Viele halten Stefan Blösl verrückt. Denn der 29-Jährige hat seinen sicheren Job gekündigt. Der gelernte Metzgermeister war Betriebsleiter bei einem Fleischkonzern. Stattdessen will er Milchkühe halten. Sein Ziel: Landwirt im Vollerwerb. Dafür hat er einen hohen Kredit aufgenommen und einen neuen Stall gebaut.
Der Milchpreis fällt, der Druck steigt
Während in Bayern jeden Tag Betriebe zusperren, fängt er neu an. In den letzten zehn Jahren hat sich die Zahl der Milchviehhalter in Bayern zum Beispiel um etwa ein Drittel verringert. Zu viel Bürokratie, keine Sicherheit bei den Preisen oder fehlende Nachfolger. Die Gründe sind zahlreich. Vielen fehlt die Wertschätzung - für einen Job, der einen rund um die Uhr und 365 Tage im Jahr fordert. Als Milchbauer geht Blösl auch ein Risiko ein, denn der Milchpreis unterliegt starken Schwankungen und rauschte zuletzt ab: Im März 2025 lag der Milchpreis in Oberbayern bei 53,1 Cent. Im März diesen Jahres liegt er 39,8 Cent pro Kilo. Das sind über 10 Cent weniger. Der Druck steigt.
Der konventionelle Milchpreis in Bayern unterliegt starken Schwankungen. Seit vergangenem Jahr ist er um über 10 Cent gesunken.
Holstein statt Fleckvieh
Als die Kühe Ende März kommen, liegen die Nerven blank. Das Wichtigste: Dass alle 33 Kühe sicher wieder aus dem Lkw steigen und sich im neuen Stall wohlfühlen. Nur dann ist Blösls erster Meilenstein gelegt. Und es warten weitere Hindernisse auf ihn. BR24 Vor Ort hat ihn über Wochen begleitet.
Bisherige Investition: 1,2 Millionen Euro
Ende September startet Bösl mit Unterstützung von Freunden und Familie mit dem Stallneubau. Stefans ehrgeiziges Ziel: Ab April will er Milch liefern an die Molkerei. Denn je früher er melkt, desto eher verdient er Geld. 1,2 Millionen musste er in den neuen Stall und die Kühe bereits investieren. Er hat alles genau kalkuliert, seither sind die Baukosten aber gestiegen und der Milchpreis gesunken.
Um Kosten zu sparen, machen er und seine Freunde viel in Eigenleistung, jedes Wochenende sind mindestens zehn Helfer da. Außerdem hat sich Stefan z.B. für einen gebrauchten Melkstand entschieden, ein neuer wäre mindestens viermal so teuer gewesen. Den Melkstand hat er bei einem Betrieb in Bad Kohlgrub ausgebaut, der aus gesundheitlichen Gründen aufhören müsste. Ein Trend, der sich in den letzten Jahren fortsetzt. Die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe geht u.a. aufgrund von Kostendruck und Arbeitsbelastung zurück.
Immer mehr Betriebe sperren zu. In den letzten zehn Jahren hat sich die Zahl der Milchviehhalter in Bayern um etwa ein Drittel verringert.
Stefan kennt das Risiko, sagt er. Er geht den Weg, um mehr Zeit für die Familie zu haben. Er hat alles genau durchgerechnet und setzt deshalb auf Holstein Rinder und nicht auf das typische oberbayerische Fleckvieh. Denn die schwarzbunten Kühe sind für ihre hohe Milchleistung bekannt. Ein Betrieb, nur 20 Minuten entfernt, hat ihm extra eine kleine Herde zusammengestellt. Im Laufe der nächsten Monate sollen noch etwa 30 weitere Kühe dazukommen. Für die Zukunft kann sich der gelernte Metzgermeister außerdem vorstellen, eigenes Kalbfleisch zu vermarkten oder Käse zu produzieren.
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