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Feuerwehr löscht Stallbrand (Symbolbild)
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Stallbrände: Warum "Massentierhaltung" damit nichts zu tun hat

Stallbrände: Warum "Massentierhaltung" damit nichts zu tun hat

Nach Stallbränden entflammen in den sozialen Netzwerken regelmäßig emotionale Debatten über die Risiken der "Massentierhaltung". Doch wie hängen Betriebsgröße, Brandursachen und Sicherheit in der Landwirtschaft tatsächlich zusammen?

Über dieses Thema berichtet: BR24 Radio am .

Die Betriebsgröße allein erklärt nicht, warum ein Stall in Brand gerät. Entscheidend sind vor allem technische Anlagen, baulicher Zustand, Wartung, Brandschutzmaßnahmen. Unbestritten ist: Je größer ein Tierbestand ist, desto größer können im Schadensfall die Folgen sein.

"Massentierhaltung": Ein emotionaler Begriff ohne klare wissenschaftliche Grenze

Der Begriff "Massentierhaltung" ist in öffentlichen Debatten weit verbreitet, aber wissenschaftlich und rechtlich nicht eindeutig definiert. Weder im Tierschutzgesetz noch in der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung gibt es eine feste Tierzahl, ab der ein Betrieb als "Massentierhaltung" gilt. Prof. Achim Spiller von der Universität Göttingen sagt im Gespräch mit BR24: "Massentierhaltung ist ein umgangssprachlicher Begriff für große Tierzahlen in landwirtschaftlichen Betrieben."

Betriebsgröße ist kein verlässlicher Indikator für Haltungsqualität oder Sicherheit

Die Forschung zeige, dass die absolute Tierzahl allein wenig über die Qualität eines Betriebs aussagt, so Spiller. Entscheidend seien andere Faktoren, etwa Haltungssystem, Management und technische Ausstattung. Spiller sagt: "Der Stand der Forschung ist, dass Tierschutz und Betriebsgröße in der Regel nicht zusammenhängen. Es gibt gute und schlechte Großbetriebe." Für das Tierwohl seien vor allem die konkreten Bedingungen entscheidend. "Beim Tierwohl spielt das Haltungssystem eine zentrale Rolle, also zum Beispiel Platzangebot und Zugang nach draußen. Aber genauso wichtig sind die Kompetenz der Tierhalter, die Qualität der Betreuung und auch die Tiergenetik."

Auch Claus Deblitz, stellvertretender Leiter am Thünen-Institut, sieht keinen grundsätzlichen Zusammenhang zwischen Betriebsgröße und einer höheren Problemlage. "Es ist schwierig, das so pauschal zu sehen, weil es auf viele weitere Einzelheiten ankommt. Man könnte sonst ja auch sagen, dass kleine Betriebe mit viel frischem Stroh auch ein höheres Brandrisiko haben als solche mit einem reinen Güllesystem", sagt er gegenüber BR24. Er warnt zugleich vor einer pauschalen Verklärung kleiner Betriebe. "Es gibt manchmal ein Missverständnis zwischen der Realität moderner Landwirtschaft und einer gewissen Verklärung kleiner Betriebe. Nach dem Motto: Bei einem Familienbetrieb mit wenigen Tieren passiert so etwas nicht."

Brandursachen: Technik, menschliches Verhalten und äußere Faktoren

Der Wissenschaftliche Dienst des Deutschen Bundestages hat in einer aktuellen Ausarbeitung (März 2026) zu "Brandereignissen in Tierhaltungsbetrieben" die verfügbaren Daten ausgewertet (externer Link). Er weist darauf hin, dass es in Deutschland keine bundesweit einheitliche Statistik gibt, die sämtliche Stallbrände erfasst.

Eher Scheunen und Lagerhallen von Bränden betroffen

Die vorhandenen Untersuchungen des Instituts für Schadenverhütung und Schadenforschung der öffentlichen Versicherer (IFS) zeigen verschiedene häufige Ursachen. Dazu gehören unter anderem Brandstiftung, elektrische Defekte, menschliches Fehlverhalten, feuergefährliche Arbeiten und Überhitzung. Zudem unterstreicht die Ausarbeitung des Bundestages, dass die Mehrheit der Brände auf landwirtschaftlichen Anwesen gar keine Tierställe betrifft: Der überwiegende Teil betrifft Scheunen, Lagerhallen oder Maschinenhallen. Ein Blick auf Vorfälle in Bayern zeigt zudem, dass Brände Betriebe aller Haltungsformen und Betriebsgrößen treffen:

Im niederbayerischen Schalkham (Landkreis Landshut) brannte im Dezember 2025 ein kleinerer Stall ab, bei dem rund 100 Tiere starben. Bei einem Feuer im oberbayerischen Bad Feilnbach (Lkr. Rosenheim) im Februar 2026 starben fünf Kälber. Im September 2025 fielen bei einem Brand im oberfränkischen Cottenbach (Lkr. Bayreuth) 16 Pferde den Flammen zum Opfer.

Große Bestände erhöhen vor allem das Schadensausmaß

Die besondere öffentliche Aufmerksamkeit bei Großbränden hängt vor allem mit der Zahl der betroffenen Tiere zusammen. In großen Ställen können bei einem Brand deutlich mehr Tiere sterben als in kleineren Anlagen.

Der Wissenschaftliche Dienst des Bundestages schreibt, dass Stallbrände Tiere besonders hart treffen: Viele Tiere können nicht selbstständig fliehen, und Rettungsmaßnahmen sind bei großen Beständen schwierig. Deshalb spielen vorbeugender Brandschutz, Brandfrüherkennung und betriebliche Notfallkonzepte eine zentrale Rolle.

Im Video: Brand in Schweinestall: Rund 1.600 Tiere verendet

Brand in Schweinestall: Mehr als 1.600 Tiere verendet
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