Wer in Bayern ein Baby erwartet, soll künftig vom Freistaat einen Teil der Grundausstattung bekommen. So sieht es zumindest ein Vorschlag von Katharina Schulze vor, der Fraktionschefin der Grünen im Landtag. Schulze stellt sich eine Box vor, gefüllt mit Kleidung, Pflegeprodukten fürs Baby, Windeln, einem Schlafsack, einem Tragetuch und einem Buch.
Starter-Kit für Babys
"Dieses Baby-Starter-Kit hilft Eltern und Neugeborenen gleichermaßen: Für die Babys bedeutet es mehr Chancengleichheit, weil es für alle Säuglinge eine Grundausstattung fürs erste Lebensjahr sicherstellt. Die Eltern wiederum werden finanziell und organisatorisch entlastet, denn wenn sie das alles selbst besorgen müssen, ist das zeitintensiv und kostspielig", so die Grünen-Politikerin. Wer kein Starter-Kit braucht, soll alternativ einen kleineren Bargeld-Betrag erhalten können.
Schulze kritisiert, die Staatsregierung in Bayern unterstütze Familien zu wenig. Ministerpräsident Markus Söder (CSU) betone zwar gerne, "Bayern ist Familienland", gleichzeitig würden aber Familienleistungen gekürzt. Das Familiengeld beispielsweise und auch das Kinderstartgeld.
Vorbild Finnland – Box auch als Babybett nutzbar
Ein solches staatliches Baby-Starter-Kit gibt es bereits in einigen Ländern, darunter Schottland, Wales, Australien und Kanada. Ursprünglich aber stammt die Idee aus Finnland. Über die Sozialversicherung werden die Mutterschaftspakete (äitiyspakkaus) dort bereits seit 1949 an alle werdenden Eltern verteilt. Voraussetzung ist, dass die werdenden Mütter vor dem Ende des vierten Schwangerschaftsmonats zur Vorsorgeuntersuchung gehen.
Seit der Einführung des Pakets ist es in Finnland gelungen, die Kindersterblichkeit drastisch zu senken und Vorsorgeuntersuchungen zu etablieren. Die Box, die auch als Babybett genutzt werden kann, enthält ökologisch produzierte Unisex-Produkte wie Stoffwindeln oder einen Schneeanzug.
Kritik der AfD: "Billige Symbolpolitik"
Die bayerische AfD, die den Anspruch erhebt, die einzig wahre Familienpartei im Freistaat zu sein, sieht die Idee der Grünen-Fraktionschefin kritisch. Auf BR24-Anfrage teilte Katrin Ebner-Steiner als kinderpolitische Sprecherin der AfD-Fraktion mit, es handle sich "um billige Symbolpolitik". Den Eltern wäre mit nachhaltiger finanzieller Unterstützung mehr geholfen als mit einem Paket voller Baby-Artikel. Ihre Fraktion habe, so Ebner-Steiner, die Streichung des bayerischen Familiengeldes und die "Kehrtwende beim Kinderstartgeld" durch die Staatsregierung scharf kritisiert.
Ganz verteufeln will Ebner-Steiner den Vorschlag der Grünen dann doch nicht: "Als Familienpartei unterstützen wir aber jeden noch so kleinen Schritt in die richtige Richtung, sogar diese Forderung der Grünen – auch wenn sie Eltern kaum etwas bringt." Wichtiger, so die AfD-Fraktionschefin, wären Steuererleichterungen für junge Familien. "Echte Wertschätzung, statt Almosen."
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