Die kleinen Zicklein drängen sich um zwei Sauger - fünf an der Zahl - schubsen sich gegenseitig weg, meckern, wollen trinken. Alle haben die Geburt überlebt – selbst erfahrene Tierärzte sprechen von einer extremen Seltenheit: Im Stall der Familie Schweizer im schwäbischen Dillingen ist in diesem Frühjahr etwas passiert, das es nur sehr selten gibt.
Fünf Zicklein auf einmal grenzen an ein Wunder
"Schon drei sind selten. Fünf, die durchkommen – extrem selten." Das sagt Matthias Dippon, Tierarzt aus Dillingen. So einen Fall habe er selbst noch nie erlebt. Und dass die Tiere nach sechs Wochen so fit seien, mache es noch außergewöhnlicher.
Nicht geschafft hat es leider Ziegenmama Cora. Denn neben den fünf gesunden kam ein Jungtier tot zur Welt. Ein weiteres starb vermutlich noch im Mutterleib, blieb dort und kostete - so die Vermutung des Halters - die Mutter nur rund 24 Stunden später das Leben.
Doch dieser eine Tag mit der Mutter war offenbar trotzdem entscheidend. Die Zicklein konnten noch das Kolostrum trinken, die sogenannte Vormilch. Sie enthält lebenswichtige Abwehrstoffe. "Das ist mit ein Grund, warum sie heute so fit sind", sagt Erika Schweizer. Danach begann für die Familie ein Kraftakt.
Alle drei bis vier Stunden zur Flasche
In den ersten zwei Wochen mussten die Zicklein alle drei bis vier Stunden mit der Flasche gefüttert werden – auch nachts. Erika und Vinzenz Schweizer wechselten sich ab, Nachbarn halfen mit.
Inzwischen sind die Tiere sechs Wochen alt und trinken selbstständig an einer Kalttränke. Die Milch wird in einem gekühlten Eimer aufbewahrt, mehrere Schläuche führen zu zwei Saugern – mehr Zitzen hat auch eine Mutterziege nicht. Entsprechend groß ist das Gedränge. Neben den Fünflingen trinken auch noch mehrere Lämmchen mit, die von ihrer Mutter verstoßen wurden.
55 Jahre Erfahrung mit Ziegen
Für Vinzenz Schweizer sind die Fünflinge eine Premiere. "So etwas habe ich in den vergangenen 55 Jahren noch nicht erlebt", sagt der 60-Jährige. Seine erste Geiß bekam er als Fünfjähriger von seiner Großmutter geschenkt. Seitdem lässt ihn die Ziegenzucht nicht mehr los. Der gelernte Elektriker arbeitet bei den Donau-Stadtwerken Dillingen-Lauingen und kümmert sich dort um den Betrieb der Kläranlage in Lauingen.
Doch schon seit Jahren halten seine Frau und er die Tiere aus Leidenschaft. Mit seinem Vater errichtete Vinzenz einst einen Stall und absolvierte mit 44 Jahren zusätzlich eine Ausbildung zum Schäfer. Im Winter hält er die Tiere im Stall, im Sommer dürfen sie an den Hängen am Auwald weiden.
Knie-OP bremst Ziegenhalter aus
Und ausgerechnet jetzt fällt Vinzenz Schweizer aus. Nach einer Knieoperation darf er nicht in den Stall, auch wegen möglicher Keime. "Das ist eine wichtige Sache in meinem Leben. Wenn man da immer nur zugucken muss – das ist nicht schön", sagt er und zeigt auf seinem Handy Videos von der Geburt: kleine, nasse, noch wackelige Zicklein. Die meiste Arbeit bleibt derzeit an seiner Frau hängen.
Erika Schweizer ist bereits im Ruhestand. Sie arbeitete zunächst in einer Zahnarztpraxis, ließ sich später zur Kneipp-Gesundheitsberaterin ausbilden und unterrichtete als Sportlehrerin in Dillingen. Trotzdem ist sie fast immer aktiv, ehrenamtlich sehr engagiert, im Turnverein und der Dillinger Stadtkapelle. Außerdem ist Erika Schweizer Stadträtin und Dillingens Dritte Bürgermeisterin. Gemeinsam hat das Ehepaar vier Kinder.
Im Stall ist immer was los
Langweilig wird es den beiden also nie, und auch im Stall kündigt sich bereits wieder Nachwuchs an. Vor wenigen Tagen wurde erneut ein Zicklein geboren. Seine Mutter hat so viel Milch, dass das Euter fast bis zum Boden reicht. Das Jungtier kommt kaum selbstständig an die Zitze. Auch hier unterstützt Erika Schweizer. Und in der Box daneben liegt Ziege Rosa, sichtbar trächtig. Dass es gleich wieder fünf Zicklein werden, ist extrem unwahrscheinlich, aber ausgeschlossen offenbar auch nicht.
Auf Instagram: Ziegen-Fünflinge mit der Flasche aufgezogen
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