Eine Medizinerin sitzt an einem Computer
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Eine Medizinerin analysiert eine MRT-Aufnahme
Bildrechte: ORF/Christian Kugler
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Schlaganfall-Verdacht: "Lieber einmal zu viel in die Klinik"

Schlaganfall-Verdacht: "Lieber einmal zu viel in die Klinik"

Die Erkrankung kommt plötzlich, ist für Betroffene und Angehörige ein Schock: Ein Schlaganfall kann binnen Minuten das Leben komplett verändern. Häufig gibt es Spätfolgen. Ein Oberpfälzer Mediziner erklärt, worauf es im Notfall ankommt.

Über dieses Thema berichtet: Mittags in Niederbayern und Oberpfalz am .

Für Schlaganfallpatienten gibt es auch in Niederbayern und der Oberpfalz ein ganzes Netzwerk an sogenannten Stroke-Units. Aktuell ist etwa die Schlaganfall-Station am Klinikum Passau erneut als "Überregionale Stroke-Unit" zertifiziert und zugelassen worden. In einer solchen Einheit arbeiten hochspezialisierte Ärzteteams zusammen: Neurologen, Radiologen und Kardiologen sowie speziell ausgebildete Pflegekräfte. Akut-Patienten werden hier rund um die Uhr überwacht.

Arzt: Angehörige müssen bei Symptomen reagieren

Eine überregionale Stroke-Unit wie die am Klinikum Passau gibt es auch an vielen weiteren Klinikstandorten in Bayern – in Niederbayern und der Oberpfalz etwa in Straubing, Landshut, Deggendorf, Amberg, Weiden, im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder in Regensburg sowie am dortigen Bezirksklinikum. Hier arbeitet Chefarzt Felix Schlachetzki. Im Gespräch mit BR24 sagt der Mediziner, worauf es in einem Notfall ankommt:

Bei einem Schlaganfall seien vor allem die Angehörigen gefordert, die Situation zu erkennen und mit einem Notruf zu reagieren. Dafür müsse man die typischen Symptome eines Schlaganfalls kennen. Betroffene können zum Beispiel Doppelbilder sehen und Schwindel empfinden. Sehr häufig fällt ein Schlaganfall am gestörten Sprechfluss des Betroffenen auf.

"Wenn man sich schon einmal die Sprechstörungen, die Lähmungserscheinungen und die Gesichtsasymmetrie – also das plötzlich schiefe Gesicht – merkt, dann hat man schon bis zu 80 Prozent der Schlaganfälle diagnostiziert", sagt Schlachetzki.

Schnelles Handeln gegen bleibende Schäden

Sobald jemandem in seinem Umfeld eines der genannten Symptome auffällt, zählt jede Minute, sagt der Chefarzt. Bei einem Schlaganfall wird das Gehirn eben "schlagartig" nicht mehr mit ausreichend Blut und Sauerstoff versorgt. Je früher dann die Behandlung beginnt, desto größer ist die Chance, bleibende Schäden zu verhindern. Eine Nervenzelle könne binnen 10 Minuten absterben, wenn sie keinen Sauerstoff und Zucker bekommt, sagt Schlachetzki. Man sollte die Symptome unbedingt ernst nehmen und nicht hoffen, dass eine Lähmungserscheinung wieder verschwindet. Angehörige sollten deshalb niemals zögern und etwa auf Besserung warten – stattdessen sofort den Notruf 112 wählen. Dabei sollten sie speziell auf die Schlaganfall-Symptome hinweisen.

"Lieber einmal zu viel als einmal zu wenig in die Klinik kommen." Felix Schlachetzki, Chefarzt

Mehr Fälle am Vormittag und bei Wetterwechsel

In der Schlaganfall-Behandlung sei auffällig, dass zu bestimmten Zeiten mehr Patienten in die Kliniken kommen. Das sei bei Wetterwechseln und an Vormittagen der Fall. Der Grund für die Vormittage ist laut Schlachetzki, dass der Körper hier direkt aus der Ruhephase kommt. Wenn der Herz-Kreislauf in Gang kommt, könne sich ein Gerinnsel aus dem Herzen oder aus der Halsschlagader abschwemmen, wie der Arzt sagt.

Die Stroke-Units veranlassen beim Patienten Untersuchungen des Gehirns mittels Magnetresonanztomographie – kurz MRT. Daneben gibt es zum Beispiel Untersuchungen des Herzens. Dabei kann mithilfe eines Ultraschallgeräts, das in die Speiseröhre eingeführt wird, das Herz quasi vom Körperinneren aus untersucht werden. Auf der Station werden die Patienten zudem 24 Stunden lang überwacht.

Schlaganfall-Patientenzahlen könnten steigen

Im Oberpfälzer Bezirksklinikum Medbo in Regensburg gibt es in der Stroke-Unit acht Betten, die regelmäßig auch gut belegt sind, sagt Schlachetzki. Pro Jahr werden hier und an der Partnereinrichtung in der Uniklinik rund 1.400 Schlaganfall-Patienten behandelt. Der Mediziner geht davon aus, dass durch die alternde Bevölkerung die Fallzahlen auch noch zunehmen werden.

Laut der Deutschen Schlaganfall-Hilfe erleiden jährlich bundesweit etwa 270.000 Menschen einen Schlaganfall – allein in Bayern sind es etwa 40.000 Fälle pro Jahr.

Neben den überregionalen Stroke Units wie beispielsweise in Weiden oder Deggendorf gibt es auch regionale Stroke-Units. Diese Einheiten sind personell und technisch so ausgerüstet, dass sie Schlaganfall-Patienten rund um die Uhr versorgen können. Die überregionalen Stroke-Units behandeln aber mehr Patienten und verfügen über zusätzliche Disziplinen wie Neurochirurgie, Neuroradiologie und Kardiologie.

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