Der Sicherheitsexperte Peter Neumann am Sonntags-Stammtisch.
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Der Sicherheitsexperte Peter Neumann hält den Einsatz von US-Bodentruppen im Iran für unwahrscheinlich.
Bildrechte: BR/ Andreas Schroll
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Der Sicherheitsexperte Peter Neumann hält den Einsatz von US-Bodentruppen im Iran für unwahrscheinlich.

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Sicherheitsexperte Neumann: Nie Regimewechsel durch Luftschläge

Sicherheitsexperte Neumann: Nie Regimewechsel durch Luftschläge

Der Professor für Sicherheitsstudien Peter Neumann hat am BR Sonntags-Stammtisch die aktuelle Lage im Nahen Osten eingeordnet. Von drei denkbaren Szenarien sei "ein friedlicher und freier Iran" aktuell das unwahrscheinlichste.

Über dieses Thema berichtet: Der Sonntags-Stammtisch am .

Peter Neumann, der am Kings College in London lehrt, glaubt, "dass wir sehr weit entfernt sind von einem friedlichen und freien Iran". Er begründete das damit, dass noch niemals "ein Regimewechsel tatsächlich nur mit Luftschlägen erreicht wurde." Die israelisch-amerikanischen Angriffe auf die Öl-Infrastruktur des Landes in der Nacht auf Sonntag bezeichnete der Professor für Sicherheitsstudien vielmehr als "Ausweitung" des Krieges.

"Es ist jetzt eine Art Wettlauf, wie lange der Iran mit seinen Gegenschlägen durchhalten kann", sagte Neumann. Der Iran habe zwar bereits viele seiner Raketen verschossen, könne aber "wahrscheinlich noch viele tausend Drohnen" einsetzen.

Neumann: Putsch im Iran wahrscheinliches Szenario

Ob sich das Regime im Iran an der Macht halten könne, werde sich erst noch zeigen. Neumann hält es auch für wahrscheinlich, "dass sich eine andere Fraktion an die Spitze putscht." Es sei aber auch möglich, "dass der Iran fragmentiert zerfällt, ähnlich wie der Irak in den 2000er-Jahren".

Die Politikwissenschaftlerin Ursula Münch brachte hier die Rolle der Kurden im Iran ins Gespräch: Es sei "doch eher unwahrscheinlich auf sie zu setzen". US-Präsident Donald Trump hatte diese Idee vor ein paar Tagen formuliert. Auch Peter Neumann sagte, das sei mittlerweile wieder vom Tisch, offensichtlich auch durch einen "Anruf von Herrn Erdoğan aus der Türkei, der gesagt hat, das wäre keine gute Idee".

Einsatz von Bodentruppen unwahrscheinlich

Auch halte er es für sehr unwahrscheinlich, dass die USA und Israel Bodentruppen im Iran einsetzen. Für eine solche Bodeninvasion "bräuchte man im Prinzip mindestens 400.000 Truppen". Aktuell seien ungefähr 50.000 amerikanische Truppen in der Region – es bräuchte also "mindestens fünf bis sieben Monate" bis eine Bodeninvasion im Iran überhaupt möglich wäre.

Es sei allerdings sehr wohl möglich, dass Trump "Spezialkräfte in den Iran schickt." Zum Beispiel habe der Iran in einer Atomanlage in Isfahan noch 400 Kilogramm angereichertes Uran, "was die Amerikaner unbedingt rausholen wollen." Allerdings würden solche Operationen nur mit einer kleinen Anzahl von Spezialkräften durchgeführt, so die Einschätzung von Peter Neumann.

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