"Das ist eine der seltenen Ragwurz-Arten, eine Orchidee, die steht auch auf der roten Liste. Da freut man sich", sagt Günter Riegel. Er ist ehrenamtlicher Kartierer und kommt regelmäßig in den Augsburger Stadtwald, um die Flächen nach seltenen Pflanzen abzusuchen. In seiner schwarzen Umhängetasche hat er ein kleines Tablet, damit kann er auf einer elektronischen Karte seinen Fund gleich vermerken.
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Artenvielfalt in einem wertvollen Naturschutzgebiet
Vor 30 Jahren war Riegel das erste Mal auf Kartierungstour im Stadtwald unterwegs. Bis heute fasziniert ihn die Vielfalt des Gebiets entlang des Lechs von Augsburg bis Königsbrunn: "Vor 100 Jahren floss hier noch der Lech, das ist das Besondere, was man in anderen Gebieten Bayerns nicht hat. Dass da trocken und feucht so nah beieinanderliegen. So ein Mosaik gibt es in Mitteleuropa kaum mehr." Der Stadtwald habe eine hohe Artenvielfalt – dementsprechend bunt seien die Pflanzen zu seinen Füßen. Auch viele Vögel sind zu hören, etwa der Bienenfresser oder der Kuckuck.
Stadtwald Augsburg: Naturschutz und Naherholung
Der Stadtwald Augsburg wurde 1926, also vor genau 100 Jahren, "per ortspolizeilicher Vorschrift" zum Schutzgebiet erklärt und steht seither durchgehend unter Naturschutz. Eine "wegweisende Entscheidung" damals, findet Nicolas Liebig vom Landschaftspflegeverband der Stadt Augsburg. Denn heute gilt der Stadtwald mit rund 2.200 Hektar als das größte nicht-alpine Naturschutzgebiet im Regierungsbezirk Schwaben.
Er ist geprägt von charakteristischen feuchten Lechauen, die gleich ein paar Meter weiter wieder zum Trockenstandort werden, viele geschützte Pflanzen- und Tierarten kommen bayernweit nur noch hier vor. Der Stadtwald ist Naherholungsgebiet und zudem Trinkwasserschutzgebiet, in dem das Trinkwasser für mehr als 300.000 Menschen gewonnen wird. Mit seinem System aus Quellbächen und Lechkanälen gehört der Stadtwald außerdem zum UNESCO-Welterbe der Stadt.
100 Jahre Schutzgebiet Stadtwald
Zum 100-jährigen Jubiläum des Schutzgebietes Stadtwald bietet der Augsburger Landschaftspflegeverband viele Exkursionen an: Wer will, kann eine Vogelstimmenexkursion begleiten, mit kundiger Führung entlang der vielen Quellbäche wandern oder in der Dunkelheit Fledermäusen nachspüren.
Nicolas Liebig will damit auch auf aktuelle Probleme aufmerksam machen, wie Artenschwund durch den Klimawandel und Vermüllung des Schutzgebietes. Und: "Uns geht es auch darum, zu zeigen, dass wir die nächsten 100 Jahren viel tun müssen für dieses Gebiet. Es stehen große Aufgaben an." Als Beispiel nennt er das Projekt "Licca Liber" zur Lech-Renaturierung. Man wolle die Menschen mitnehmen und erklären, warum Naturschutzmaßnahmen so wichtig sind.
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