geflutetes Tal in Nepal
Live nachschauen
Bildrechte: picture alliance / NurPhoto | Subaas Shrestha
Livebeitrag

Sturzflut in Nepal

Livebeitrag
>

Sturzflut in Nepal: Wie kam es zu der Katastrophe?

Sturzflut in Nepal: Wie kam es zu der Katastrophe?

Eine Flut aus Wasser, Geröll und Eis hat in der Grenzregion zwischen Tibet und Nepal ganze Orte verwüstet. Als wahrscheinlichster Auslöser für die Sturzflut gilt ein Gletscher- beziehungsweise Eis-Fels-Abbruch.

Über dieses Thema berichtet: BR24live am .

Die Zahl der Toten nach der Sturzflut im Himalaya liegt in Nepal mittlerweile bei mehr als 500. Mehr als 1.400 Menschen werden noch vermisst. Eine vierköpfige Familie aus dem Berchtesgadener Land wurde indes gerettet. Am Mittag sprach die Bundesregierung von einer "niedrigen zweistelligen Zahl deutscher Staatsangehöriger", die derzeit vermisst würden. Während zunächst lediglich von einem Gletscherabbruch als Auslöser für die Flut die Rede war, haben Wissenschaftler nun neue Details bekanntgegeben.

Wie ist die Situation vor Ort? Und wie verändert die Warnung vor weiteren Überschwemmungen die Hilfsmöglichkeiten? BR24 sprach mit Angela Gärtner, Nepal-Referentin bei Caritas international und BR-Journalist Alexander Brutscher aus der BR-Redaktion Berge. Das Video finden Sie oben eingebettet über dem Artikel.

Felssturz verstärkte laut Wissenschaftlern die Sturzflut im Himalaya

Der verheerende Gletscherabbruch hat nach Ansicht von Wissenschaftlern große Mengen Gestein mit in die Tiefe gerissen. Auf Satellitenbildern von Donnerstag sei zu erkennen, dass das Felsbett unter dem Gletscher kollabiert sei, sagten die Geomorphologen Kristen Cook von der Universität Grenoble Alpes und Dan Shugar, Professor an der Universität Calgary.

Cook und Shugar sagten, auf den ersten Bildern nach der Katastrophe sei nur zu sehen gewesen, dass sich ein Teil eines Gletschers vom Gipfel des gut 7.200 Meter hohen Langtang Lirung in Nepal nahe der Grenze zu Tibet gelöst habe. Inzwischen sei die Sicht klarer. "Wir konnten erkennen, dass offenbar nicht nur dieser Gletscher abgebrochen war, sondern auch ein viel größeres Stück des Felsgesteins am Berghang selbst nachgegeben hatte", sagte Shugar. "Dieser große Felssturz hat einen Teil des Gletschers mitgerissen."

Cook sagte, nachdem die Geröllmassen auf den Talboden gekracht seien, hätten sie in dem engen und steilen Tal ihre Bewegungsenergie beibehalten. Eine mehrere Häuserstockwerke hohe Sturzflut aus Wasser und Schlamm sei durch die Ortschaften gedonnert. "Die Masse wird durch das schmelzende Eis wie geschmiert und kann so hohe Geschwindigkeiten erreichen", betont Andrea Fischer, Glaziologin der Österreichischen Akademie für Wissenschaften (ÖAW).

Niels Hovius vom GFZ Helmholtz-Zentrum für Geoforschung hatte zuvor bereits erklärt, dass bei dem Abrutschen über mehr als 1.000 Meter die – etwa durch Reibung frei werdende – Energie das Eis fast augenblicklich schmelzen lässt. Die Erschütterung beim Aufprall sei so stark gewesen, dass das Erdbebennetzwerk des GFZ ein Erdbeben der Stärke 5,7 aufzeichnete.

Wasserstand stieg binnen Minuten um neun Meter

Der Wasserstand des Flusses Trishuli stieg den Behörden zufolge durch die Sturzflut binnen 30 Minuten stellenweise um bis zu neun Meter. Satellitenbilder der Gebiete Kolpurtar, Betrawati und Syapru Besi in Nepal vor und nach der Katastrophe zeigen, dass der Fluss jetzt deutlich breiter wurde, weil er sich mit Geröll gefüllt hat und über die Ufer getreten ist.

Der Gebirgsgeograf Alton Byers von der University of Colorado in Boulder sagte, die Katastrophe sei die größte Gletscherflut, die er je gesehen habe. Er sieht einen Zusammenhang mit dem Klimawandel. Die Erderwärmung lasse Gletscher und Permafrostböden schmelzen, wodurch es in großen Höhen zu Instabilität und zum Abbrechen gewaltiger Mengen von Schnee und Eis komme. Cook und Shugar sagten dagegen, derzeit könnten sie noch nicht abschätzen, ob es einen direkten Zusammenhang mit dem Klimawandel gebe. Angesichts steigender Temperaturen sei der Gletscherabbruch allerdings nicht unerwartet gekommen.

Auch im Alpenraum seien diese Art von Prozessen in den vergangenen Jahren verstärkt aufgetreten, resümiert Gletscherforscherin Fischer, so zum Beispiel am österreichischen Fluchthorn oder im Schweizer Blatten.

Mit Informationen von AP und dpa.

Im Video: Opferzahl nach Sturzflut in Nepal steigt

Nepal: Opferzahl nach Sturzflut steigt
Bildrechte: BR
Videobeitrag

Nepal: Opferzahl nach Sturzflut steigt

Das ist die Europäische Perspektive bei BR24.

"Hier ist Bayern": Der BR24 Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!