"Star Wars"-Fan Markus Söder (CSU) beendet die Pressekonferenz zur Kabinettsitzung mit einem abgewandelten "Star-Wars"-Zitat: "Möge die Macht mit uns sein." Als der Ministerpräsident vor Jahren eine eigene bayerische Raumfahrtstrategie ankündigte, wurde er von vielen belächelt – seit heute kann er auf die "gute Nachricht" verweisen, "dass Bayern jetzt im Weltall ist".
Auf Social Media schwärmt Söder kurz darauf: "Bayern schreibt Raumfahrtgeschichte. Als erstes Bundesland sind wir seit heute mit fünf kleinen Satelliten im All vertreten." Sein Finanzminister Albert Füracker (CSU) spricht von der "ersten operativen Satellitenmission des Freistaats Bayern" und betont: "Wir sind Vorreiter."
Alle drei Tage neue Satellitenbilder von Teilen Bayerns
Die fünf Kleinstsatelliten – in Würzburg gebaut – wurden am Dienstagmorgen in Kalifornien mit einer Trägerrakete von Elon Musks Raumfahrt-Unternehmen SpaceX ins All geschossen. "Nach 50 Minuten Flugzeit sind sie auf 590 Kilometer Höhe angekommen, wurden planmäßig ausgesetzt", schildert Füracker. "Alles hat funktioniert." Es gebe auch schon Funkkontakt. "Die Satelliten kreisen nun um die Erde und werden langsam in ihre vorläufige Ziellaufbahn gebracht." Das werde etwa sechs Monate dauern, erste Bilder aus dem All seien noch in diesem Jahr zu erwarten, ab 2027 werde es eine regelmäßige Datenerfassung ergeben.
Die bayerischen CuBy-Satelliten sollen künftig alle drei Tage Aufnahmen von Teilgebieten des Freistaats liefern, die vom Landesamt für Digitalisierung, Breitband und Vermessung mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz ausgewertet werden. Bisher habe es nur alle zwei Jahre neue Luftbilder gegeben, aufgenommen aus Flugzeugen, sagt der Minister. Die Satellitenmission führe also zu einer "ganz neuen Dimension an Aktualität". Die Genauigkeit der Aufnahmen: vier Meter.
Viele Einsatzmöglichkeiten
Mit Hilfe der Bilder können Behörden laut Füracker beispielsweise in Katastrophenfällen gezielter agieren. "Bei Hochwasser- und Umweltereignissen erhalten wir ein aktuelles Bild aus der Luft." Dank der Daten könnten künftig überregionale Zusammenhänge analysiert und Prognosen erstellt werden, zum Beispiel für Gewässerveränderungen. "In der Landwirtschaft bekommen wir einen hochaktuellen Überblick über den Zustand der Felder, Infrarotbilder machen den Zustand der Pflanzen sichtbar", erläutert der Minister.
In der Forstwirtschaft könnten Schäden frühzeitig erkannt oder Borkenkäfer-Befall lokalisiert und dann eingedämmt werden. In der Vermessungsverwaltung könne Bebauung schneller erfasst werden. Karten würden zuverlässiger.
Bayern investiert 18,2 Millionen Euro
Der Freistaat investiert in das bayerische Satellitennetzwerk 18,2 Millionen Euro. Füracker spricht von einem Vorzeigeprojekt, das in enger Zusammenarbeit von Forschung, Wirtschaft und Staatsverwaltung entstanden sei. Das Finanzministerium koordiniert das Projekt, beteiligt sind das Zentrum für Telematik (ZfT) in Würzburg, das Start-up S4 (Smart Small Satellite Systems GmbH) aus Würzburg, die Technische Universität München und das Landesamt für Digitalisierung, Breitband und Vermessung. Als künftige Nutzer sind auch das Landwirtschafts-, das Umwelt- und das Innenministerium eingebunden.
Die CuBy-Kleinstsatelliten sind nur 37 x 23 x 10 Zentimeter groß und wiegen 14 Kilogramm. Fotografiert wird künftig laut Füracker ein etwa 80 Kilometer breiter Streifens Bayerns, der unter anderem die Großstädte München und Nürnberg, aber auch landwirtschaftliche Flächen umfasst. "Personen können nicht erkannt werden, davor muss niemand Angst haben." Um ganz Bayern abbilden zu können, wären laut Füracker 25 Satelliten nötig. Über eine solche "Vollmission" werde nach einer Evaluierungsphase entschieden.
Satelliten verglühen nach fünf Jahren
Vorerst ist das Projekt auf fünf Jahre ausgelegt. Nach diesem Zeitraum verglühen die Satelliten. "Wir erlangen hier nicht nur eigene Daten, sondern auch viel Know-how in diesem riesigen Zukunftsfeld der Satelliten- und Erdbeobachtung", sagt der Finanzminister.
Söder spricht jetzt schon von einem Erfolg: "Der Erfolg ist die Pionierleistung – dass wir das machen, als Erste machen, dass es ins All fliegt, alles funktioniert und gesendet wird. Das ist ja bei jeder einer solchen Mission das Entscheidende."
Im Video: Satelliten aus Würzburg starten ins All
Satelliten aus Würzburg starten ins All
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