Einer der Ringe mit einem Siegel, auf dem die St. Nikolaus-Kirche zu sehen ist, in einer Ringbox
Einer der Ringe mit einem Siegel, auf dem die St. Nikolaus-Kirche zu sehen ist, in einer Ringbox
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Der Ehrenring für langjährige Stadträte funkelt Gold, das Siegel mit der St. Nikolaus-Kirche glänzt wahlweise in Weißgold oder Gold.
Bildrechte: BR/Louis Sulejmanovic
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Der Ehrenring für langjährige Stadträte funkelt Gold, das Siegel mit der St. Nikolaus-Kirche glänzt wahlweise in Weißgold oder Gold.

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Steigender Goldpreis: Ehrenringe für Stadträte noch zeitgemäß?

Steigender Goldpreis: Ehrenringe für Stadträte noch zeitgemäß?

Seit 60 Jahren werden altgediente Stadträte in Stadtbergen mit Goldringen ausgezeichnet. Zwei haben zuletzt abgelehnt. Mit Blick auf den steigenden Goldpreis muss sich die Stadt die Frage gefallen lassen, ob die Praxis noch zeitgemäß ist.

Über dieses Thema berichtet: Abendschau - Der Süden am .

Eigentlich hätte er ihn bald selbst in den Händen halten sollen, als Anerkennung für seine langjährige ehrenamtliche Mitarbeit im Stadtberger Stadtrat: einen goldfunkelnden Ring mit Siegel. Doch Gerhard Heisele, Fraktionsvorsitzender der Freien Wähler, kann sich bessere Wege vorstellen, wie die Stadt das Geld ausgeben könnte: "Wir haben zurzeit große Probleme mit Kinderbetreuung, offener Ganztagsschule, Bautätigkeit."

Zwei Stadträte lehnen Ehrenring ab

Heisele ist einer von fünf langjährigen Stadträten in Stadtbergen, die mit dem Ring ausgezeichnet werden sollten. Das Siegel mit der St. Nikolaus-Kirche im Zentrum der Stadt glänzt wahlweise in Weißgold oder Gold – je nachdem, ob der Stadtrat seit zwölf oder 18 Jahren im Dienst ist.

Heisele und der Grünen-Stadtrat Thomas Miehler haben die Auszeichnung aber abgelehnt und so eine rege Diskussion ausgelöst. Gerade vor dem Hintergrund des steigenden Goldpreises muss sich die Stadt die Frage gefallen lassen, ob die Praxis mit den Ehrenringen noch zeitgemäß ist.

Grünen-Fraktion gegen Ehrenringe

Die Grünen-Fraktion hatte mit Verweis auf die Kosten bereits vor über einem Jahr einen Antrag gestellt, die mehrere Tausend Euro teuren Ringe abzuschaffen. Es sei den Bürgern "nicht vermittelbar, dass der Stadtrat seinen langjährigen Mitgliedern Gold- und Silberringe, Broschen und Nadeln überreicht und zeitgleich über Einsparungen, die die Bürgerschaft betreffen, debattiert", heißt es darin. Rund 20 Millionen Euro Schulden hat Stadtbergen in den vergangenen Jahren angehäuft.

Als Alternative schlugen die Grünen eine Urkunde und eine Ehrennadel mit dem Stadtwappen vor. Zumindest bei einigen Bürgern scheinen sie damit einen Nerv getroffen zu haben. "Mein Ehering war billiger", sagt eine Stadtbergerin bei einer Straßenumfrage und lacht. Eine andere bezeichnet die Tradition als "happig", ein Dritter sieht drängendere Probleme, für die man das Geld ausgeben könnte. Doch der Antrag im Stadtrat wurde schon vor einiger Zeit abgelehnt.

Trotz steigendem Goldpreis: Bürgermeister verteidigt gängige Praxis

Angeheizt wird die Debatte noch vom Goldpreis, der aktuell explodiert: Schon seit 2001 steigt er in allen Währungen. Im Moment kostet die Feinunze aber umgerechnet über 4.400 Euro – so viel wie vor heuer noch nie.

Trotzdem verteidigt Bürgermeister Paulus Metz (CSU) die Ehrenringe: "Eine Wertschätzung sollte man nicht davon abhängig machen, wie hoch der Goldpreis ist." Es gehe um die Würdigung der Leistung der Stadträte. "Es geht auch um Tradition, und Wertschätzung hat es immer schon gegeben, wenn jemand etwas besonders geleistet hat", fügt er hinzu.

Wohin mit der Tradition?

Ehrenringe für verdiente Bürger haben tatsächlich eine lange Tradition: Die altgedienten Stadträte in Stadtbergen bekommen sie als Zeichen der Anerkennung schon seit 60 Jahren. Theo Waigel bekam mal einen vom Bayerischen Handwerk, und Triathletin Anne Haug den ihrer Heimatstadt Bayreuth.

Der Freie-Wähler-Stadtrat Heisele lässt das aber nicht gelten: "Wir sind im Jahr 2026, vielleicht braucht es da keine Ringe mehr. Man kann Traditionen einfach mal bleiben lassen, die haben sich überlebt." Er trage auch keine Schmuckringe und wisse nicht, wann er diesen Ehrenring tragen sollte.

Anders Bürgermeister Metz: Er selbst saß vor seinem Amtsantritt 2011 schon 21 Jahre lang im Stadtberger Marktgemeinde- beziehungsweise Stadtrat. Seinen eigenen Ring nehme er etwa zu Empfängen mit, bei denen er die Stadt vertrete.

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