Im Mainfrankenpark bei Dettelbach im Landkreis Kitzingen stehen die Reste eines gesprengten Zigaretten-Automats.
Im Mainfrankenpark bei Dettelbach im Landkreis Kitzingen stehen die Reste eines gesprengten Zigaretten-Automats.
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In Unterfranken haben Unbekannte in nur gut zwei Wochen zwölf Zigaretten-Automaten gesprengt.
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Sprengung von Zigaretten-Automaten: Zwölf Fälle in zwei Wochen

Sprengung von Zigaretten-Automaten: Zwölf Fälle in zwei Wochen

In Unterfranken haben Unbekannte in gut zwei Wochen zwölf Zigaretten-Automaten gesprengt. Die Polizei geht von einer Serie aus – und warnt: Solche Explosionen von illegalen Böllern sind gefährlich und zählen als schwere Straftat.

Über dieses Thema berichtet: Mittags in Mainfranken am .

Der Mainfrankenpark bei Dettelbach im Landkreis Kitzingen, ein Gewerbegebiet mit Tankstelle, Gastronomie, Kino und Bowling-Bahn: Hier in einem Grünstreifen steht ein grauer Kasten aus Metall, Plastik-Teile liegen darin, Kabel hängen heraus. Es handelt sich um das Gerüst eines gesprengten Zigaretten-Automaten. In der Nähe: eine ehemalige Disko, ansonsten vor allem Firmen.

Explosion im Mainfrankenpark beschäftigt Menschen dort

Dort ist die Sprengung großes Thema. "Das ist nicht gut. Wahrscheinlich ist mehr am Automaten kaputt gegangen als die Beute wert ist", sagt Werner Steinsdörfer, der bei einer Firma arbeitet, die Kühlfahrzeuge repariert. Dora Steinsdörfer ergänzt: "Vielleicht ist es eine organisierte Bande, die da rumgeht und das professionell macht? Die Autobahn ist hier gleich in der Nähe. Da kann man flüchten." Und Conny Zuber von der benachbarten Gerüstaufbereitungsfirma wundert sich, dass die Zigaretten bei der Explosion nicht beschädigt wurden. "Wenn man sich überlegt, dass so eine Zigaretten-Schachtel jetzt etwa zehn Euro kostet – dann ist das schon für manche rentabel", sagt sie.

Sprengungen von Zigaretten-Automaten haben Ende Dezember begonnen

Angefangen haben die Sprengungen etwa um den Jahreswechsel. Da hatten Unbekannte zunächst mehrere Automaten in und um Würzburg gesprengt, beispielsweise im Würzburger Stadtteil Heidingsfeld oder in Waldbüttelbrunn. Sie haben die Zigaretten und das Bargeld aus den Automaten mitgenommen.

Im Visier: Vor allem Automaten, die abgelegen stehen

In den meisten Fällen stehen die Zigaretten-Automaten eher außerhalb: "Die Tatorte befinden sich meistens an weniger frequentierten Stellen, wie Gewerbegebieten oder Ortsrändern, wo kaum Wohnhäuser sind. Natürlich ist die Detonation weit im Umkreis hörbar", sagt Erik Olbrecht, Brandursachenermittler bei der Kriminalpolizei Würzburg.

Mehrfach wurden aber auch Automaten mitten in Würzburg gesprengt, etwa an der Talavera in der Nacht zum 31. Dezember. Der Automat stand dort an einem Fußweg. Die 50 Kilo schwere, ausgebeulte Metallfront sei 20 Meter durch die Luft geflogen, so Olbrecht.

Polizei hat Gruppe von Jugendlichen festgenommen

Kurz nach einer weiteren Sprengung in Würzburg hat die Polizei eine Gruppe von Jugendlichen festgenommen. Ein Zeuge hatte sie beobachtet. Es handelt sich um vier Jugendliche im Alter von 14 bis 17 Jahren. Zwei von ihnen sind laut Polizei Deutsche, einer stammt aus Somalia und einer aus Russland. Die Polizei prüft, ob es einen Zusammenhang mit den anderen Fällen gibt.

Nach den Sprengungen in Eibelstadt und Waldbrunn an Dreikönig beobachteten Zeugen zwei Verdächtige, die mit einem dunklen Kleinwagen flüchteten. Dabei dürfte mindestens ein Erwachsener am Steuer gesessen haben.

Beute nach der Explosion: Zigaretten und auch Bargeld

Die Täter gehen offenbar so vor, dass bei den Sprengungen nur wenige Zigaretten zerstört werden. Und offenbar ist auch genügend Geld in den Automaten. "Die meisten Leute zahlen mit EC-Karte, dennoch kaufen immer noch Menschen ihre Zigaretten mit Bargeld. Zigaretten werden außerdem immer teurer. In einem Automaten sind einige Packungen – weshalb es offenbar eine lohnenswerte Beute ist", so Erik Olbrecht.

Bis zu 70.000 Euro Beute und Schaden

Geld-Automaten von Banken seien meistens in Gebäuden – und besser gesichert. Dort sei die Beute bei den Sprengungen insgesamt höher. Aber bei den zwölf Fällen von Zigaretten-Automaten-Sprengungen im Raum Würzburg, Kitzingen und Schweinfurt schätzt die Polizei Beute und Schaden aktuell auch schon auf 50.000 bis 70.000 Euro.

Polizei warnt: Explosionen sind gefährlich

Die Polizei warnt außerdem vor der Gefahr solcher Explosionen. Die Unbekannten haben bei den Explosionen illegale Feuerwerkskörper aus dem Ausland verwendet. "Darin ist wesentlich mehr Explosivmasse vorhanden als bei den hier geprüften Feuerwerkskörpern. Das führt dazu, dass die Sprengkraft deutlich höher ist, auch deutlich unberechenbarer. Es drohen schwere oder im schlimmsten Fall sogar tödliche Verletzungen", warnt Olbrecht. Trümmerteile können unkontrolliert herumfliegen, auch bei der Explosion selbst kann man sich verletzen.

Eine Sprengstoff-Explosion gilt als schwere Straftat

Der Ermittler betont außerdem, dass es sich bei den Fällen um schwere Straftaten handeln würde. Es handelt sich um das "Herbeiführen einer Sprengstoff-Explosion" – dafür kann man sogar ins Gefängnis kommen. Die Polizei ermittelt auf Hochtouren und bittet weiter um Hinweise. Wer etwas beobachtet hat oder weiterhelfen kann, soll sich unter der Telefonnummer 0931/457 17 32 melden.

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