Die sogenannte Schafskälte hat in den vergangenen Tagen Regen, niedrige Temperaturen und sogar Neuschnee in die Berge gebracht. Oberhalb von etwa 2.000 Metern fielen stellenweise mehrere Zentimeter Schnee. Hinzu kommen Nebel, schlechte Sicht und kräftiger Wind. Der Deutsche Wetterdienst warnte zeitweise vor Schneefall in den höheren Lagen der Alpen. Erst zum Wochenende soll sich die Wetterlage langsam beruhigen und Sonne und wärmere Temperaturen stehen bevor.
Für Bergsteiger und Wanderer bedeutet das: Viele Wege sind nass und rutschig. Andernorts - vor allem auf Nordseiten - liegen noch hohe Schneefelder, Sicherungsseile von Klettersteigen sind eingeschneit. Besonders in steilem Gelände können die Verhältnisse deutlich anspruchsvoller sein, als es die Jahreszeit vermuten lässt.
Bergwacht immer wieder im Einsatz
Die Folgen bekommen die Rettungskräfte seit Wochen zu spüren. Immer wieder müssen Bergwachten in Bayern und Tirol ausrücken, weil Wanderer die winterlichen Bedingungen unterschätzen oder mit unzureichender Ausrüstung unterwegs sind. Vor allem Restschneefelder, vereiste Passagen und plötzliche Wetterumschwünge führen zu kritischen Situationen. Wer auf trockene Sommerwege eingestellt ist, gerät schnell in Schwierigkeiten. Besonders tückisch: Frischer Neuschnee kann Gefahren verdecken. Auf Gletschern können Spalten zugeschneit werden, in steilen Hängen steigt die Rutsch- und Absturzgefahr.
Vermisster Wanderer nach Nacht im Schnee gefunden
Wie ernst die Lage werden kann, zeigte ein Rettungseinsatz in den Tiroler Alpen: Ein 44-jähriger Wanderer aus Baden-Württemberg wurde nach einer groß angelegten Suchaktion erst am Mittwoch auf rund 2.200 Metern Höhe am Gumpensattel bei Holzgau gefunden. Der Mann lag schwer verletzt in einem Schneefeld, nachdem er offenbar über eine steile Bergflanke abgestürzt war. Wegen Nebels und schlechter Sicht hatten die Einsatzkräfte die Suche zeitweise unterbrechen müssen. Nach der Erstversorgung wurde der Wanderer ins Klinikum Murnau im Landkreis Garmisch-Partenkirchen geflogen. Dass er die kalte Nacht im Freien überlebte, bezeichnen die Retter als außergewöhnlich.
Auch beliebte Routen noch anspruchsvoll
Die winterlichen Verhältnisse machen sich derzeit auch auf bekannten alpinen Routen bemerkbar. Selbst auf viel begangenen Anstiegen rund um die Zugspitze liegen in höheren Bereichen noch Schneefelder. Bergschulen und Bergführer weisen darauf hin, dass alpine Erfahrung und die passende Ausrüstung vielerorts weiterhin notwendig sind. Besonders in den frühen Morgenstunden können Schneefelder hart gefroren sein. Ein Ausrutscher kann dann schnell schwerwiegende Folgen haben. Zudem fordert der Schnee konditionell, das sollte in der Tourenplanung berücksichtigt werden.
Das raten die Bergretter
Bergwacht, Alpenverein und Wetterexperten empfehlen, Touren derzeit besonders sorgfältig zu planen. Vor dem Start sollten aktuelle Wetter- und Verhältnisinformationen eingeholt werden. Die Sektion München und Oberland des Deutschen Alpenvereins informiert auf ihren Seiten zu den aktuellen Tourenbedingungen etwa rund um die Zugspitze. Außerdem raten die Experten dazu, das Tourenziel an die tatsächlichen Bedingungen anzupassen und auch im Juni warme Kleidung mitzunehmen. Denn auch wenn im Tal längst Sommer herrscht: Oberhalb von 2.000 Metern ist in den Alpen vielerorts noch einmal der Winter zurückgekehrt.
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