Der Wurfscheibenschießstand am Hohen Brendten steht vor dem Aus
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Schützen gegen Bundeswehr: Streit um Schießstand

Schützen gegen Bundeswehr: Streit um Schießstand

Seit fast 60 Jahren wird auf dem Hohen Brendten oberhalb von Mittenwald Wurfscheibenschießen betrieben. Nun hat die Bundeswehr den Vertrag gekündigt. Ein schwerer Schlag für den Verein, die Bundeswehr beruft sich auf Umwelt- und Sicherheitsgründe.

Über dieses Thema berichtet: Mittags in Oberbayern am .

Auf dem Hohen Brendten oberhalb von Mittenwald ist es ungewöhnlich still geworden. Wo sonst Wurfscheiben durch die Luft fliegen und Schüsse durch den Bergwald hallen, ruht seit Monaten der Betrieb. Silvester wurde das letzte Mal geschossen, sagt Vereinsvorsitzender Detlef Ziesche. Für die Mitglieder des Bundeswehr-Sportvereins Mittenwald ist die Stille zum Symbol einer ungewissen Zukunft geworden. Denn die Bundeswehr hat den Vertrag für den Wurfscheiben-Schießstand gekündigt.

Bundeswehr: Bundesweite Entscheidung

Die Schließung betrifft nicht nur Mittenwald. Auf Nachfrage in der Bundespressekonferenz bestätigte das Bundesverteidigungsministerium, dass bundesweit keine Wurfscheiben-Schießstände mehr auf Bundeswehrliegenschaften betrieben werden sollen. Ministeriumssprecher Oberst Mitko Müller begründete die Entscheidung mit zwei Faktoren: Es handele sich um mögliche Umweltbelastungen und den Wunsch, auf militärischen Liegenschaften keine extern betriebenen Anlagen mehr zuzulassen.

Verein fühlt sich im Stich gelassen

Beim Bundeswehr-Sportverein stößt die Entscheidung auf Unverständnis. "Wir fühlen uns ein bisschen allein gelassen“, sagt Schatzmeister Jan Verkennis. Der Verein habe stets versucht, mit den zuständigen Stellen zusammenzuarbeiten. Verkennis kritisiert vor allem, dass nach seiner Ansicht keine gemeinsamen Lösungen gesucht worden seien. Besonders bitter sei für viele Mitglieder, dass sie über Jahrzehnte Zeit und Geld in die Anlage investiert hätten. Erst 2020 wurde der Vertrag nach einer Prüfung verlängert und danach hat der Verein in neue Technik für den Schießstand investiert, um den Anforderungen für Wettkämpfe gerecht zu werden.

Zweifel an den Umweltargumenten

Die Bundeswehr verweist auf Umweltbelastungen durch den Schießbetrieb. Der Verein hält dagegen. Nach Angaben von Verkennis wurden über Jahre Untersuchungen durchgeführt, um mögliche Belastungen durch Wurfscheiben und Munition nachzuweisen. Acht Jahre lang haben Wasserwirtschaftsamt und Landratsamt nach schädlichen Emission gesucht und keine gefunden, daraufhin wurden die Untersuchungen eingestellt. Auch spätere Überprüfungen hätten keine Beanstandungen ergeben, argumentiert der Verein. (WWA und LRA)

Über Jahrzehnte gewachsene Strukturen

Der Schießstand wird seit 1967 genutzt. Nach Angaben des Vereins wurde die Anlage über Jahrzehnte hinweg in Eigenleistung aufgebaut und modernisiert. Viele Mitglieder verbindet eine persönliche Geschichte mit dem Gelände. "Es ist ja fast Familiensache. Der Papa hat das alles mit aufgebaut", sagt der Vorsitzende Detlef Ziesche. Nach Angaben des Vereins wurden allein in den vergangenen Jahren erhebliche Summen in Technik, Infrastruktur und Lärmschutz investiert.

Bürgermeister sucht nach Lösung

Auch Mittenwalds Bürgermeister Enrico Corongiu sieht die Entwicklung kritisch. "Den gibt es jetzt seit über 60 Jahren hier bei uns im Ort", sagt der Rathauschef über den Verein. Die Gemeinde versucht deshalb, zwischen den Beteiligten zu vermitteln. Im Gespräch ist unter anderem ein möglicher Grundstückstausch. Ob eine solche Lösung realisierbar ist, bleibt allerdings offen. Corongiu verweist darauf, dass der Verein tief im Ort verwurzelt sei und sein Fortbestand gefährdet werden könnte, wenn keine Alternative gefunden wird.

Streitpunkt militärischer Nutzen

Für Diskussionen sorgt außerdem die Einschätzung der Bundeswehr, dass die Anlage keinen militärischen Nutzen habe. Vereinschef Ziesche sieht das anders. Er verweist auf Berichte aus der Ukraine. Dort werde nach seinen Angaben teilweise mit Schrotflinten und Wurfscheiben das Bekämpfen von Drohnen trainiert.

Für die Entscheidung über den Standort Mittenwald spielt die Frage eines möglichen militärischen Nutzens nach Angaben des Ministeriums keine Rolle. Die Entscheidung, dass keine Wurfscheiben-Schießstände mehr auf Bundeswehrliegenschaften betrieben werden sollen, sei eine bundesweite.

Wie geht es weiter?

Offiziell endet die Frist für den Verein Ende Juni. Bis dahin muss der Schießstand zurückgebaut sein. Die Verantwortlichen hoffen weiterhin auf Gespräche und eine politische Lösung. Sollte keine Einigung erzielt werden, droht einem Verein mit mehr als 160 Mitgliedern der Verlust seiner Trainingsstätte – und möglicherweise das Ende einer fast 60-jährigen Tradition auf dem Hohen Brendten.

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