolbild) Seit dem Start des neuen Wehrdienstes im Januar verzeichnet die Bundeswehr deutlich mehr Bewerbungen.
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Neuer Wehrdienst: Das ist die Halbjahresbilanz

Neuer Wehrdienst: Das ist die Halbjahresbilanz

Seit Anfang des Jahres bekommen 18-Jährige Post von der Bundeswehr. Nach rund sechs Monaten zieht das Verteidigungsministerium eine erste Bilanz. Wie läuft der neue Wehrdienst? Ein Überblick.

Über dieses Thema berichtet: BR24 Radio Infoblock am .

Die Bundeswehr soll mittelfristig eine Truppenstärke von 460.000 aktiven Soldaten und Reservisten haben. Ein Baustein auf dem Weg dorthin: der neue Wehrdienst. Nach knapp sechs Monaten hat das Verteidigungsministerium Zahlen dazu veröffentlicht, wie das Modell angenommen wird. Wie viele Fragebögen wurden verschickt? Wie groß ist der Rücklauf? Und wie realistisch sind die Personalziele? Antworten auf wichtige Fragen.

Wie viele junge Leute haben bisher Post von der Bundeswehr bekommen?

Bis Mitte Juni hat die Bundeswehr rund 298.000 Briefe verschickt – an junge Leute rund um deren 18. Geburtstag. Jedes Schreiben enthält einen QR-Code, der zu einem Online-Fragebogen führt. Darin werden zum Beispiel Bildungsabschlüsse und persönliche Fähigkeiten wie Sprachkenntnisse abgefragt. Außerdem geht es darum, die eigene Fitness einzuschätzen. Und vor allem will die Bundeswehr wissen, ob man grundsätzlich bereit ist, Wehrdienst zu leisten.

Wie läuft es mit den Antworten auf den Bundeswehr-Fragebogen?

Von den angeschriebenen jungen Männern haben inzwischen fast alle geantwortet. Laut Bundeswehr waren es bisher rund 96 Prozent. Wer von den Männern nicht geantwortet hat, muss mit einem Bußgeld von bis zu 250 Euro rechnen.

Grundsätzlich gilt: Männer müssen den Fragebogen beantworten, Frauen nicht. Das hat verfassungsrechtliche Gründe. Die Verpflichtung zum Ausfüllen des Fragebogens basiert letztlich auf der Wehrpflicht nach dem Grundgesetz. Sie ist zurzeit lediglich ausgesetzt. Und die Wehrpflicht im Verteidigungsfall gilt eben nur für Männer, nicht für Frauen. Entsprechend fällt der Rücklauf bei den angeschriebenen Frauen mit rund vier Prozent deutlich niedriger aus.

Wie sind die Antworten ausgefallen?

Jeder Fünfte hat angegeben, grundsätzlich am Wehrdienst interessiert zu sein. Die Angaben von Männern und Frauen haben sich in diesem Punkt nicht wesentlich voneinander unterschieden. Die Bundeswehr kontaktiert erstmal diejenigen, die sich besonders interessiert gezeigt haben – und bald mit dem Dienst an der Waffe beginnen könnten.

Bei den Gesprächen geht es darum, abzuklopfen, wie nachhaltig das Interesse ist und ob es noch Fragen an die Bundeswehr als Arbeitgeber gibt. Zu Laufbahnmöglichkeiten beispielsweise oder zur Vergütung. Diese beträgt mindestens 2.600 Euro brutto pro Monat. Im Anschluss können Termine für eine Musterung beziehungsweise für eine ausführlichere Beratung in einem sogenannten Karrierecenter der Bundeswehr gemacht werden.

Bisher sind in diesem Verfahren rund 1.500 Bewerber gemustert worden – sie haben also eine Gesundheitsprüfung durchlaufen. Von den männlichen Interessenten hat die Bundeswehr rund 80 Prozent als geeignet eingestuft. Dann wurde noch abgeglichen, ob persönliche Vorstellungen und der Bedarf der Truppe zusammenpassen. Und am Ende dieses Auswahlprozesses hat die Bundeswehr nach aktuellem Stand rund 530 Bewerber für dieses Jahr fest als Wehrdienstleistende eingeplant.

Wie soll die Bundeswehr bei diesem Tempo ihre Personalziele erreichen?

Die Zahl 530 mag zunächst klein erscheinen. Das Verteidigungsministerium betont allerdings, dass der Fragebogen in erster Linie der Wehrerfassung dient. Demnach ist das vorrangige Ziel der Bundeswehr, sich einen Überblick darüber zu verschaffen, wie viele junge Leute grundsätzlich für den Wehrdienst infrage kommen. Und nicht, möglichst viele 18-Jährige auf Anhieb zu rekrutieren.

Außerdem verweist das SPD-geführte Ministerium darauf, wie sich die Personalzahlen bei der Bundeswehr insgesamt entwickeln. Im laufenden Jahr wurden bisher rund 38.500 Bewerbungen verzeichnet. 11.000 Bewerber wurden in unterschiedlichen Laufbahnen eingestellt. Ein Plus von 13 Prozent gegenüber Juni vergangenen Jahres. Und so ist man im Berliner Bendlerblock zuversichtlich, die Personalziele zu erreichen.

Ist eine Teil-Wehrpflicht damit vom Tisch?

Nein. In der SPD setzen zwar viele darauf, dass auf freiwilliger Basis am Ende genügend Rekruten zusammenkommen. Der Koalitionspartner ist hingegen skeptisch. Der verteidigungspolitische Sprecher der Unionsfraktion, Thomas Erndl, stellt auf BR24-Anfrage fest, "dass die vorgelegten Zahlen nur das absolute Minimalziel für das erste Jahr erreichen". Um am Prinzip der Freiwilligkeit festzuhalten, müssten sich aus Sicht des niederbayerischen CSU-Abgeordneten deutlich mehr junge Menschen zum Wehrdienst bereiterklären.

Aus Sicht der Grünen sind die aktuellen Zahlen zunächst eine gute Nachricht. Der Aschaffenburger Abgeordnete Niklas Wagener macht aber auch klar: "Dass bisher lediglich 530 zusätzliche Freiwillige eingeplant sind, ist gemessen am tatsächlichen Bedarf schlicht zu wenig, um die Debatte über weitere Schritte für erledigt zu erklären."

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