Versandpäckchen in einem geöffneten Automaten, die Adressen sind geschwärzt.
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Überraschungspakete aus dem Automaten sind immer noch ein gutes Geschäftsmodell, sagen die "Secret-Pack"-Pioniere aus dem Unterallgäu.
Bildrechte: BR/Michael Frick
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Überraschungspakete aus dem Automaten sind immer noch ein gutes Geschäftsmodell, sagen die "Secret-Pack"-Pioniere aus dem Unterallgäu.

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"Secret Packs" aus dem Allgäu: Boom ebbt ab

"Secret Packs" aus dem Allgäu: Boom ebbt ab

Glücksspiel, Nervenkitzel, Spaß: Überraschungspakete aus Automaten waren vor zwei, drei Jahren ein Mega-Trend. Einer der Vorreiter in Bayern war Familie Keuters aus dem Unterallgäu. In Onlinerezensionen hagelt es allerdings oft Kritik.

Über dieses Thema berichtet: Mittags in Schwaben am .

Es begann alles in dem kleinen Ort Niederrieden im Unterallgäu: Vor gut drei Jahren hatte Tatjana Keuters die Idee, nicht zustellbare oder retournierte Päckchen zu kaufen und in Automaten weiterzukaufen. Jedes Paket kostet neun Euro.

Eine Idee, die einschlug: Vor dem ersten Automaten direkt am Wohnhaus von Familie Keuters bildeten sich teils lange Schlangen, teils reisten die Schnäppchenjäger von weit her an, kamen nachts. An Ostern und Weihnachten war der Automat leer gekauft. Schnell etablierten die Keuters weitere Automaten: zwischenzeitlich betrieben sie 20 Stück in ganz Deutschland. Und heute? "Der Boom hat abgenommen", räumt Jürgen Keuters ein: "Jetzt haben wir noch neun Automaten. Aber die laufen gut, die laufen konstant das ist das Wichtigste, das ist unser tägliches Butter- und Brot-Geschäft."

Herausforderung: Qualitätsware finden

Tatjana und Jürgen Keuters haben in den vergangenen Jahren viel gelernt: Das Paar ist nicht nur einmal "auf die Nase gefallen", berichtet Jürgen Keuters. Eine große Herausforderung für ihn und seine Frau sei gewesen: vertrauenswürdige Händler zu finden, die ihnen dauerhaft Qualitätsware anbieten. "Wir wollen unseren Kunden ja auch keinen Müll weiterverkaufen", sagt er.

Dabei haben sie auch eine ganze Reihe an negativen Erfahrungen gemacht und sind zum Beispiel nicht seriösen Händlern aufgesessen, die Restposten selbst verpackt und gelabelt hätten. "Das hat uns viel Geld gekostet. Aber man lernt dazu: Deshalb fahren wir inzwischen zu neuen Händlern hin und schauen, wie die arbeiten, bevor wir bestellen." Die Familie setzt auf renommierte Versandhäuser und Versanddienstleister.

In Onlinerezensionen hagelt es oft Kritik

Was in den Päckchen drin ist, das wissen die Keuters nicht: "Das kann alles sein – vom Ersatzteil, vom wirklich hochwertigen elektronischen Teil, Kleidung Schuhe alles, was man sich online bestellen kann", berichtet Jürgen Keuters. Neben fehlgeleiteten Päckchen sind es oft auch Retouren, die sie weiterverkaufen. Dass immer etwas Wertvolles in den Paketen ist, das kann er allerdings nicht versprechen. Und genau in diesem Zusammenhang hagelt es Kritik – vor allem in Online-Rezensionen: In den Secret Packs sei nur "Schrott" oder "billiger Krimskrams" enthalten, heißt es da. "Ein schwieriges Thema", so Jürgen Keuters, mit dem er erst lernen musste, umzugehen. Inzwischen ist er sich sicher: "Entweder die Leute lieben Secret Packs oder sie verurteilen sie."

Auch die zunehmende Konkurrenz sei eine Herausforderung gewesen: "Man sagt zwar, Konkurrenz belebt das Geschäft, aber wir haben viele kommen und wieder gehen sehen", sagt Tatjana Keuters. Ihrer Meinung nach hätten viele mit billiger Ware auf das schnelle Geld gehofft: "Das funktioniert aber so nicht", weiß Tatjana Keuters.

Pakete sind wie "Kinderüberraschung"

Einer, der immer wieder Päckchen am Automaten zieht, ist Andreas Tomaszewski: An diesem Tag holt er sich vier Pakete: Darin enthalten sind unter anderem Damenleggins, Nachtlichter und nigelnagelneue Marken-Turnschuhe. Die passen ihm zwar nicht, werden online aber für über 100 Euro angeboten. "Manchmal ist was Gutes drin, manchmal nicht, aber ich finde es immer super", sagt der Stammkunde. Es sei wie "Kinderüberraschung" für ihn. Familie Keuters hat sich zusätzlich zu den Secret-Pack-Automaten inzwischen ein zweites Standbein erarbeitet und versteigert die Überraschungspakete via Social-Media. Secret Packs sind für sie trotz des nachlassenden Booms immer noch ein gutes Geschäftsmodell, sagen sie.

Retourengeschäft ist umstritten

Aus Nachhaltigkeitsgründen ist das Geschäft mit den Retouren allerdings umstritten: Die Vermarktung ungeöffneter Retouren wirke laut Wirtschaftswissenschaftler Björn Asdecker von der Uni Bamberg wie ein Katalysator und sei Anreiz für Onlinehändler, weniger verantwortungsvoll mit Retouren umzugehen. "Das Retourenproblem wird so verschlimmert und auf den Kunden verlagert", sagt Asdecker. Seine Forschungsgruppe geht davon aus, dass in Deutschland jährlich rund 550 Millionen Pakete retourniert werden. Viele davon würden aus wirtschaftlichen Gründen weggeschmissen.

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