Eine Sicherheitszentrale, drei Fahrgeschäfte und eine besondere Hilfe für Menschen mit Einschränkungen gehören zu den Neuheiten beim Münchner Oktoberfest. Diese haben dritte Bürgermeisterin Verena Dietl (SPD) und Wiesnchef Christian Scharpf (SPD) heute vorgestellt - 50 Tage vor dem Anzapfen, das am 19. September erstmals der neue Oberbürgermeister Dominik Krause (Grüne) vornehmen wird.
"Reizvolle" neue Fahrgeschäfte
Aktuell läuft auf dem gut 35 Hektar großen Festareal der Aufbau. Insgesamt sind 478 Betriebe zugelassen. Darunter befinden sich gut 250 Schaustellerbetriebe, beinahe 200 Betriebe von Marktkaufleuten sowie weitere 45 Betriebe auf der "Oidn Wiesn". Insgesamt hatten sich 954 Betriebe beworben. Aktuell wird auf der Theresienwiese vor allem an den fast 40 Zelten gearbeitet. Der Aufbau der Fahrgeschäfte startet erst Ende August.
Neu ist etwa das Rundfahrgeschäft "Shake & Roll". Es soll sich dabei um eine Weiterentwicklung von "Break Dance" handeln – allerdings eine deutlich wildere Version: Die Gondeln können sich frei überschlagen und führen komplette Loopings aus – "reizvoll", kommentierte Wiesnchef Scharpf. Beim "Fisherman’s" wird "Action und Wasserabenteuer" in einem Fischerdorf auf drei Etagen versprochen. Premiere beim Oktoberfest feiert auch das "Chaos Pendel". Laut Beschreibung werden die Gäste in bis zu 42 Meter Höhe und mit bis 80 Stundenkilometern durch die Luft gewirbelt – an einem rotierenden Arm, der an einem schwenkbaren Propeller hängt.
Mehr Sicherheit nach Überfüllung im vergangenen Jahr
Bereits fertig ist die neue Sicherheitszentrale im Servicezentrum – eine Reaktion auf die kritische Überfüllung des Geländes im vergangenen Jahr. Sie soll als neue Koordinierungsstelle den Informationsfluss zwischen Sicherheitsbehörden und der Festleitung verbessern. Am mittleren Wiesnsamstag, dem sogenannten Italiener-Samstag, war es vor den Festzelten stellenweise so voll geworden, dass sich viele Besucher kaum noch bewegen konnten. Die Eingänge wurden schließlich vorübergehend geschlossen.
Solchen Situationen will man künftig mit einem modernen Beobachtungsmanagement, der Steuerung von Besucherströmen und einem verbesserten Informationsfluss vorbeugen. "Man sieht ganz frühzeitig: Wo braut sich was zusammen", sagte Scharpf. Ziel sei es, punktuelle Überfüllungssituationen wie im Vorjahr zu verhindern. Sicherheit sei das wichtigste Thema der Wiesn.
Ausziehen muss dafür das Fundbüro, das in Räume auf der Theresienhöhe verlegt wird. Zum überarbeiteten Sicherheitskonzept gehört auch die Installation von städtischen Kameras auf dem ganzen Gelände. Dank künstlicher Intelligenz sollen in der Sicherheitszentrale "Heat Maps" anzeigen, wo sich zu viele Menschen ansammeln und Überfüllungssituationen entstehen könnten.
"How to Wiesn" um Besucherströme zu entzerren
Parallel dazu hat die Stadt im Mai die Kampagne "How to Wiesn" gestartet. Die Botschaften an die Gäste: Während der Woche ist es beim Oktoberfest am schönsten, die Wiesn hat nicht nur einen Eingang, und statt Warteschlangen vor Zelten zu bilden, sollte man lieber die Schaustellerstraße oder die "Oide Wiesn" besuchen.
In den großen Festzelten dürfen die Musikkapellen künftig schon ab elf Uhr und am Wochenende sogar ab zehn Uhr spielen. Bis zwölf Uhr ist allerdings nur traditionelle Blasmusik erlaubt – also "keine aufheizende Musik", wie Scharpf sagte. Damit sollen Frühschoppen attraktiver und internationale Gäste stärker auf die Wochentage gelenkt werden, um Besucherströme zu entzerren.
Hilfe für Menschen mit Einschränkungen
Gut zu wissen: An etwa der Hälfte aller Stände und Attraktionen kann man inzwischen wahlweise bargeldlos bezahlen. Ganz kostenlos ist erneut das Wasser, das Besucher an zehn Brunnen selbst zapfen können.
Mehr Unterstützung sollen künftig Besucher mit unsichtbaren Einschränkungen – etwa Autismus, Angststörungen oder Hörbeeinträchtigungen – bekommen. Sie können sich spezielle Schlüsselbänder der Initiative "Hidden Disabilities Sunflower" geben lassen und damit auf Bedürfnisse aufmerksam machen. Die Mitarbeitenden der Betriebe, Behörden und Hilfsorganisationen sollen entsprechend sensibilisiert werden.
Auch bei den Zelten gibt es Neuerungen: "Bartls Flößerstadl" übernimmt den Platz der "Münchner Stubn", nachdem deren Wirt kurzfristig abgesagt hatte. Außerdem erhält "Bodo's Cafézelt und Cocktailbar" ein neues Festzelt aus Holz.
Auch der neue Wiesnkrug bereits offiziell präsentiert
Das Motiv des neuen Wiesnkrugs, das auch für Plakate und Lizenzartikel verwendet wird, wurde bereits im Januar gezeigt: Über einer angedeuteten Tischfläche sind in kräftigen Farben die Frauenkirche und typische Wiesn-Elemente wie Tuba, Breze, Riesenrad, Lebkuchenherz und Maßkrug zu sehen. Der Entwurf stammt von dem Grafiker und Illustrator Florian Huber aus Kranzberg. Der Zinndeckel zeigt heuer ein Porträt von Betty Feldl, die viele Jahre das "Teufelsrad" betrieben hat.
Weitergeführt wird zudem der Musikwettbewerb "A Liad für'd Wiesn". Aus 122 eingereichten Liedern schafften es sieben ins Online-Voting. Der Sieger soll am Samstag beim Brass Wiesn Festival vorgestellt werden.
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