Bekleidete Figuren auf dem Teufelsrad
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Bekleidete Figuren auf dem Teufelsrad
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Teufelsrad-Streit: Hat Stadtrat Änderungen selbst beauftragt?

Teufelsrad-Streit: Hat Stadtrat Änderungen selbst beauftragt?

Streit ums Teufelsrad: Grüne und CSU kritisieren die städtische Gleichstellungsstelle wegen stärker bekleideter Figuren und verlangen eine Einbindung des Stadtrats – obwohl sie entsprechende Empfehlungen einst selbst mitgetragen haben sollen.

Über dieses Thema berichtet: Regionalnachrichten aus Oberbayern am .

Auf der Münchner Theresienwiese ist man sichtlich auf der Zielgeraden. Während in der Wirtsbudenstraße schon alle Festhallen stehen, wirkt die Schaustellerstraße aber noch recht leer. Eines der wenigen Fahrgeschäfte, das dort bereits fast fertig aussieht, ist das Zelt des altbekannten Teufelsrads.

Als Wiesn-Kult wird das Fahrgeschäft auf der offiziellen Oktoberfest-Webseite beschrieben. Seit 1908 begeistert es Fahrgäste und Zuschauer mit seiner rotierenden Scheibe, auf der sich die Fahrgäste unter Gelächter der Zuschauer und bayerisch-charmanten Kommentaren des Rekommandeurs möglichst lange halten müssen.

Neue Kleiderordnung sorgt für Aufreger

Seit vergangenem Freitag sorgt das Teufelsrad nun auch politisch für Wirbel. Anlass sind die außen sichtbaren, auf dem Zelt montierten Figuren. Sie sitzen – wie seit Jahrzehnten – lachend auf einem stilisierten Teufelsrad. In diesem Jahr zeigen sie allerdings deutlich weniger Haut als in den vergangenen 80 Jahren: Eine der Puppen trägt statt eines Bikinis nun ein eng anliegendes, gelbes Kleid, zwei weitere Damenfiguren wurden mit Leggings versehen.

Grüne und CSU üben Kritik an der Gleichstellungsstelle

Auslöser für die neue "Kleiderordnung" sei ein Hinweis der städtischen Gleichstellungsstelle gewesen, heißt es. Mit ihrer Kritik an den historischen Figuren sei diese übers Ziel hinausgeschossen, findet die CSU-Fraktion im Münchner Stadtrat. Auch die Grünen sehen die Umgestaltung kritisch. Mehr Augenmaß fordert Münchens zweite Bürgermeisterin Mona Fuchs (Grüne); Wiesn-Stadträtin Anja Berger (Grüne) hält die Änderungen ebenfalls für übertrieben. Die CSU wiederum fordert, bei "Entscheidungen dieser Tragweite" künftig den Stadtrat zu befassen.

Rathausfraktion der Linken erinnert an Stadtratsbeschlüsse

Genau damit habe sich der Stadtrat befasst, sagt zumindest Stefan Jagel, Vorsitzender der Linken-Stadtratsfraktion. Die Gleichstellungskommission des Stadtrats habe 2023 einstimmig beschlossen, Schaustellern zu empfehlen, rassistische und sexistische Abbildungen an ihren Fahrgeschäften zu entfernen – mit Stimmen auch von CSU und Grünen. Zudem sei das Thema im interfraktionellen Arbeitskreis für Oktoberfestbelange (IFAK) behandelt worden, der der Empfehlung gefolgt sei. Die nun gescholtene Gleichstellungsstelle setze damit lediglich Beschlüsse um, die der Stadtrat in zwei Gremien gefasst habe, so Jagel. Dass CSU und Grüne diesen Umstand verschweigen würden, sei ein Schlag ins Gesicht der Gleichstellungsstelle und der Verwaltung.

Ehemalige SPD-Stadträtin zeigt sich enttäuscht

Auch die frühere SPD-Stadträtin Micky Wenngatz, damals Vorsitzende der Gleichstellungskommission, zeigt sich empört. Die Kommission habe sich 2023 bei einem Rundgang über das noch nicht eröffnete Oktoberfest selbst ein Bild gemacht und sei einstimmig zu dem Ergebnis gekommen, dass einige Abbildungen sexistisch oder rassistisch seien. Dieser Rundgang sei Grundlage der Empfehlung gewesen. Dass die Grünen, die sich sonst als feministische Kraft präsentierten, dies nun nicht erwähnten, finde sie enttäuschend.

Grüne und CSU verteidigen ihre Sicht

Die Grünen-Fraktion betont auf BR-Nachfrage, Wiesn-Stadträtin Berger sei 2023 noch nicht Mitglied der Gleichstellungskommission gewesen. Damals seien lediglich grundsätzliche Kriterien erarbeitet worden, um sexistischen Darstellungen auf der Wiesn vorzubeugen, die man weiterhin für angemessen halte. Allerdings müsse jedes Fahrgeschäft einzeln betrachtet und die Kriterien mit Augenmaß umgesetzt werden – das sei im Fall des Teufelsrads nicht geschehen. Bei zukünftigen Umgestaltungen an Wiesn-Fahrgeschäften müsse der Münchner Stadtrat eingebunden werden.

Fuchs stellt sich vor städtische Gleichstellungsstelle und lenkt Blick auf Upskirting

Mona Fuchs unterstreicht zugleich, dass die Gleichstellungsstelle einen unverzichtbaren Beitrag für Frauen und Mädchen in München leiste. Wichtiger als die Frage, wie viel Haut eine Figur zeige, seien die zahlreichen Fälle von Upskirting am Teufelsrad: Frauen sei dort ohne ihr Einverständnis unter den Rock gefilmt worden. Das müsse künftig verhindert werden, sagt Fuchs – der Streit um die Bekleidung der Figuren sei der falsche Schwerpunkt.

BR24 auf TikTok: Teufelsrad-Streit

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