Auf einem Feld am Osterberg direkt an der Gemeindegrenze von Bernbeuren im oberbayerischen Landkreis Weilheim-Schongau hat ein Betreiber vor einem Jahr eine knapp zwölf Hektar große Photovoltaik-Freiflächen-Anlage gebaut. Auch wenn die Module gerade im Winter-Sonnenlicht glänzen – Strom fließt hier noch nicht. Denn der Anschlusspunkt ins Netz liegt rund fünf Kilometer entfernt in der Nachbargemeinde Rettenbach am Auerberg im schwäbischen Landkreis Ostallgäu. Und der Weg für den Strom dorthin ist steiniger als gedacht.
Keine Einigung mit Grundstückseigentümern
Eigentlich hätte der Betreiber das Kabel zum Einspeisepunkt nach eigenen Angaben gerne direkt durch die angrenzenden Wiesen und Felder verlegt. Das sei einfacher, schneller und billiger. Die Firma konnte sich mit den privaten Grundstückseigentümern aber nicht einigen.
Deshalb soll die Leitung jetzt über öffentlichem Grund verlegt werden – unter anderem durch einen Ortsteil einer weiteren Ostallgäuer Gemeinde, Stötten am Auerberg, durch ein Wasserschutzgebiet und quer durch Rettenbach am Auerberg. Das stößt in den beiden betroffen Ostallgäuer Gemeinden auf wenig Gegenliebe. Wehren dagegen können sie sich aber nicht.
Gemeinden müssen Leitung dulden
Das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) sieht vor, dass Gemeinden die Verlegung solcher Leitungen auf öffentlichem Grund dulden müssen. "Die Trasse ist nicht so, wie wir uns das wünschen würden. Aber wir können nichts dagegen tun", sagt der Bürgermeister von Rettenbach am Auerberg, Reiner Friedl.
"Unsere Nachbargemeinde Bernbeuren lässt die Anlage direkt an die Gemeindegrenze bauen und bekommt 20.000 Euro Einspeisevergütung pro Jahr. Wir tragen die Lasten, haben das Kabel in unserem Boden und nichts davon außer einer einmaligen Entschädigung", kritisiert der Bürgermeister. Von je rund 16.000 Euro für Rettenbach und Stötten ist die Rede.
Rettenbacher Bürgermeister: "Wir haben keine Handhabe"
Der Rettenbacher Gemeinderat will am Montagabend über einen entsprechenden Vertrag mit der Betreiberfirma abstimmen. Angesichts der eindeutigen Rechtslage rechnet der Bürgermeister mit einer zähneknirschenden Zustimmung seiner Räte.
Diese hat der Gemeinderat in der ebenfalls betroffenen Gemeinde Stötten bereits hinter sich. "Es bleibt uns ja nichts anderes übrig", sagt der dortige Rathauschef Michael Neumann. "Wir haben keine große Handhabe." Sollte auch Rettenbach dem Vertrag zustimmen, könnten die Arbeiten für den umstrittenen Leitungsbau schon bald beginnen.
Betreiber: Gesetzeslage ist klar
Der Betreiber des Solarparks, die Energiebauern GmbH aus Sielenbach im Landkreis Aichach-Friedberg, versteht die Aufregung um das 20-Kilovolt-Mittelspannungskabel im Boden nicht. "Wir haben uns viel Mühe gegeben, die beste Trassenführung zu finden und uns mit den privaten Grundstückseigentümern zu einigen", sagt Hans Westner, Referent der Geschäftsführung.
Wenn das aber nicht gelinge, bleibe nur der Weg über öffentliche Grundstücke. "Da gibt es eine klare Gesetzeslage. An die muss man sich halten, egal wie zufrieden der einzelne damit ist."
Nachbargemeinde versteht Ärger um Kabel nicht
Auch in der Nachbargemeinde Bernbeuren hält sich das Verständnis für den Ärger um die Leitung in Grenzen. "Das könnte genauso gut umgekehrt sein, dass in der Gemeinde Stötten eine PV-Anlage an der Grenze gebaut wird und wir die Trassenführung auf Bernbeurer Flur haben", sagte Bernbeurens Bürgermeister Karl Schleich im Gespräch mit BR24."Wenn wir betroffen wären, hätte ich nichts einzuwenden."
Es sei wichtig, erneuerbare Energien auf den Weg zu bringen. "Die gesetzliche Regelung ist ganz klar: Das muss man zulassen", sagt Schleich. Das sei auch richtig so, findet der Bürgermeister. "Wenn es diese Regelung nicht gäbe, dann würden wir in Deutschland in Zukunft keine PV-Anlagen und keine Windräder mehr ans Netz bringen, weil immer jemand was dagegen hätte", so der Bernbeurer Bürgermeister.
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