Die Soja-Pflanzen im Trockenstress.
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Sojaanbau: Tofu "Made in Unterfranken"?

Sojaanbau: Tofu "Made in Unterfranken"?

Einige bayerische Landwirte probieren Soja-Pflanzen auf ihren Feldern aus. Aber kann Soja dauerhaft in Unterfranken wachsen? Und taugt es für Tofu? Mit einem Feldversuch südlich von Würzburg soll genau das herausgefunden werden.

Über dieses Thema berichtet: Frankenschau aktuell am .

Zu Beginn des Sommers hat in mehreren Supermärkten deutschlandweit ein Produkt im Supermarkt gefehlt: Tofu. Einige Ketten konnten die erhöhte Tofu-Nachfrage nicht sofort bedienen. Dass die Nachfrage steigt, spürt auch Bio-Landwirt Benedikt Endres aus Bütthard im südlichen Landkreis Würzburg. Er baut Soja an, aus dem später Tofu wird. Das ist aber nicht immer einfach.

Soja leidet unter Trockenheit

Denn die Soja-Pflanzen sind in diesem Jahr im Trockenstress, die Pflänzchen lassen die Blätter hängen. Manche Blätter sind gerade auf dem Weg, die Farbe zu wechseln, von grün zu gelb. Auf Endres' Feldern wachsen Sojabohnen, Kichererbsen, Linsen, Sonnenblumen, Getreide und Zuckerrüben. 2026 erlebt der Landwirt als ein Extremjahr.

Für die Sojabohne ist das dramatisch. Ab Blühbeginn braucht sie "60 bis 80 Liter Wasser pro Quadratmeter", um die Körner zu füllen. Stattdessen gab es kaum Regen. In der Folge entwickeln sich sehr kleine Körner. "So etwas Krasses wie dieses Jahr habe ich als Landwirt noch nicht erlebt", sagt Endres – "für alle Kulturen, die jetzt noch auf dem Feld stehen, einfach nur purer Stress".

Vom Experiment zur etablierten Kultur

Seine Familie hat 2009 mit dem Sojaanbau begonnen. Anfangs haben sie viel experimentiert: Saattiefe, Reihenabstände, Saatdichte und Sortenwahl. Heute ist Soja für ihn "eine geniale Ergänzung in unserer Fruchtfolge", sie entzerrt Erntefenster und Arbeitsspitzen und wirkt als "Kraftwerk im Feld".

Soja baut ihren eigenen Dünger

Denn Soja gehört zu den Leguminosen und lebt in Symbiose mit Knöllchenbakterien. Das heißt, die Pflanze bindet Luftstickstoff und macht ihn für die Pflanze verfügbar. "Es ist der eigene Dünger und es ist ein Kraftwerk auf dem Feld", sagt der Landwirt.

Von diesem Stickstoff profitiert nicht nur die Soja-Pflanze, sondern auch die Nachfolgekultur. Landwirtinnen und Landwirte müssen weniger mineralischen Stickstoff einkaufen – ein Vorteil, den auch Landwirtschaftsberater Lukas Eckstein vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) Kitzingen-Würzburg betont. Er zückt ein kleines Taschenmesser und zieht eine Pflanze aus dem Boden. Mit der Spitze des Taschenmessers fährt er an den Wurzeln entlang. Denn genau hier baut die Soja-Pflanze ihren Stickstoff an.

Ertragsschwankungen und Förderung

Eckstein empfiehlt anderen Landwirtinnen und Landwirten Soja meist auf begrenzter Fläche. Am Standort seien bei passenden Bedingungen "gute vier Tonnen pro Hektar" möglich, bei schlechten "unter zwei Tonnen". Für Betriebe heißt das starke Schwankungen von Jahr zu Jahr.

Dem stünden gute Bodenstruktur, eigene Stickstoffanreicherung und Förderprogramme gegenüber, die das Risiko mindern. Sojanbau werde daher häufig "in Kombination mit einer Förderung, die auch vom Land Bayern kommt" empfohlen.

Züchtung und amtliche Sortenversuche

Damit Landwirte Sorten nicht allein testen müssen, gibt es amtliche Landessortenversuche. Thomas Schenk vom AELF Kitzingen-Würzburg betreut die Versuche bei Giebelstadt im Landkreis Würzburg im Ochsenfurter Gau. Dort bauen sie 25 verschiedene Sorten an und wollen so seit 2017 herausfinden, wie die verschiedenen Soja-Arten mit dem Boden oder dem wenigen Niederschlag zurechtkommen. Insgesamt gibt es fünf verschiedene Standorte in Bayern.

Früher waren Sojasorten oft erst Mitte Oktober reif. Züchtungsfortschritte und wärmere Sommer führen dazu, dass viele heute Mitte September druschreif werden – ein wichtiger Schritt für die Praxis. Und sie wollen herausfinden, welche Soja-Sorten sich für Tofu eignen.

Vom Feld in die Lebensmittelregale – und wieder aufs Feld

Einen Schritt, den Benedikt Endres schon gegangen ist. Die Nachfrage aus der Ernährungsbranche nimmt zu: Seine Sojabohnen würden für Tofu, Sojadrinks und Sojahack als Hackfleischersatz genutzt. So werden Sojabohnen aus Unterfranken zu Lebensmitteln für einen Markt, in dem der Fleischverzehr sinkt und pflanzliche Alternativen gefragt sind.

Trotz Extremjahren wie diesem bleibt Soja bei Bio-Landwirt Benedikt Endres "ganz fester Bestandteil" des Betriebs. Fruchtfolgen sollen mit Hitze- und Regenjahren umgehen können – mit Kulturen, die in einem Jahr verlieren und im nächsten gewinnen.

Karte: So trocken sind die Böden in Deutschland

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